Geringe Interoperabilität zwischen den Systemen

Balkanisierung prägt die Server-Virtualisierung

05.03.2009
Von Wolfgang Sommergut

Citrix als Microsoft-Verbündeter

Zu den neuen Konkurrenten von VMware, der ebenfalls den Preisdruck auf die Basissoftware erhöht, gehört Citrix seit der Übernahme von Xensource vor eineinhalb Jahren. Dazu trägt nicht nur die Open-Source-Variante von Xen bei, sondern auch eine kostenlose Ausführung des kommerziellen Produkts unter dem Namen "XenServer Express". Wie seine Pendants von Microsoft und VMware verzichtet die Einsteigervariante auf eine Reihe von Enterprise-Features, darunter das Verschieben con VMs während des laufenden Betriebs ("XenMotion"), Unterstützung für Shared Storage (SAN) sowie Hochverfügbarkeit.

XenCenter von Citrix soll in Zukunft auch für die Administration von Hyper-V ausgelegt werden.
XenCenter von Citrix soll in Zukunft auch für die Administration von Hyper-V ausgelegt werden.

Die Vollversionen "Enterprise" und "Platinum" von XenServer sind ähnlich leistungsfähig wie das Flaggschiffprodukt von VMware. Hinsichtlich der Architektur gleicht die Software Hyper-V, weil Microsoft seinen Hypervisor in enger Zusammenarbeit mit Xensource entwickelt hat. Als Service-Betriebssystem, über das die Ein- und Ausgabeoperationen der Gastsysteme laufen, setzt Citrix jedoch Linux ein. Entsprechend ist XenServer gegenüber Linux-Gästen wesentlich offener als Hyper-V, das in der ersten Ausführung ausschließlich Novells "SUSE Linux Enterprise Server" unterstützt und dieses bei der Administration gegenüber Windows benachteiligt.

Angesichts des Kooperationsabkommens zwischen Microsoft und Citrix ist eine solche Arbeitsteilung durchaus beabsichtigt. Ähnlich wie der "Presentation Server" (neuerdings "XenApp") seit Jahren die Terminaldienste von Windows erweitert, bieten XenServer und XenDesktop fortgeschrittene Virtualisierungsfunktionen für die Microsoft-Welt. Allerdings konzentriert sich Citrix aufgrund seiner Ausrichtung auf "Application Delivery" stärker auf die Desktop-Virtualisierung, so dass nicht absehbar ist, ob das Unternehmen tatsächlich ein führender Anbieter bei Server-Virtualisierung wird - auch wenn es die technischen Voraussetzungen dafür mitbringt.

Die von beiden Unternehmen geplanten Verwaltungs- und Migrationswerkzeuge sollen einen möglichst reibungslosen Parallelbetrieb der Systeme ermöglichen. Derzeit kann Microsofts Virtual Machine Manager 2008 zwar VMware-Server mitverwalten, die Unterstützung für XenServer soll erst in einer späteren Version nachgeliefert werden. Citrix möchte seinerseits im Lauf dieses Quartals die "Essentials for Hyper-V" auf den Markt bringen, die voraussichtlich einige XenServer-Features für Hyper-V nachrüsten, beispielsweise Live Migration. In Bezug auf die Format für virtuelle Festplatten marschieren beide Hersteller bereits im Gleichschritt, seit der XenServer VHD-Images unterstützt.

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