Netzstart Ende September geplant

1&1 senkt Handynetz-Ausbauziel

04.08.2023
Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone: Diese drei Unternehmen betreiben hierzulande Handynetze. Bald kommt mit 1&1 ein viertes Unternehmen hinzu. Der Netzbau will allerdings nicht so recht klappen.
1&1 hat überraschend bekanntgegeben, beim National Roaming von O2 zu Vodafone zu wechseln
1&1 hat überraschend bekanntgegeben, beim National Roaming von O2 zu Vodafone zu wechseln
Foto: 1&1 AG

Beim Bau des vierten deutschen Handynetzes muss das Telekommunikationsunternehmen 1&11&1 den nächsten Rückschlag hinnehmen. Bis Jahresende peile man nur noch rund 1.000 verfügbare 5G-Standorte an und nicht mehr 1.200, sagte Firmenchef Ralph Dommermuth am Donnerstag in Montabaur. Der wichtigste Ausbaupartner - gemeint ist die Infrastrukturfirma Vantage Towers - habe einen Teil der zugesagten Standorte abgemeldet. "Wir haben keine Erklärung bekommen, woran das jetzt standortgenau liegt." Trotz dieser Entwicklung habe er das Gefühl, dass sich der Baupartner um ein höheres Tempo bemühe. Top-500-Firmenprofil für 1&1

1&1 hatte 2019 erstmals Spektrum für 1,1 Milliarden Euro ersteigert, um damit ein eigenes Netz zu bauen. Bisher nutzt das Unternehmen für sein Mobilfunkgeschäft die Netze der Konkurrenz und zahlt dafür Miete. Künftig will 1&1 auf eigenen Beinen stehen. Nach Einschätzung von Experten könnten Verbraucher davon profitieren, weil sich der Wettbewerb verschärft.

Der Ausbau des vierten deutschen Handynetzes kam aber nur schleppend voran. Bis Ende 2022 hätte 1.000 5G-Standorte in Betrieb sein müssen, tatsächlich waren es aber nur fünf. Das lag vor allem an Vantage Towers, das dies mit Lieferproblemen begründete.

1&1 argwöhnte, dass der Konkurrent VodafoneVodafone seine Finger im Spiel hatte - Vodafone hält zusammen mit Investoren die Mehrheit an Vantage Towers. Das Bundeskartellamt geht derzeit dem Verdacht nach, ob Vodafone seinen Einfluss missbräuchlich geltend gemacht hatte. Vodafone und Vantage Towers wiesen diesen Verdacht zurück. Top-500-Firmenprofil für Vodafone

Zum 30. Juni 2023 waren nur 40 5G-Standorte von 1&1 in Betrieb. 193 waren verfügbar - damit sind auch die Standorte inbegriffen, die zwar schon bereitstehen, aber noch kein Glasfaser und keine installierten Antennen haben. Bis Ende September soll diese Zahl auf circa 500 und bis Ende Dezember 2023 auf rund 1.000 steigen. Wie groß das freigeschaltete Netz zum Jahresende sein wird, ist noch offen. Die Zahl der aktivierten Standorte dürfte aber gering sein und erst nächstes Jahr deutlich steigen.

Start am 26. September 2023

Trotz der kleinen Fortschritte will 1&1 sein Handynetz bald starten, am 26. September 2023 soll der Schalter umgelegt werden. Ab dann können Neukunden mit dem noch sehr kleinen 1&1-Netz verbunden werden. Dort, wo keine 1&1-Antennen sind, werden sie im Rahmen des sogenannten National Roamings mit dem Netz von Telefónica (O2) verbunden. Diese Partnerschaft zwischen 1&1 und O2 ist allerdings nicht von langer Dauer: Am Mittwoch hatte 1&1 überraschend bekanntgegeben, beim National Roaming zu Vodafone zu wechseln, spätestens im Herbst 2024 soll das geschehen. Dabei ist auch der Funkstandard 5G5G inbegriffen, beim O2-National-Roaming geht es nur um 2G und 4G. Alles zu 5G auf CIO.de

Warum diese Kehrtwende? "Es ging bei dem Vertrag mit Vodafone nicht darum, dass wir günstiger einkaufen als bei Telefónica", sagte Dommermuth. "Die Preise sind mehr oder weniger gleich." Viel wichtiger sei, dass der Vertrag eine klare Kalkulationsgrundlage und "keine versteckten Kosten" enthalte. (dpa/rs/rw)

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