Unerwünschte Anrufe 2022

Die neuen Maschen der Telefonbetrüger

Jürgen Hill ist Chefreporter Future Technologies bei der COMPUTERWOCHE. Thematisch befasst sich der studierte Diplom-Journalist und Informatiker derzeit mit aktuellen IT-Trendthemen wie KI, Quantencomputing, Digital Twins, IoT, Digitalisierung etc. Zudem verfügt er über einen langjährigen Background im Bereich Communications mit all seinen Facetten (TK, Mobile, LAN, WAN). 
Unerwünschte Anrufe sind nicht nur nervig, sondern können auch teuer werden - der Betrug mit Telefon-Spam bleibt ein lohnendes Geschäft. Diese neuen Betrugsmaschen sind derzeit populär.
Unerwünschte, betrügerische Anrufe - beziehungsweise Telefon-Spam - nerven nicht nur, sondern können auch teuer werden.
Unerwünschte, betrügerische Anrufe - beziehungsweise Telefon-Spam - nerven nicht nur, sondern können auch teuer werden.
Foto: fizkes - shutterstock.com

Auch 2022 versuchen sich Telefonbetrüger mit neuen SpamtricksSpamtricks oder sie greifen auf altbewährte Taktiken zurück. Welches neue Vorgehen aus den USA nach Deutschland kommen könnte und welcher Telefontrick nie alt wird, verrät Spam-Schutz-Experte Thomas Wrobel von Clever Dialer. An die Telefonnummern ihrer potenziellen Opfer kommen die Betrüger oft, indem sie komplette Adressdatensätze mit Telefonnummern kaufen, oder Rufnummern automatisch nach dem Zufallsprinzip anrufen lassen. Alles zu Security auf CIO.de

Ferienzeit: Unerwünschte Anrufe aus dem Ausland haben Konjunktur

Um eine Rückverfolgung zu vermeiden und möglichst unbekannt zu bleiben, nutzen Spam-Anrufer ausländische Telefonnummern und rufen Verbraucher mit verschiedensten Vorwahlen an. Besonders in der Ferienzeit ist diese Methode beliebt und die Gefahr hoch, den Betrügern auf den Leim zu gehen. Könnte es sich doch bei dem Anruf um einen Notfall von Freunden, Bekannten oder Verwandten handeln, die gerade auf Reisen sind. Experten raten deshalb, erst zu überlegen, ob es wirklich einen triftigen Grund für einen Anruf aus diesem Land gibt.

Der Spitzenreiter für ausländische Anrufe 2021 war: Das Vereinigte Königreich. Die +44-Vorwahl ist die Nummer eins der ausländischen Spam-Anrufe und löst damit Österreich (+43) als Tabellenführer aus 2020 ab. Doch auch mit Anrufen aus der Schweiz (+41), den USA (+1) und Italien (+39) versuchen die Betrüger häufiger ihr Glück. Bei diesen Vorwahlen ist also Vorsicht geboten.

Vorsicht, wenn die 110 oder 112 anruft

Ebenso bedienen sich die Betrüger regelmäßig der Schockanruf-Masche. Sie geben sich am Telefon als Vertrauenspersonen aus und wollen mit erschütternden Informationen oder vermeintlichen Unglücksfällen spontane Übersprungshandlungen bei den Angerufenen erzeugen. Besonders gut funktioniert dieser Trick, wenn schon auf der Display-Anzeige der Betroffenen die Notrufnummer "110" angezeigt wird. Aber Achtung! Diese drei Ziffern sind lediglich eine Kurzwahlfunktion für Menschen in Notsituationen. Sollte die Polizei Anrufe tätigen, erscheint wie bei anderen auch eine herkömmliche Telefonnummer mit Ortsvorwahl. Wer also die "110" oder "112" aufleuchten sieht, kann den Anruf getrost ignorieren.

Die Europol-Fake-Masche

Sehr populär unter den Telefonbetrügern ist derzeit die Europol-Masche. Wie eine Welle scheint diese Masche derzeit über Deutschland zu schwappen. Bei der Bundesnetzagentur sollen schon zehntausende Beschwerden bezüglich dieser Masche eingegangen sein. Hierbei hört der Angerufene zuerst eine angebliche Bandansage von Europol, in der er darüber informiert wird, dass er Opfer eines Identitätsklaus geworden sei. Um weitere Informationen zu erhalten, soll dann eine Taste gedrückt werden. Im Gespräch berichten die vermeintlichen Europol-Beamten dann von verdächtigen Kontobewegungen im Namen des Opfers. Um das eigene Konto zu schützen, solle man doch sein Guthaben auf ein spezielles Europol-Konto überweisen.

Unerwünschte Anrufe von "Apple" und "Amazon"

So schnell wie Online-Einkäufe bei Amazon abgewickelt sind, führen auch vermeintliche Amazon-Mitarbeiter in den USA Gutgläubige hinters Licht. Betroffene werden telefonisch auf einen nicht autorisierten Einkauf bei Amazon und die damit verbundene Rückerstattung hingewiesen. Dabei fiel angeblich die Rückerstattungssumme zu hoch aus und der Angerufene wird aufgefordert, die Differenz zu begleichen. Ein Amazon-Imitator bat sogar einmal um Hilfe, da ihm eine Kündigung drohe, sollte das Geld nicht beglichen werden.

Ähnlich verhält es sich bei mysteriösen Apple-Angestellten, die von einem kompromittierten iCloud-Konto oder einem kostenlosen iPad-Gewinn erzählen, um im nächsten Schritt zu versuchen, Zugang zu den Konten der Betroffenen zu erlangen. Hierzulande probierten es die Spam-Anrufer oft als Microsoft-Mitarbeiter, es ist aber davon auszugehen, dass die Betrüger sich auch hierzulande als Apple- oder Amazon-Mitarbeiter ausgeben werden. Also seien Sie skeptisch, wenn plötzlich Apple-, Amazon- oder Microsoft-Mitarbeiter bei Ihnen anrufen. Verweisen Sie auf E-Mail oder Post.

Betrügerische Anrufe vom BKA

Das Telefon klingelt und eine Computerstimme meldet sich - und dann ist ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BKA) dran. "Ihre Ausweisdokumente wurden bei einem Verbrechen benutzt. Melden Sie sich bei der folgenden Nummer". Die meisten Angerufenen stellen sich dann die Frage: "Hat sich irgendjemand an meinem Ausweis vergriffen?", "Nutzt ein Krimineller meinen Namen?".

Nach dem Schrecken rufen viele die angegebene Nummer an, um die Sache zu klären. Dabei handelt sich um einen Spam-Anruf der ganz üblen Sorte. Verbraucher sollten deshalb vor einem Anruf prüfen, ob die genannte Nummer wirklich zu einer Polizei-Dienststelle gehört.

Telefon-Spam-Klassiker Enkeltrick

Quasi der Evergreen unter den Spam-Maschen ist der sogenannte Enkeltrick, bei dem betagtere und leichtgläubige Senioren ausgetrickst werden. Dabei werden die Betroffenen aufgefordert, eine hohe Geldsumme zu überweisen mit der Begründung, dass sich ihre Enkel in Schwierigkeiten befinden. Auch Mietkosten oder notwendige Anschaffungen sind vielgenannte Gründe für eine Finanzspritze.

Der Erfolg des Tricks beruht auf der Gutgläubigkeit der Senioren und endet im schlimmsten Fall mit Datenklau oder Vermögensverlust. Auch 2021 zählte der Trick zu den häufigsten Telefon-Spam-Maschen.

Die Bitcoin-Telefon-Spam-Falle

Telefon-Betrüger versuchen - oftmals auch mit ausländischen Telefonnummern - Verbrauchern Bitcoins anzudrehen und gaukeln eine Online-Registrierung vor. Spam-Geplagte beschweren sich insbesondere über das aggressive und penetrante Vorgehen der Anrufer.

Gerade am Telefon sollte man sich auf keine unerwarteten Bank- oder Geldgeschäfte einlassen. Hierfür empfiehlt sich ein Gespräch mit dem persönlichen Bankberater oder die Nutzung der Apps der jeweiligen Anbieter.

Unerwünschte Anrufe sperren und Spammer abwehren

Doch die Spam-Opfer sind dem Telefonterror der Anwender nicht hilflos ausgeliefert. Schon einfache Tricks genügen, um die nervigen Betrüger in die Flucht zu schlagen - Schlagfertigkeit während des Spam-Anrufs vorausgesetzt. So hatte etwa ein potenzielles Opfer damit Erfolg, dass es am Telefon erzählte, bei der Polizei zu arbeiten. Schlagartig war das Gespräch ohne Ankündigung beendet. Eine andere Methode sind Gegenfragen. Wird etwa wegen der angeblichen Teilnahme an Gewinnspielen nach der Kontonummer gefragt, hilft oft die einfache Gegenfrage, "nennen Sie mir doch die vorliegenden Daten, um diese abgleichen zu können". Auch hier brechen die Betrüger das Telefonat meist ab.

Bedrängnis macht erfinderisch: Eine Betroffene dreht, wie Clever Dailer berichtet, den Spieß um und stellt die Geduld der Spam-Anrufer auf die Probe. Mit der Mission ihren nächsten Rekord am Telefon zu knacken, greift sie zum Hörer und das Geduldsspiel beginnt: Minutenlang wird das Notebook gesucht, Updates werden installiert, jeder Buchstabe muss einzeln buchstabiert werden, die falsche Mail wird angeklickt, es passieren Tippfehler und beginnt noch die Suche nach der Kreditkarte. Hier werden die Nerven der betrügerischen Call-Center-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen auf eine harte Probe gestellt.

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