Langstreckenmarkt Berlin auf der Kippe

Fluggesellschaft Germania torpediert Staatshilfe für Air Berlin

30.08.2017
Millionen vom Bund sollen die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin in der Luft halten - was nicht jedem gefällt. Das Management will derweil zügig Fakten schaffen.
Die Fluglinie Germania geht gegen den 150-Millionen-Euro Kredit der Bundesregierung vor.
Die Fluglinie Germania geht gegen den 150-Millionen-Euro Kredit der Bundesregierung vor.
Foto: Mike Fuchslocher - shutterstock.com

Der Widerstand gegen die Staatshilfe für die insolvente Air BerlinAir Berlin wächst. Nach den Kartellbeschwerden des Konkurrenten Ryanair geht nun auch die Fluggesellschaft Germania gegen den 150-Millionen-Euro Kredit der Bundesregierung vor. Germania will diese Hilfe per Eilverfahren vorerst stoppen, wie das Berliner Landgericht am Dienstag mitteilte. Air Berlin drückt beim Verkauf vom Unternehmensteilen aufs Tempo: Bis zum 15. September ist Zeit für Angebote. Unterdessen stutzt die Airline ihr Langstrecken-Angebot, Passagiere werden umgebucht. Top-500-Firmenprofil für Air Berlin

So fallen zum 17. September und zum 1. Oktober die beiden täglichen Verbindungen von Berlin nach Abu Dhabi weg, dem Drehkreuz des Großaktionärs Etihad. Die arabische Fluggesellschaft gewährt Air Berlin keine Finanzspritzen mehr, daraufhin hatten die Berliner vor zwei Wochen den Insolvenzantrag gestellt.

Auf der Streichliste: Berlin-Chicago und Berlin-Abu Dhabi

"Wir streichen verlustreiche Strecken", sagte ein Sprecher. Zum 30. September fällt demnach auch die Verbindung Berlin-Chicago weg, die Flüge nach Los Angeles und San Francisco zum 1. Oktober - vier Wochen früher als eigentlich geplant. Das gilt auch für Düsseldorf-Boston. Berlin hat dann nur noch zwei Langstrecken: Miami und New York. Düsseldorf behält zwölf. Über die Langstrecken-Pläne hatte zuvor die "Bild"-Zeitung berichtet.

Air Berlin verhandelt nach eigenen Angaben mit der LufthansaLufthansa und drei weiteren Unternehmen über einen Verkauf. Als Interessenten für Teile der FluggesellschaftFluggesellschaft gelten neben der Lufthansa die britische Easyjet und der Ferienflieger CondorCondor. An diesem Mittwoch ist ein Gespräch mit dem Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl geplant, der die Fluggesellschaft als Ganzes übernehmen will. Top-500-Firmenprofil für Condor Top-500-Firmenprofil für Lufthansa Top-Firmen der Branche Transport

Der 150-Millionen-Euro-Kredit durch die staatliche KfW-Bank soll sicherstellen, dass Air Berlin während der Verkaufsverhandlungen trotz Insolvenz weiterfliegen kann. Germania will dies verhindern, solange die EU-Kommission die Hilfe nicht genehmigt. Die Fluggesellschaft wirft dem Bund vor, die Lufthansa einseitig zu bevorzugen. Darüber soll am 15. September verhandelt werden.

Wettbewerber rebellieren

Ryanair hatte vor zwei Wochen Beschwerde beim Bundeskartellamt und der EU-Wettbewerbsbehörde eingelegt. Nach Regierungsangaben hat auch der irische Billigflieger Interesse, Air Berlin zu übernehmen. Vorstandschef Michael O'Leary will sich an diesem Mittwoch in Berlin äußern.

Arbeitnehmervertreter, die Gewerkschaft Verdi und der Berliner Senat appellierten am Dienstag an mögliche Käufer, auch die Beschäftigten zu übernehmen. "Es geht nicht nur um das Fluggerät, um Slots, sondern auch um viele Tausend Beschäftigte", sagte Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) nach einem Treffen im Roten Rathaus.

Zuvor hatte Müller im "Tagesspiegel" eine Übernahme durch Ryanair wegen der Arbeitsbedingungen bei der irischen Billigfluglinie abgelehnt und dafür geworben, der Lufthansa den Zuschlag zu geben.

Langstreckenmarkt Berlin auf der Kippe

Der deutsche Marktführer ist vor allem an der Touristik-Tochter Niki interessiert und bietet auch für die Langstreckenflotte der Air Berlin. Die Lufthansa-Tochter Eurowings würde bei einem Zuschlag zwei Langstreckenflieger in der Hauptstadt stationieren und von dort Ziele an der Ostküste der USA anfliegen, hieß es am Dienstag in Unternehmenskreisen.

Berlin gilt wegen der fehlenden Umsteiger als schwieriger Langstreckenmarkt. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte daher angekündigt, die letzten Langstreckenflieger von Berlin nach Düsseldorf zu verlagern. Dort will Eurowings dem Vernehmen nach bis zu zehn Übersee-Jets der Berliner weiter betreiben. Damit bietet die Lufthansa-Tochter offenbar nur für 12 der 17 Langstrecken-Flugzeuge der Air Berlin. (dpa/rs)

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