Teurer Flirt

Geplatzte Fusion kostet Deutsche Börse fast 77 Millionen Euro

17.05.2017
Der letztlich geplatzte Zusammenschluss mit der Londoner Börse war ein teures Vergnügen für die Deutsche Börse.
Die Deutsche Börse wollte mit der Londoner Börse einen internationalen Branchenriesen schmieden.
Die Deutsche Börse wollte mit der Londoner Börse einen internationalen Branchenriesen schmieden.
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Insgesamt hätten die Kosten bei 76,5 Millionen Euro gelegen, sagte Börsenchef Carsten Kengeter am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Die darin enthaltene Rückabwicklung habe mit etwa 1 Million Euro zu Buche geschlagen. Ein Aktionärsvertreter hatte wissen wollen, wie hoch die Kosten waren.

Den dicksten Batzen bekamen laut Kengeter die Rechtsanwälte der Kanzlei Linklaters mit 33,4 Millionen Euro. Die Beratungsgesellschaften Compass Lexecon und McKinsey durften sich über 9,5 Millionen beziehungsweise 5,9 Millionen Euro freuen. Sie hatten die Deutsche BörseDeutsche Börse beim Kartellverfahren beziehungsweise bei der Integrationsvorbereitung unterstützt. Die Investmentbank Perella Weinberg erhielt 4,9 Millionen Euro und die Kommunikationsberatung Hering Schuppener 2,8 Millionen Euro. Kengeter verteidigte die Ausgaben: Es seien "marktübliche Stundensätze" bei den Kanzleien abgerechnet worden. Top-500-Firmenprofil für Deutsche Börse

Mit Joschka Fischer war auch eine prominente politische Figur eingespannt. Er habe über seine eigene Beratungsfirma in den vergangenen zwei Jahren "weniger als 150000 Euro" als Honorar erhalten. "Er wurde beauftragt, die Gruppe Deutsche Börse bei der Analyse der politischen Situation in Europa nach dem Brexit-Votum zu beraten", sagte Kengeter.

Die Deutsche Börse hatte mit der Londoner Börse einen internationalen Branchenriesen schmieden wollen. Die Entscheidung der Briten, aus der Europäischen Union auszutreten, erschwerte das Vorhaben jedoch. Vor allem die Frage nach dem Sitz der gemeinsamen Holding war ein Streitpunkt. Am Ende wollte die London Stock Exchange eine Auflage der europäischen Wettbewerbshüter nicht erfüllen, woraufhin die EU-Kommission die Fusion untersagte.

"Wir sind der Auffassung, dass unseren Beratern weder Versäumnisse noch Fehlleistungen vorzuhalten sind", sagte Kengeter. Sie hätten "hervorragende Arbeit" geleistet. Aktionäre hatten moniert, dass das Risiko des Brexit bei den Fusionsverhandlungen unterschätzt worden sei.

Der Großteil der Kosten für die Fusion war bereits im vergangenen Jahr angefallen und zwar 66 Millionen Euro. Bei einem erfolgreichen Abschluss hätte sich die Rechnung auf insgesamt 150 Millionen Euro belaufen, hatte Finanzchef Gregor Pottmeyer zu Jahresbeginn geschätzt. Denn dann hätten die beteiligten Banken Erfolgshonorare erhalten. Die Deutsche Börse will nun über eine Ausweitung ihrer Geschäfte und kleinere Übernahmen wachsen. (dpa/rs)

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