"Manifest" gegen Frauen

Google mit interner Diversity-Diskussion völlig überfordert

13.08.2017
Nach seinem umstrittenem "Manifest" gegen Frauen musste ein Google-Mitarbeiter gehen. Ein schnell anberaumtes Mitarbeitertreffen zum Gender-Streit wurde nun abgesagt - aus Sicherheitsgründen.
Ein einzelner Mitarbeiter hat die Diversity-Diskussion ausgelöst.
Ein einzelner Mitarbeiter hat die Diversity-Diskussion ausgelöst.
Foto: achinthamb - shutterstock.com

GoogleGoogle hat ein Mitarbeitertreffen abgesagt, bei dem es um den umstrittenen Text eines inzwischen entlassenen Software-Entwicklers gehen sollte, der Frauen für weniger fähig zur Karriere in der Tech-Branche hält. Google-Chef Sundar Pichai erklärte die Absage in einer internen E-Mail mit Sorgen um die Sicherheit von Beschäftigten. Auf ultrakonservativen Websites in den USA waren bereits Informationen zu mehreren Mitarbeitern veröffentlicht worden, die Fragen auf dem Treffen stellen wollten. Alles zu Google auf CIO.de

Der Software-Entwickler James Damore hatte intern einen zehnseitigen Text veröffentlicht, in dem er unter anderem erklärte, Frauen seien biologisch eher veranlagt, sich mehr als Männer auf Gefühle und Emotionen statt Ideen zu fokussieren. Deshalb seien Männer erfolgreicher in der Tech-Branche und es sei ein Fehler, über Diversity-Initiativen mehr Frauen in die Unternehmen zu bringen.

Damore behauptete auch, die Dominanz liberaler Ideologie bei Google verhindere eine offene Diskussion über solche Themen. Pichai erklärte kurz darauf, Damore habe gegen interne Verhaltensregeln verstoßen. Der Software-Entwickler drohte mit einer Klage gegen seine Entlassung und gab Interviews an ultrakonservative US-Websites. Unterstützung bekam er von Wikileaks-Gründer Julian Assange, der ihm via Twitter einen Job bei der Enthüllungsplattform anbot.

Google ist überfordert

Auf Twitter tauchte derweil ein neu gegründeter Account unter Damores Namen auf. "Gefeuert, weil die Wahrheit gesagt wurde", heißt es in dem Profil @Fired4Truth. Als Profilbild war ein Foto mit James Damore und einem T-Shirt mit dem Schriftzug "Goolag" zu sehen, eine Anspielung auf das sowjetische Zwangs- und Arbeitslagersystem Gulag. "Der gefeuerte Google-Entwickler vergleicht seinen hochbezahlten Job mit einem sowjetischen Zwangslager", schrieb "The Verge". Zunächst blieb aber unklar, ob es sich wirklich um Damores persönlichen Twitter-Account handelte.

Der Google-Chef schrieb in der E-Mail zur Absage des für Donnerstag geplanten Treffens, die große Mehrheit der Mitarbeiter habe die Entlassungsentscheidung unterstützt. Zugleich seien einige besorgt, ob sie ihre Meinung offen aussprechen könnten. Zugleich rief er in der unter anderem vom Tech-Blog "Recode" veröffentlichten E-Mail die Mitarbeiter auf, sich auf die gemeinsame Google-Aufgabe zu besinnen, Produkte für alle zu entwickeln und das Leben der Menschen zu verändern. (dpa/rs)

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