Risiko eingehen

Lohnen Auslandsaufenthalte für CIO-Karrieren?



Sabine Thiemann ist Beraterin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Sie ist unter anderem auf CIO-Positionen spezialisiert. Sie ist Beraterin im Münchner Büro von Heidrick & Struggles International und Mitglied der globalen Information & Technology Officers Practice sowie der Global Technology & Services Practice.
In Wenigem sind sich Karriere-Experten so einig wie in dieser Frage. Für Führungskräfte sollte eine längere Auslandsstation in jedem Fall Bestandteil des Lebenslaufes sein. Gilt dies auch für IT-Experten und CIOs? Wir geben Antworten.
  • In der IT-Welt wird Auslandserfahrung traditionell weniger erworben als in anderen Unternehmensfunktionen
  • Oft gelingt es Unternehmen nicht, ihre Expatriates auf angemessene Positionen zurück zu holen
  • Trotzdem sollte der Auslandsjob neugierigen und ehrgeizigen IT-Managern dieses Risiko wert sein
  • Es gibt für einen Auslandsaufenthalt ein paar Ratschläge, die es zu befolgen lohnt
Die Vorteile von Auslandsstationen liegen auf der Hand. Wer bei einer Landesgesellschaft fernab der Firmenzentrale seinen Dienst tut, lernt in kurzer Zeit viele neue Dinge. Er lernt mit einer fremden Kultur umzugehen, lernt eine neue Sprache, verbessert sein Business-Englisch und lernt vor allem eine andere Perspektive kennen.
Die Vorteile von Auslandsstationen liegen auf der Hand. Wer bei einer Landesgesellschaft fernab der Firmenzentrale seinen Dienst tut, lernt in kurzer Zeit viele neue Dinge. Er lernt mit einer fremden Kultur umzugehen, lernt eine neue Sprache, verbessert sein Business-Englisch und lernt vor allem eine andere Perspektive kennen.
Foto: Ditty_about_summer - shutterstock.com

Expatriates, also im Ausland lebende Mitarbeiter, dürfen in der Regel mehr unternehmerische Verantwortung übernehmen, sie arbeiten oft direkt dem Landes-CEO zu, erwerben dabei eine Breite an Wissen und bewegen sich in einer freieren Umgebung als in der Hierarchie des Headquarters. Viele Dinge also, die die Persönlichkeit schulen und die Lernkurve sowie den Erfahrungsschatz wachsen lassen.

ITler gehen traditionell weniger ins Ausland

Viele Führungskräfte wissen das, und sie wissen auch, dass Auslandserfahrung beim internen Aufstieg oder dem Wechsel des Arbeitgebers hilfreich ist. Dennoch erleben wir in der IT-Welt, dass Auslandserfahrung traditionell weniger erworben wird als in anderen Unternehmensfunktionen.

Woran liegt das? Großkonzerne legen Führungskräften aus Marketing und Vertrieb eher nahe, ins Ausland zu gehen, um das globale Unternehmen besser kennenzulernen. Bei erfolgreicher Tätigkeit bieten sie ihnen im Anschluss an den Auslandsaufenthalt einen nächsten Schritt wie Geschäftsführungsaufgaben, Leitung einer Business Unit oder P&L-Verantwortung an.

Dagegen arbeitet man im IT-Bereich (wie auch im HR- oder Finanzbereich) ohnehin schon sehr international mit anderen Kollegen und Fachbereichen zusammen und verbringt auch mal 2-3 Wochen an einem anderen Standort. Jedoch stufen Unternehmen einen Karriereschritt einer IT-Führungskraft nach einem mehrjährigen Aufenthalt eher als unsicher ein und stellen ihn vermutlich auch gar nicht erst in Aussicht. Ich halte das für ein Manko.

Gerade heute, wo sich die IT zum Business Partner des Top-Managements entwickelt, wo CIOs einen wesentlichen Beitrag zur digitalen Transformation und anderen zentralen strategischen Neuausrichtungen leisten, sind die IT-Manager gefordert, ihre Lebensläufe und Erfahrungen den Standards im Management anzugleichen.

Ein positives Beispiel für einen klaren Karriereschritt

Wenn auch nicht sehr viele, so gibt es auch unter CIOs positive Beispiele. Der ehemalige Corporate Director IT von Henkel, Jörg Heinen, verantwortete vier Jahre lang als Head of IT die Regionen England, Irland und Nordeuropa und bekam im Anschluss die Verantwortung für gesamt West-Europa (16 Länder) als Regional CIO und Corporate Director. Ein klarer Karriereschritt nach seiner Expatriate Zeit.

Natürlich birgt der vielgepriesene Auslandsaufenthalt auch Risiken, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Oft gelingt es den Unternehmen nicht, ihre Expatriates auf angemessene Positionen zurück zu holen. Selbst bei Konzernen wie BASF oder der Deutschen Bank, die traditionell mit Job Rotation einen großen Erfahrungsschatz gesammelt haben, ist die perfekte Reintegration kein reibungsloser Selbstläufer.

Keine Karrieregarantie nach der Rückkehr

Wer für sein Unternehmen ins Ausland geht, besitzt keine Garantie, dass die Rückkehr in die Firma in Deutschland anschließend nahtlos funktioniert. Der praktische Tipp: Auch während eines Auslandsaufenthalts sollte der Expatriate immer den Kontakt zu früheren Vorgesetzten und Kollegen pflegen.

Ratschläge, um die Risiken zu minimieren

Ich denke, der Auslandsjob sollte neugierigen und ehrgeizigen IT-Managern dieses Risiko wert sein. Die Beschäftigungsmöglichkeiten anschließend steigen allemal. Es gibt beim Thema Auslandsaufenthalt zudem ein paar Hinweise, die es zu befolgen lohnt. Klug ist es, diesen Karrierebaustein relativ früh zu absolvieren, vielleicht sogar noch vor der Familienplanung. Umzüge mit Familie sind immer komplex.

Zudem: Je internationaler das Umfeld bei der Auslandsstation, desto besser. Auch Wien ist für deutsche Führungskräfte Ausland, sicherlich auch eine sehr schöne Stadt. Die internationalen Fertigkeiten werden aber an diesem Standort sicherlich weniger geschärft wie in den USA, China oder Südafrika. Wichtig erscheint mir auch eine längere Dauer von drei bis fünf Jahren.

Nur das verschafft die internationale Parkettsicherheit. Stippvisiten im Ausland sind sicher besser als nichts, bewirken aber nicht die gewünschten Effekte.

Vor einem Auslandsaufenthalt nicht zurückschrecken

IT-Manager, die ihre KarriereKarriere aktiv planen und Ambitionen auf eine herausgehobene CIO-Position hegen, sollten also vor einem Auslandsaufenthalt nicht zurückschrecken. Auf lange Sicht lohnt sich in jedem Fall der Weg über das Ausland. Alles zu Karriere auf CIO.de

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