Siemens-CIO Hennig

Soziales Engagement als Business-Strategie

Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.
Laut Hanna Hennig kommt kein Unternehmen mehr ohne soziale Agenda aus, wenn es gute Fachkräfte haben will.
Laut Siemens-CIO Hanna Hennig braucht jedes Unternehmen eine soziale Agenda, um talentierte Fachkräfte auf sich aufmerksam zu machen.
Laut Siemens-CIO Hanna Hennig braucht jedes Unternehmen eine soziale Agenda, um talentierte Fachkräfte auf sich aufmerksam zu machen.
Foto: Siemens

"Kein Unternehmen wird gute Arbeitskräfte finden, wenn es nicht Corporate Volunteering anbietet," sagte Siemens-CIO Hanna HennigHanna Hennig in ihrer Keynote auf dem Digital Social Summit. Der Markt für FachkräfteFachkräfte sei nach wie vor hart umkämpft. Wenn Talente bei einem Unternehmen einsteigen, wollten sie verstehen, wofür es steht und ob es sich lohnt, die eigene Arbeitskraft dort einzusetzen. Soziales Engagement und ethische Richtlinien, zu denen sich eine Organisation selbst verpflichtet, seien ein Muss. Profil von Hanna Hennig im CIO-Netzwerk Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de

Auf technischer Seite gab es laut Hennig bereits vor Jahren Vorstöße. So hätten viele Unternehmen Kodizes und Prozessstandards für Künstliche IntelligenzKünstliche Intelligenz erarbeitet. Sie besagten unter anderem, dass KI immer mit gesellschaftlicher Verantwortung entwickelt werden müsse. Alles zu Künstliche Intelligenz auf CIO.de

"Bei SiemensSiemens haben wir zum Beispiel in der 'Data Charta' sechs Prinzipien festgelegt, um sicherzustellen, dass mit Daten stets verantwortungsvoll umgegangen wird," berichtet die CIO. Zusammengefasst lauten sie: Top-500-Firmenprofil für Siemens

  • Jeder, der Daten benutzt, muss dem Besitzer transparent mitteilen, wofür sie verwendet werden.

  • Der Besitzer kontrolliert die Daten.

  • Cybersecurity-Standards kommen zum Einsatz. Dazu hat Siemens 2018 das Charter of Trust ins Leben gerufen, das mittlerweile 17 Mitglieder zählt. Darin wurde vereinbart, wie Daten sicher verwendet werden sollen.

  • Jede Technologie wird im Co-Creation-Ansatz mit anderen Unternehmen entwickelt.

  • Daten werden nur anonymisiert veröffentlicht.

  • Mit digitalen Produkten soll nachhaltiger Wert geschaffen werden.

Wirtschaft und Politik müssen zusammenarbeiten

Um aus solchen Initiativen eine übergreifende soziale digitale Agenda zu machen, braucht es einen gesetzlichen Rahmen. "Kooperation ist wichtig," so Hennig. Dafür sei etwa die Berufung von Zarah Bruhn zur Beauftragten für soziale InnovationInnovation im Bildungsministerium ein wichtiger Schritt. Sie soll die Sektoren miteinander verbinden und Ausgleich schaffen, so dass sich Unternehmen und Politik gemeinsam sozialen Innovationen widmen. Alles zu Innovation auf CIO.de

Auf Seiten der Legislative sieht Hennig vor allem Themen wie Datenschutz sowie Grund- und Kartellrecht. Um etwa digitale Unternehmen wie Meta einheitlich zu steuern und Monopole zu vermeiden, brauche es einen Rahmen vom Gesetzgeber. Darüber hinaus müsse sich aber jedes Unternehmen selbst vornehmen, sozial zu agieren. "Ohne diese Agenda ist ein Unternehmen heute nicht attraktiv," urteilt sie.

Engagement fördern

Um Talente auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen, müssten Betriebe ihre Belegschaft aktiv in ihrem sozialen Engagement fördern. Hier sieht Hennig zwei Kernpunkte: "Erstens muss soziale Verantwortung ein Teil der Business-Strategie sein." Zweitens müsse klar sein, dass soziales Engagement zwar Zeit braucht, aber dem Unternehmenszweck dient. Daher sollte das Unternehmen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwa einige Arbeitstage für soziales Engagement freigeben.

Siemens hat laut Hennig etwa während der Corona-Pandemie Mitarbeiter ermutigt, an die Schulen zu gehen, um Weiterbildungen im Umgang mit digitalen Medien zu halten. Zudem seien IT-Experten und technikaffine Kollegen aus den Fachbereichen ehrenamtlich an einigen Schulen tätig, um Kindern MINT-Fächer näherzubringen.

Technologien wie Low-Code-Plattformen können soziales Engagement ebenfalls unterstützen. So berichtet Hennig, dass nicht-technische Kollegen in einem Hackathon über so eine Plattform eine App für das THW entwickelt haben. Damit lässt sich bei einem Hochwasser berechnen, wie viele Sandsäcke für die überfluteten Bereiche befüllt werden müssen.

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