CeBIT 2015

Telekom und SAP gründen Konsortium für Industrie-4.0-Standards

Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
Die Deutsche Telekom will gemeinsam mit SAP ein Konsortium für die Entwicklung von Standards für Industrie 4.0 auf die Beine stellen. Unternehmen will man den Weg in das neue Industriezeitalter mit neuen Services, Produktpaketen und mehr Sicherheit ebnen.

Das digitale Wirtschaftswunder stellt alles auf den Prüfstand, was die deutsche IndustrieIndustrie in den zurückliegenden Jahrzehnten getan hat, sagte Reinhard Clemens, Telekom-Vorstand und CEO von T-Systems, zum diesjährigen CeBIT-Auftakt. Es müsse nun darum gehen, in Deutschland und Europa in Sachen Digitalisierung nicht von den großen Wirtschaftsregionen in Nordamerika und Asien abgehängt zu werden. Top-Firmen der Branche Industrie

Damit dies nicht passiert, hat die Deutsche TelekomDeutsche Telekom gemeinsam mit SAPSAP ein Konsortium für die StandardisierungStandardisierung von Industrie 4.0Industrie 4.0 gegründet. Ziel dieses Konsortiums ist Clemens zufolge, Deutschland eine gemeinsame Stimme zu geben, um den hiesigen Interessen in den internationalen Gremien Gehör zu verschaffen. Man beabsichtige jedoch nicht, einen deutschen Standard zu schaffen. Top-500-Firmenprofil für Deutsche Telekom Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de Alles zu Standardisierung auf CIO.de

Industrie 4.0 könne nur im internationalen Kontext funktionieren. Der T-Systems-CEO mahnte indes an, die Standard-Entwicklung pragmatisch anzugehen und kein akademisches Werk daraus zu veranstalten. "Nicht der Gründliche wird das Spiel gewinnen, sondern der Schnelle."

Reinhard Clemens, CEO von T-Systems und Vorstand der Deutschen Telekom, fordert deutsche Unternehmen dazu auf, die Chancen von Industrie 4.0 zu nutzen - und zwar schnell.
Reinhard Clemens, CEO von T-Systems und Vorstand der Deutschen Telekom, fordert deutsche Unternehmen dazu auf, die Chancen von Industrie 4.0 zu nutzen - und zwar schnell.

In der Klärung der Terminologie rund um Industrie 4.0 und der Entwicklung von Standards sieht Clemens den derzeit wichtigsten Handlungsbedarf. Es würden bereits Gespräche mit großen Industrieunternehmen wie SiemensSiemens und BoschBosch geführt. Zudem sei das Konsortium offen für alle interessierten Unternehmen, auch für die großen IT-Anbieter aus den USA und Asien. Top-500-Firmenprofil für Bosch Top-500-Firmenprofil für Siemens

Grundsätzlich sieht der Telekom-Manager gute Chancen für die deutsche Industrie, eine Vorreiterrolle einzunehmen, und verwies auf die marktbeherrschende Rolle deutscher Unternehmen im Automobil- und Anlagenbau sowie im Bereich Embedded Systems. "Wir haben also die besten Voraussetzungen, wenn es darum geht, alte Geschäftsmodelle der Industrie in neue digitale zu überführen", sagte Clemens. "Wir müssen sie nur nutzen - und zwar schnell."

Um den Unternehmen beim Weg in das Industrie-4.0-Zeitalter unter die Arme zu greifen, hat die Telekom auf der CeBIT eine Reihe neuer Services und Produkte vorgestellt. Clemens kündigte beispielsweise die Cloud der Dinge an. Konzerne sollen über die "Connected Industry Platform" in die Lage versetzt werden, alle möglichen Gegenstände über die Cloud miteinander zu vernetzen. Erste Pilotprojekte wie beispielsweise in der Container-Logistik im Hamburger Hafen liefen bereits.

Für mittelständische Unternehmen will die Deutsche Telekom ein "Industrie 4.0-Paket" herausbringen, bestehend aus Hardware, SIM-Karte, einem Datentarif und Zugang zur Cloud der Dinge. Geräte- und Sensordaten würden sicher in deutschen Rechenzentren gespeichert und verarbeitet, verspricht Clemens. Die Telekom will diese Pakete zunächst kostenlos verteilen, damit die Firmen einen leichten Einstieg fänden und Rollout-Szenarien ausprobieren könnten.

Digitalisierung braucht Sicherheit

"Digitalisierung funktioniert nicht ohne Sicherheit", konstatierte Clemens. Obwohl das Security-Bewusstsein wachse, würden gerade kleine und mittelständische Unternehmen immer noch zu sorglos damit umgehen. "Die alte Werkshalle wird selbstverständlich abgeschlossen, so der Telekom-Vorstand. "Die Einfallsstore für moderne IT-Systeme stehen dagegen oft sperrangelweit offen."

Um das zu ändern, will der Konzern ab dem zweiten Quartal 2015 eine Art Sicherheits-"Cockpit" zum Download aus dem Netz anbieten. Privatanwender, kleinere und mittelständische Unternehmen erhielten damit kostenlos einen Basisschutz für ihre IT-Systeme, der automatisch via Cloud-Updates immer auf dem aktuellsten Stand gehalten werde. Dafür hat die Deutsche Telekom Partnerschaften mit den Sicherheitsanbietern Avira (Antiviren-Software), Steganos (verschlüsselte VPN-Verbindung), Strato (sicheres Datenbackup) und Secomba (verschlüsselte Datenablage) geschlossen.

Dieser Grundschutz soll sukzessive weiter ausgebaut werden, beispielsweise sollen künftig auch mobile Endgeräte mit einbezogen werden können. Neben der Gratis-Version soll es auch kostenpflichtige Varianten mit einem deutlich erweiterten Funktionsumfang geben. Clemens zufolge bildet Sicherheit eine elementare Grundlage für alle Industrie-4.0-Bestrebungen. "Wenn das nicht funktioniert, wird die Digitalisierung in sich zusammenfallen."

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