Künstliche Intelligenz bei der Personalsuche

Wenn Roboter das Recruiting übernehmen

Andreas Wartenberg ist seit rund 20 Jahren als Personalberater tätig und besetzt Management-Positionen in der Technologiebranche sowie in weiteren Branchen. Bevor Andreas Wartenberg 2008 als Geschäftsführer zur Hager Unternehmensberatung kam, hat er nationale und internationale Teams aufgebaut und geleitet.
Sind Recruiter bald arbeitslos? In wie weit Algorithmen aus heutiger Sicht Recruiting-Prozesse unterstützen oder gar ablösen können.
Self-Service-Generation dank Machine Learning und künstlicher Intelligenz
Self-Service-Generation dank Machine Learning und künstlicher Intelligenz
Foto: jim - Fotolia.com

Wir sprechen mit Siri und Alexa, delegieren unseren Staubsauger über unsere App, unser Kühlschrank teilt uns mit, wenn Lebensmittel nachbestellt werden müssen, PKWs steuern sich selbst, während wir arbeiten oder entspannen können: KI bringt viele Annehmlichkeiten in unser Leben.

Einige Schritte und Arbeitsprozesse werden uns bereits heute schon von Maschinen und Robotern abgenommen und vereinfacht. Wir sind ein großer Teil der Self-Service-Generation, die mit GoogleGoogle, Apps und Bots den Alltag bestreitet. Die selbstlernenden Maschinen und Softwareprogramme können mit kognitiven Fähigkeiten Daten speichern und analysieren, was den menschlichen Erfahrungen und Kompetenzen sehr ähnlich ist. Gartner hat in seinen Prognosen beziffert, dass voraussichtlich bis zum Jahr 2020 sämtliche neu erscheinenden Softwareprodukte und Services irgendeine Form künstlicher Intelligenz enthalten werden. Alles zu Google auf CIO.de

Bislang kannten wir Szenarien von Robotern und Maschinen, die uns Menschen ersetzen, primär aus Science-Fiction-Filmen. Mit dem Fortschritt der künstlichen Intelligenz sind viele Bereiche bereits zur Realität geworden. Ungewiss ist jedoch, wie weit unsere menschliche Intelligenz gänzlich substituierbar ist. ,

Noch sind intelligente Maschinen eher in der Sparte der Spezialisten als der der Generalisten einzustufen. Sie bewältigen ihre Aufgaben fehlerlos, können aber nicht nach rechts oder links über den Tellerrand schauen, wenn Abläufe vom normalen Modus abweichen. Daher ist es aus aktueller Sicht schwer möglich, künstlich intelligente Homo sapiens ohne emotionale Intelligenz zu programmieren.

Werden wir in Zukunft von Robotern interviewt werden?

Es gibt bereits Applikationen, die imRecruiting-ProzessRecruiting-Prozess Bewerber interviewen und eine Vorauswahl geeigneter Kandidaten treffen, bevor im nächsten Schritt ein 'echter' Recruiter den Personalauswahlprozess fortsetzt. Diese Anwendungen werden von KI gesteuert. Alles zu Recruiting auf CIO.de

Testen Sie Ihr Wissen!

Die Kompetenzen der Kandidaten werden nach den Bedürfnissen gewichtet und zu einer Matching-Liste der geeignetsten Kandidaten zusammengefasst. Je häufiger eine Kompetenz in vergleichbaren Stellenanzeigen genannt wird, desto höher ist die Marktgewichtung und damit ihre Relevanz. Und je mehr relevante Kompetenzen ein Kandidat in seinem Lebenslauf nachweist und je länger er sie erworben hat, desto besser ist sein Matching und damit seine Position in der Liste.

Mithilfe solcher Tools können Recruiter beim Abgleichen von Fähigkeiten und in der Vorauswahl geeigneter Kandidaten unterstützt werden. Allerdings ist es einer Software Applikation (noch) nicht möglich, tiefgründige und nachfassende Fragen zu stellen und damit den letztendlichen entscheidenden Eindruck zu vermitteln, ob die sozialen Kompetenzen gegeben sind.

Ebenso verhält es sich beim Analysieren von besonderen Fähigkeiten, über die Kandidaten - neben den im Lebenslauf genannten - häufig verfügen. Aus der KI-Perspektive kann ein Kandidat, der eine bestimmte Position besetzt oder ein spezifisches Aufgabenfeld verantwortet, nur diese Tätigkeiten ausüben. Dass seine Kompetenzen und Expertisen ihn durchaus auch für andere Aufgaben und Tätigkeitsfelder qualifizieren können, kann nur mit menschlicher Intelligenz identifiziert werden.

Künstliche Intelligenz im Recruiting

Die Anforderungsprofile an geeignete Fach- und Führungskräfte sind stark durch die Digitalisierung geprägt. Die einzelnen Aufgabenbereiche sind vielfach breiter geworden. Mitarbeiter sollten zwar in ihrem Spezialisierungsgebiet absolut sattelfest sein, aber auch darüber hinaus weitere angrenzende Themen abdecken und verstehen können. Es ist für alle Unternehmen, gleich welcher Branche, eine aufwendige Herausforderung, geeignete Kandidaten zu rekrutieren.

Namhafte Unternehmen wie IBM, GE und Hilton setzen in der Personalsuche künstliche Intelligenz ein, um neue Talente zu identifizieren. Mithilfe von KI-gesteuerten Programmen lassen sich Talente identifizieren und auch Arbeitsmuster scannen und analysieren. Jedoch sind menschliche und auch zwischenmenschliche Wahrnehmungen mithilfe von Algorithmen aktuell noch nicht auswertbar.

Jeder, der bereits Bewerbungsgespräche geführt hat, weiß, welche persönlichen Eigenschaften Kandidaten teilweise ungeahnt zutage bringen. Sei es, dass ein Kandidat in einem Interview nervöse Zuckungen hat, von Schweißausbrüchen heimgesucht wird oder unruhig auf seinem Platz hin und her rutscht.

Auch kann es sich in einem persönlichem Gespräch herauskristallisieren, dass ein Bewerber durch besondere Interessen und Affinitäten, verborgene Talente und Fähigkeiten für gesuchte Funktionen einbringen kann. Derartige menschliche Stärken und Schwächen werden von künstlicher Intelligenz nicht wahrgenommen.

Fazit

Bei der erfolgreichen Besetzung von Fach- und Führungskräften kann KI maßgeblich bei der Sondierung der Hard Facts und der Vorauswahl geeigneter Kandidaten-Prozesse hilfreich sein. Es ist aber nicht absehbar, dass "Siri", "Alexa" und Co bei den final entscheidenden kompetenzbasierten Recruiting-Prozessen und den Analysen von Persönlichkeitsstrukturen den Menschen ersetzen können. Aus heutiger Sicht bleiben auch moderne KI Applikationen in diesem Feld noch stark überfordert.