Welcher Bewerber den Job bekommt

Der Ehrliche ist nicht der Dumme

Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Ehrliche und Demütige sind besonders gut darin, Kunden oder Produkte zu betreuen. Das sagen US-Forscher. Narzissten dagegen eignen sich eher für andere Stellen.
Wenn Mitarbeiter viel mit Kunden zu tun haben, ist Ehrlichkeit ein echtes Leistungsplus.
Wenn Mitarbeiter viel mit Kunden zu tun haben, ist Ehrlichkeit ein echtes Leistungsplus.
Foto: g-stockstudio - shutterstock.com

Wenn Forscher sich in der Vergangenheit mit dem Zusammenhang von Leistung im Job und PersönlichkeitPersönlichkeit beschäftigt haben, standen häufig fünf Persönlichkeitsmerkmale im Mittelpunkt: Extraversion, Neurotizismus (emotionale Instabilität), Offenheit, Annehmlichkeit und Pflichtgefühl. In den vergangenen Jahren haben Forscher eine sechste Komponente ausgemacht - Ehrlichkeit und Demut. Alles zu Personalführung auf CIO.de

Wissenschaftler der US-amerikanischen Baylor Universität haben untersucht, inwieweit Ehrlichkeit und Demut etwas über unsere Leistung im Job aussagen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Ehrlichkeit und Demut in Zusammenhang mit guter Leistung im Job stehen - und zwar stärker als die anderen fünf Persönlichkeitsmerkmale. Besonders wenn man sich in seinem Job um andere kümmert - etwa im medizinischen Bereich um Patienten oder auch ganz allgemein um Kunden - geben die Persönlichkeitsmerkmale Ehrlichkeit und Demut Rückschluss auf die Leistungsfähigkeit im Job.

Getrennt voneinander wurden Ehrlichkeit und Demut bereits in früheren Studien untersucht. Arbeitgeber bewerteten Ehrlichkeit stets als ein positives Persönlichkeitsmerkmal. Zum Zusammenhang von Demut und Leistung im Job gibt es weniger Forschungen, vermutlich weil das Merkmal schwer messbar ist. Die Wissenschaftler definieren Demut als die Fähigkeit, eigene Grenzen anzuerkennen und die Offenheit für den Rat von anderen. Eine Studie hat zum Beispiel nachgewiesen, dass Unternehmen mit einem demütigen CEO besonders gute Leistungen erreichten.

Weil die Forscher bei ihren Untersuchungen zum Ergebnis kamen, dass Ehrlichkeit und Demut mehr über die Leistungsfähigkeit im Job aussagen als die anderen fünf Persönlichkeitsmerkmale, regen sie Veränderungen beim Einstellungsprozess an. Arbeitgeber könnten bei der Bewerberauswahl gezielter darauf achten, wie stark Ehrlichkeit und Demut bei einem Bewerber ausgeprägt sind.

Sie halten das für besonders gewinnbringend, wenn man sich bei einer Tätigkeit intensiv um ein Produkt oder eine Person kümmern muss. Narzissten hingegen würden sich besser in Positionen machen, in denen Selbstvermarktung wichtiger ist als die Betreuung eines Produkts oder eines Menschen.

Neue Bewerber-Auswahl

Was die Forscher herausgefunden haben, hat in der Umsetzung allerdings Grenzen. Denn spätestens wenn auch die Bewerber mitbekommen, dass Ehrlichkeit und Demut Pluspunkte bei Personalern einbringen, werden sie sich bemühen, diese Persönlichkeitsmerkmale zu vermitteln. Ganz egal, ob sie sie tatsächlich mitbringen.

Die Forscher Megan K. Johnson und Wade C. Rowatt von der US-amerikanischen Baylor University und Leo Petrini haben ihre Forschungsergebnisse unter dem Titel "A new trait on the market: Honesty-Humility as a unique predictor of job performance ratings" in der Zeitschrift Personality and Individual Differences veröffentlicht. An der Studie nahmen 269 Angestellte aus dem medizinischen Bereich teil.

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