Umsätze sinken, Chef geht

Kaufhof gerät in Turbulenzen

09.04.2017
Der kanadische Kaufhof-Eigentümer HBC wollte auf dem deutschen Markt mit mehr Service und besserer Einkaufsatmosphäre punkten. Doch durchschlagende Erfolge lassen auf sich warten. Nun soll es ein neuer Europachef richten.
Turbulente Zeiten für Kaufhof
Turbulente Zeiten für Kaufhof
Foto: Metro Group

Nur eineinhalb Jahre nach der Übernahme des Konzerns durch die kanadische Hudson's Bay Company (HBC) verlässt Firmenchef Olivier Van den Bossche Hals über Kopf den Handelsriesen. Der Rückzug fällt in eine Zeit, in der sich beunruhigende Nachrichten über den Konzern häufen. KaufhofKaufhof kämpft nicht nur mit Umsatzrückgängen. Im Geschäftsjahr 2016/17 schrieb das Europageschäft von HBC unter dem Strich auch rote Zahlen. Nun soll es ein neuer Europachef richten. Top-500-Firmenprofil für Kaufhof

Der HBC-Verwaltungsratsvorsitzende und Großaktionär Richard Baker bemühte sich am Freitag bei einem Besuch der Kaufhof-Filiale an der Düsseldorfer Kö, Sorgen über die Zukunft der deutschen Kette zu zerstreuen. Seine Botschaft: Die Kanadier sehen Europa als Markt mit großen Chancen.

Durch die Eröffnung neuer Warenhäuser und Outlet-Stores in Deutschland und den Niederlanden wollen sie die Verkaufszahlen in den nächsten zwei Jahren um 20 Prozent steigern. Rund 400 Millionen Euro wollen die Kanadier dafür in die Hand nehmen. Knapp die Hälfte davon sind für den deutschen Markt bestimmt. Damit werde HBC der am schnellsten wachsende Kaufhauskonzern in Europa, sagte Baker.

In Deutschland sollen in diesem Jahr die ersten fünf Filialen der Designer-Outlet-Kette Saks off 5th an den Start gehen. Der Flagship-Store soll Anfang Juni in Düsseldorf die Tore öffnen. Auch die Modernisierung der bestehenden Kaufhof-Warenhäuser, in denen HBC künftig mit mehr Service und besserer Einkaufsatmosphäre punkten will, soll weitergehen - allerdings etwas langsamer als ursprünglich geplant.

HBC-Chef Gerald Storch betonte: "Es sind herausfordernde Zeiten für die Warenhäuser weltweit." Nicht nur der Online-Handel mache der Branche zu schaffen. Zu beobachten sei auch ein sinkendes Interesse an Bekleidung insgesamt. Die Warenhäuser müssten deshalb besser werden.

Hoffen auf die Renaissance der Warenhäuser

Den richtigen Mann dafür glaubt HBC gefunden zu haben: Wolfgang Link - bis vor kurzem Europachef des Spielwarenhändlers Toys R Us. Er soll künftig das Europageschäft von HBC leiten. Der deutsche Manager hat große internationale Erfahrung. Zuletzt war er für das Toys-R-Us-Geschäft in neun europäischen Ländern verantwortlich, darunter Deutschland. Davor war er bei Elektronikketten und im Metro-Großhandelhandel tätig. Top-Firmen der Branche Handel

Erfahrungen im Geschäft mit Damen- und Herrenmode hat er allerdings nicht. Doch aus Sicht von HBC-Chef Storch könne das sogar ein Vorteil sein: Angesichts der neuen Herausforderungen brauche es eine neue Herangehensweise an das Thema Warenhaus, hieß es. Wäre Van den Bossche geblieben, wäre Link wohl sein Vorgesetzter geworden. Das sei auch ein wesentlicher Grund für den Abgang gewesen, wird in Kaufhof-Kreisen signalisiert.

Das kanadische Konzept für einen Kaufhof 2.0 stößt allerdings nicht überall auf Begeisterung. "Es ist ein bisschen das Prinzip Hoffnung, dass die Renaissance der Warenhäuser kommt. Aber darauf warten wir jetzt schon seit 40 Jahren", warnt etwa der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. (dpa/rs)

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