Alexander Oelling

So baut der Volocopter-CDO eine Flugtaxi-Plattform auf

Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.
Mit einem digitalen Backbone und großem Partner-Ökosystem will Volocopter das Flugtaxi in die Städte bringen. CDO Alexander Oelling berichtet auf den Hamburger IT-Strategietagen über Möglichkeiten und Herausforderungen.
Alexander Oelling, CDO von Volocopter, sprach auf den Hamburer IT-Strategietagen.
Alexander Oelling, CDO von Volocopter, sprach auf den Hamburer IT-Strategietagen.
Foto: Volocopter

"Wir wollen kein Spielzeug für Superreiche bauen, sondern das Stadtbild der Zukunft nachhaltig verändern," skizziert CDO Alexander Oelling die Vision von Volocopter. Dazu entwickelt das Unternehmen "VoloIQ", eine Plattform für Luftverkehr in Städten. Zu den Partnern des Projekts zählen unter anderem Lufthansa Industry Solutions und Microsoft Azure.

All-in-one Luftmobilität

Volocopter will mit VoloIQ ein ganzes Ökosystem für den städtischen Luftraum auf den Markt bringen. Dazu zählt zum einen das Flugtaxi selbst: der elektrisch betriebene Senkrechtstarter "VoloCity" befindet sich gerade in der Zertifizierung. Laut Oelling hat es eine Reichweite von 30 Kilometern, sei im Gegensatz zu Helikoptern leiser und günstiger zu betreiben. Zudem arbeite man an einem Konzept für die Massenproduktion ähnlich der Automobilindustrie.

Ein Netzwerk aus Haltestellen soll die Vehikel zugänglich machen. Analog zu U-Bahn-Stationen sollen diese "VoloPorts" an wichtigen Plätzen wie Flughäfen und verteilt im Stadtkern aufgebaut werden. Seien die Flugtaxis dadurch einfach zugänglich, werde sich eine höhere Flugfrequenz als bei Helikoptern einstellen, so Oelling.

Volocopter-CDO Alexander Oelling (rechts) im Gespräch mit Moderator Horst Ellermann.
Volocopter-CDO Alexander Oelling (rechts) im Gespräch mit Moderator Horst Ellermann.

VoloIQ soll das zentrale Bindeglied zwischen den Flugtaxis und der Städtischen Infrastruktur werden: Behörden, Verkehrsbetriebe und andere Mobilitätsanbieter sollen den urbanen Flugverkehr über die Plattform koordinieren können. Es soll offene Schnittstellen für Drittanbieter geben. Auch Einrichtungen zur Wartung und Anlaufstellen für Batteriewechsel sollen erfasst werden.

Cloudbasiertes Backend

Damit Behörden den Verkehr steuern können, muss im Backend von VoloIQ ein System für digitales Luftverkehrsmanagement enthalten sein. Für den Endnutzer-Bereich gilt es, Kunden-Interfaces zu entwickeln. Das umfasst die Buchung der Services über ein Online-Portal, die Interaktion an den Haltestellen und während des Flugs. Zusätzlich plant Volocopter eine Cargo-Sparte für Frachttransporte im Stadtgebiet. Schließlich soll über einen digitalen Zwilling ein "Development Loop" integriert werden. Feedback-Daten aus den kundenseitigen Services will das Team um Oelling in die Entwicklungs- und Produktionsabteilungen zurückspielen, um die Flotte kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Um das alles abbilden und skalieren zu können, setzt der CDO auf eine cloudbasierte Architekturcloudbasierte Architektur auf Basis von Microsoft Azure. Darin fließen alle Daten zusammen. Neben dem Development Loop soll dort das Flottenmanagement mit künstlicher Intelligenz optimiert werden. Flugrouten gilt es, durch Umgebungs- und Verkehrsdaten weitgehend autonom zu steuern. Am Ende soll die Infrastruktur zum Großteil automatisiert sein. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Viele Herausforderungen

Beim Bau der Plattform und seiner Produkte muss sich Volocopter eng mit Behörden abstimmen. Dabei geht es zum einen um Zertifizierungen und Standards. Zum anderen gelten in verschiedenen Ländern unterschiedliche Anforderungen, die es einzuhalten gilt. Daher dauert die Entwicklung bereits zehn Jahre. Erste Projekte in Paris und Singapur sind jedoch schon in der Planung.

Auf der technischen Seite spielen Betriebs- und IT-Sicherheit wichtige Rollen. Sollen die Flugtaxis eines Tages autonom fliegen, müssen Daten und Prozesse lückenlos verarbeitet werden. Das gilt sowohl für den Flug als auch für Systeme am Boden wie Wartung und Batteriemanagement. Die Lösungen entwickle das Unternehmen selbst von Grund auf neu, so Oelling.

Durch das internationale Geschäftsmodell gilt es zudem, länderspezifische Payment-Provider an die Plattform anzubinden. Auch die jeweiligen Datenschutzvorgaben müssen eingehalten werden. Dazu betreibt Volocopter in jedem Land, in dem es Projekte starten möchte, ein eigenes RechenzentrumRechenzentrum. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Nicht zuletzt spiele der 5G-Mobilfunkstandard5G-Mobilfunkstandard eine zentrale Rolle für das Unternehmen, so Oelling. Volocopter müsse sich auf die Datenübertragung verlassen können. Auch dort hapere es noch an der Zertifizierung, da sie sehr lange dauere. Alles zu 5G auf CIO.de

Blick in die Zukunft

Sind all diese Hürden genommen, sollen die ersten Projekte starten. In der Anfangszeit seien die Flugtaxis mit menschlichen Piloten besetzt, erklärt Oelling. In dieser Übergangszeit würden Daten gesammelt, um schrittweise die Grundlage für autonomes Fliegen zu schaffen.

Um VoloIQ in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln, habe das Unternehmen ein Ökosystem aus etwa 150 Partnern aufgebaut. Für den Bereich Air Traffic Management arbeite man beispielsweise mit der Deutschen Flugsicherung zusammen. Die Logistik-Losungen würden mit DB Schenker, Fraport und anderen ausgebaut. Feedback vom Markt bekomme Volocopter beispielsweise über den ADAC.

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