Programmieren lernen

Startup codary lässt Kinder programmieren

Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.
Das Startup Codary aus Berlin will den Nachwuchs an die Programmierung heranführen. Per Online-Kurs und mobiler App lernen die Kids Python-Code zu schreiben.
Das Gründertrio von Codary (v.l.n.r.): Amanda Maiwald, Nikolaj Bewer, Antonia Schein
Das Gründertrio von Codary (v.l.n.r.): Amanda Maiwald, Nikolaj Bewer, Antonia Schein
Foto: Codary GmbH

Der typische Alltag von Schülerinnen und Schülern sieht in der Coronakrise ungefähr so aus: Am Vormittag Unterricht per Video-Chat, Arbeitsblätter und Hausaufgaben werden per E-Mail oder in der Cloud ausgetauscht. Am Nachmittag dann der Spaß: Tik Tok, Youtube, Netflix, Candy Crush und Co. Seit die Pandemie Home-Schooling zum Standard werden ließ, verbringen viele Kinder ihre Zeit überwiegend online. "Aber die wenigsten verstehen wirklich, was da in ihren SmartphonesSmartphones und Laptops passiert," sagt Amanda Maiwald, Mitbegründerin von Codary. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Das sei aber wichtig: Inzwischen setzten 90 Prozent der Jobs in der EU digitale Kompetenzen voraus, während nur jeder zehnte lerne zu programmieren, so Maiwald. Um Schüler an das Coden heranzuführen, gründete sie Mitte 2020, damals noch als Studentin, das StartupStartup Codary gemeinsam mit ihren langjährigen Freunden Antonia Schein und Nikolaj Bewer. Ziel war es, Programmieren zu einem "coolen Nachmittagshobby" zu machen und digitales Know-how aufzubauen. Zudem sollten die Kinder für DatenschutzDatenschutz und Algorithmus-basierte Apps sensibilisiert werden. Damit schaffte es Codary unter die Finalisten des DIGITAL LEADER AWARD 2021. Alles zu Datenschutz auf CIO.de Alles zu Startup auf CIO.de

Digitales Geschäftsmodell

Das Gründertrio entschied sich, die Programmierkurse nur online anzubieten. Jedes Kind mit einem Laptop und einem Internetanschluss kann teilnehmen. Auch die studentischen Coaches, die die Kurse digital leiten, arbeiten ortsunabhängig und sind in ganz Deutschland verteilt. Maiwald ist sicher: "Mit unserem vollständig digitalen Ansatz können wir eine größere Zielgruppe erreichen, mehr Kurse zu verschiedenen Themen anbieten und sie besser auslasten."

Digital tickt das ganze Unternehmen: Meetings, die App-Entwicklung und auch die Kommunikation mit den Coaches - alles läuft im Netz ab. Im Kontakt zu den Kindern geht es aber nicht ohne menschliche Nähe. "Die Kurse werden alle von Studenten im Video-Chat gehalten, weil man bei der Arbeit mit Kindern nicht nur Lehrer, sondern auch Mentor und Vorbild sein muss," erklärt Maiwald. Gemeinsam und auch voneinander würden die Teilnehmer das Codieren und auch die lösungsorientierte und offene Fehlerkultur der Informatik lernen. "Das motiviert, fördert das Verständnis und macht vor allem Spaß," sagt sie.

Pilotphase und Hürden

Seit Oktober 2020 wird Codary vom Berliner Senat und der Technischen Universität der Bundeshauptstadt gefördert. Kurz darauf startete die Pilotphase mit einer Testgruppe aus zehn Kindern. Die Aufgabe: in zwölf Wochen Programmieren lernen mit Python im bei Kids besonders beliebten Videospiel Minecraft.

Dabei stieß das Team auf zwei Herausforderungen. Anfangs verschickten die Coaches Aufgaben, weiterführende Links und Zusammenfassungen per E-Mail an die Schüler. "Das war zeitaufwändig und unübersichtlich," erinnert sich Maiwald. Um das zu lösen, setzte Codary eine webbasierte Lernplattform mit integriertem Lern-Management-System (LMS) auf. Sie basiert auf dem Content Management System Wordpress und dem kostenpflichtigen LMS-Plugin LearnDash. Darin sind der Zugang zum Video-Chat, wöchentliche Coding-Challenges und alle Kurszusammenfassungen gebündelt. Dies solle in Zukunft jedoch auf der eigenen, individualisierten Lernplattform stattfinden, die gerade entwickelt werde.

Die zweite Hürde war, dass die Kinder während der Kurse zwar aufmerksam mitmachten, den Stoff aber bis zum nächsten Termin oft wieder vergessen hatten. Dagegen entwickelte das Team eine smarte Lern-App, mit der sich das Wissen zwischen den Kursen auffrischen lässt. Die App passt sich mithilfe eines Algorithmus an das individuelle Lernverhalten der Kinder an. Zudem werden so die Lernergebnisse aus den Kursen messbar und für die Eltern nachvollziehbar. Die App wurde in der hybriden Programmiersprache Flutter geschrieben, um sie gleichzeitig auf Android und iOS zu veröffentlichen.

Set Februar 2021 bietet Codary die Programmierkurse kostenpflichtig an. Die Lern-App ist seit März 2021 als Betaversion verfügbar. Ein zwölfwöchiger Kurs kostet 145 Euro. Mittlerweile unterrichten sieben studentische Coaches rund 360 Schüler.

Zur Startseite