Chief Information Officer, Chief Digital Officer

Vom CIO zum CDO

Jan Appl ist Associated Partner bei der Management- und IT-Beratung MHP - A Porsche Company. Als Associated Partner leitet der Diplom-Informatiker den Bereich CIO Excellence.
Dr. Oliver Oswald ist Partner bei der Management- und IT-Beratung MHP - A Porsche Company. Der promovierte Ingenieur leitet den Bereich CIO-Advisory & Technology bei der Porsche-Tochter.
Unternehmen wollen und müssen die digitale Transformation angehen. Verantwortlich dafür soll künftig der Chief Digital Officer (CDO) sein. Doch noch ist nicht ganz klar, wie die neue Rolle des CDO ausgestaltet sein soll.

Für eine ganze Zeit lang herrschte im Management von vielen Unternehmen eine bemerkenswerte Realitätsverweigerung: Der Einzelhandel, Zeitungen und Zeitschriften oder Musikverlage - sie alle werden durch die Digitalisierung bis in die Grundfesten erschüttert. Dennoch hielt sich der Glaube, dass für das eigene Geschäftsmodell aber keine Gefahr bestünde, für eine intensive Auseinandersetzung mit neuen Technologien und sich wandelnden Anforderungen der Kunden kein Anlass gegeben sei. Diese negierende Haltung haben mittlerweile die meisten Verantwortlichen aufgegeben. Stattdessen erkennen sie an, dass sie ihr Unternehmen in einer durchdigitalisierten Welt neu positionieren müssen.

Die Rolle des Chief Digital Officers bildet sich immer weiter heraus.
Die Rolle des Chief Digital Officers bildet sich immer weiter heraus.
Foto: www.shutterstock.com - Suwanon Wongsaphan

Aber was genau muss sich ändern? Als sichere Basis können lediglich zwei Annahmen gelten: Evident ist, dass die Technologie immens an Bedeutung gewinnt - nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Sie entwickelt sich vom Mittel zum Zweck. Zudem wird die Digitalisierung die Unternehmen zwingen, fachbereichsübergreifend zu denken.

Beides legt eine Folgerung nahe: Die Bedeutung der IT-Abteilung wird immens zunehmen. Erstens, weil technologische Themen hier per se angesiedelt sind. Und zweitens, weil die IT als Querschnittsfunktion schon heute Fachbereichsgrenzen überbrückt. Allerdings muss sich die IT-Abteilung erheblich weiterentwickeln. Impulsgeber für diese Neu-Ausrichtung der IT und für die Digitalisierung des Unternehmens überhaupt soll der Chief Digital Officer sein.

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Mit dem CDO entsteht also eine neue Rolle im Unternehmen - in einigen Fällen wird er parallel zum CIO agieren, in anderen wird er die Aufgaben des CIO übernehmen. Welche Anforderungen im Einzelnen an einen CDO zu stellen sind und inwieweit sein Profil sich von dem eines CIO unterscheidet, ist momentan noch nicht exakt beschrieben. Die folgende Abgrenzung soll dabei helfen.

CIO: Herr der Systeme

Auch wenn CIOs seit Jahren dazu angehalten sind, ihre Entscheidungen zur IT-Infrastruktur auf Basis von fachlichen Erfordernissen zu treffen (Stichworte sind Business-IT-Alignment und Enterprise Architecture Management), liegt ihr Fokus nach wie vor auf den technologischen Spezifikationen - das entspricht auch dem Selbstverständnis der CIOs. Ihre wesentliche Aufgabe besteht bislang darin, IT zur Verfügung zu stellen und am Laufen zu halten, sodass die eigentlich wertschöpfenden Prozesse im Unternehmen optimal unterstützt sind.

Die Aufgaben im Überblick:

  • CIOs sind verantwortlich für die gesamte IT-Infrastruktur: von den Servern im Rechenzentrum und den Netzwerken über die Datenbanken bis zu den einzelnen Anwendungen. Das umfasst auch IT-Security und IT-Support.

  • CIOs entwickeln die IT-Infrastruktur mit dem Ziel weiter, Business Continuity sicherzustellen - hier geht es also beispielsweise um neue Releases bestehender Lösungen.

  • CIOs sind für die Analyse und das Design von Geschäftsprozessen zuständig, um diese IT-seitig abbilden zu können.

  • CIOs sind verantwortlich für das reaktive Demand Management. Sie nehmen Anforderungen aus den Fachbereichen auf, kanalisieren und harmonisieren sie.

  • CIOs entwickeln die IT-Infrastruktur weiter, um sämtliche Geschäftsprozesse kontinuierlich zu optimieren und zu automatisieren und um die fachlichen Anforderungen zu erfüllen - hier geht es auch um Best-of-Breed-Lösungen, die sehr spezifische Anforderungen adressieren.

  • CIOs führen die Teamleiter aus den Bereichen IT-Entwicklung, technische Administration und technischer Support.

  • CIOs sind für die Qualitätssicherung und das Projektmanagement verantwortlich.

  • CIOs sind verantwortlich für die Definition und die Umsetzung der Investitionen im IT-Bereich samt dem IT-Support für interne Anwender.

  • Aus diesen spezifischen Anforderungen resultiert ein typisches Profil, das CIOs in der Regel erfüllen:

  • CIOs haben ein Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik erfolgreich abgeschlossen.

  • CIOs greifen auf eine mehrjährige Berufserfahrung in der IT-Entwicklung oder der IT-Governance zurück - inklusive Führungserfahrung.

  • CIOs verfügen über fundierte IT-Fachkenntnisse und praktische Erfahrung im Bereich Netzwerktechnik.

  • CIOs besitzen umfangreiche Programmiererfahrung.

  • CIOs verfügen über sehr gute analytische und kommunikative Fähigkeiten, Umsetzungsstärke und Eigeninitiative.

  • CIOs haben sehr gute Projektmanagementfähigkeiten und Erfahrung im Bereich Change Management.

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