Ungesunde Büroarbeit

Wer länger sitzt, ist früher tot

17.01.2018
Von Kerstin Dämon

Heilmittel gegen die Sitzkrankheit

Für viele Mediziner und Wissenschaftler ist Sitzen bereits das neue Rauchen: So haben beispielsweise Daniela Schmid und Michael Leitzmann von der Universität Regensburg in einer Studie einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und langem Sitzen festgestellt. Unter den vier Millionen Teilnehmern, deren Sitzgewohnheiten sie in ihrer Metastudie analysierten, traten Lungen-, Darm- und Gebärmutterschleimhautkrebs häufiger auf, je länger die Personen am Tag vor Computer oder Fernseher saßen. Und auch hier hatte das Pensum an Freizeitsport offenbar keinen Einfluss.

Doch zumindest im Büro wollen sich die Menschen wieder mehr bewegen, wie eine TNS Emnid-Umfrage im Auftrag des Büromöbelherstellers Wilkhahn unter 1.090 Büroangestellten ergab. 48 Prozent der Befragten stimmten der Aussage "Es gibt zu wenig Bewegungsmöglichkeiten im Büro" zu. Bei den unter 29-jährigen wünschen sich sogar 59 Prozent mehr körperliche Aktivität. In den USA sind die Zahlen ähnlich. Dort gibt es allerdings schon seit ein paar Jahren ein geschärftes Bewusstsein für die Problematik, in den Medien und in Studien ist oftmals von "sitting disease", also der Sitz-Krankheit, die Rede.

Langsame Reaktion

Hierzulande reagieren Arbeitgeber und Krankenkassen schleichend auf den täglichen Bewegungsmangel. Und zwar mit Sportprogrammen, Rückenschulen und Zuschüssen für Fitnesskurse. "Das stärkt dann zwar unsere Ausdauer und unsere Kraft, aber wir bekommen unsere Stoffwechselfunktionen nicht mehr in den Griff", weiß Froböse von der Sporthochschule Köln. Der ganze Organismus liege nach einem solchen Bürotag im Koma.

Deshalb solle man zwar nicht mit dem Freizeitsport aufhören - Stichwort Bewegungsmangel - aber das inaktive Verhalten in Angriff nehmen, also mehr Bewegung in die Büros selbst bringen. Letztlich können schon kleine Veränderungen etwas bewirken, wie Froböse sagt: "Wir müssen stündlich aufstehen und uns fünf Minuten bewegen. Es reicht schon, statt im Sitzen im Gehen zu telefonieren."

Zur Startseite