IT-Strategietage 2019

Brigitte Falk setzt sich für mehr Zusammenarbeit ein



Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Brigitte Falk, CIO des Jahres 2018 in der Kategorie Mittelstand, sprach auf den Hamburger IT-Strategietagen mit Horst Ellermann über Leadership und Strategien.
Brigitte Falk ist CIO des Jahres in der Kategorie Mittelstand.
Brigitte Falk ist CIO des Jahres in der Kategorie Mittelstand.
Foto: Foto Vogt

"VUCA" ist ein Akronym für die Begriffe Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity in der Unternehmensführung, Auf Deutsch also Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Der Begriff stammt aus der Militärhochschule. Daher kommt auch die Begrifflichkeit, die stark in eine ängstliche Haltung gegenüber zukünftigen Entwicklungen treiben kann. "Ich habe gelernt, Dinge zu bekämpfen, bringt nichts", sagt Brigitte FalkBrigitte Falk. Profil von Brigitte Falk (CRONIMET Holding GmbH) im CIO-Netzwerk

Ihr Thema ist der problematische Tunnelblick, den die Angst erzeugt. Dadurch greifen viele auf alte Routinen zurück statt nach neuen Lösungen zu suchen. Sie sagt: "Ich muss raus auf die Meta-Ebene, das kann ich mit vier neuen VUCA Begriffen machen: Vision, Understanding, Clarity und Agility."

Unsicherheit

Gegen Unsicherheit helfe die Vision. Bei SAP, bei der Falk 13 Jahre lange tätig war, wollten die Kunden um die Jahrtausendwende auf einmal etwas ganz anderes haben. "Es gab damals sehr viel Aktivität, die Industrial Solutions wurden geboren, wir wollten in die Prozesse gehen. Das war ein Riesending. Es ging darum, den Kunden zuhören. Was brauchen sie eigentlich? Das hat SAP schon früh getan. Man muss das gemeinsam machen, denn im eigenen Saft schmoren, das ist nicht gut."

Es ginge dabei stets um die Frage, wie man Unternehmen wandlungsfähig halten kann. Bei SAP habe das Neue neun bis zehn Jahre getragen, dann habe es eine große Delle gegeben, man war im Mainstream angekommen, die Kunden hätten selber in Prozessketten gehandelt und waren gedanklich schon weiter.

Hamburger IT-Strategietage 2019: Brigitte Falk im Gespräch mit Moderator Horst Ellermann.
Hamburger IT-Strategietage 2019: Brigitte Falk im Gespräch mit Moderator Horst Ellermann.
Foto: Foto Vogt

"Wo geht der Change hin?", sei die Frage, so Falk. Hasso Plattner habe dann für SAP for HANA, für Big Data und In Memory Datenbanken, viel Geld in die Hand genommen. Diese Investition müsse sich natürlich auch in einem erheblichen Kundennutzen niederschlagen, wenn die Firmen für die neue Technik begeistert werden sollen.

Unsicherheit müsse man mit Verständnis begegnen. Falk: "Ich war geschockt, als hier im Saal die Frage gestellt wurde, wer muss etwas für Security machen, und wer bekommt Geld dafür?" Forderungen stellen ohne Ressourcen bereitzustellen wie bei den meisten Firmen, die im Saal vertreten waren, sei absolut unangemessen. An der Stelle müssen die Führungskräfte dann auch Argumente finden, um den Geschäftsführern entsprechend auf Augenhöhe begegnen zu können

Komplexität

Complexity müsse man mit Clarity vereinfachen, sagt Falk. "Clarity geht aber nur im Dialog. Wer kann verstehen, was im Unternehmen vor sich geht? Ich kann nicht alles wissen, es ist eine Gemeinschaftsarbeit. Alle müssen zuhören und reden und wieder zuhören und wieder reden. Ein Iterationsprozess, der auch nie zu Ende geht."

Mehrdeutigkeit

Mehrdeutigkeit sei ebenfalls ein Problem. Dabei ginge es immer um Menschen, die die gleiche Situation aufgrund ihres persönlichen Hintergrunds sehr verschieden beurteilen. Falks Beispiel: Eine Phishing-Kampagne. Es gab zuerst drei Schulungen, e-Learning und nach der Kampagne kam eine Intranet-Meldung: So und so viel Prozent hätten darauf geklickt und eine Erklärung, wie man die Frauds hätte erkennen können. Ein Mitarbeiter habe sich dann beschwert, sie würden ausspioniert. Es kam im Gespräch heraus: Er war in der DDR aufgewachsen, das Überwachungsthema war ihm noch sehr präsent. So etwas kann jederzeit passieren - alle Eventualitäten habe man eben nicht im Griff.

Agile Methoden sorgen dafür, dass auch hier beim Design neuer Produkte und Services möglichst viele Sichtweisen und Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden. Dazu gibt es neben Kanban, Scrum und Rapid Prototyping noch viele weitere Tools, mit denen die Führungskräfte die Diversity im Unternehmen in fruchtbare Prozesse lenken können.

Am Schluss gab es für Bewerber um den "CIO des Jahres" noch einen Tipp. Brigitte Falk gewann den Preis für das neue Händlerportal des Unternehmens. Moderator Horst Ellermann: Es gewinnen bei unserem Wettbewerb vor allem CIOs, deren Bemühungen in der IT auch einen Einfluss auf das Business haben und einen erkennbaren ROIROI erzeugen. Alles zu ROI auf CIO.de

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