IT-Strategietage 2019

Deutsche Unternehmen machen Innovation lieber selbst



Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
"Ich kann die Zukunft nicht kaufen, ich muss sie selbst machen." Peter Weichsel, SVP Digital Technology Management bei der Deutschen Post DHL AG, bricht in seiner Eröffnungskeynote eine Lanze für die bestehenden Mitarbeiter und spricht gegen Start-up-Zukäufe und externe Innovation Labs.
Peter Weichsel, SVP Digital Technology Management bei der Deutsche Post DHL AG, appellierte an die Besucher der IT-Strategietage, Innovation im Unternehmen lieber aus sich selbst heraus zu versuchen, ohne auf Innovationslabore oder Start-up-Zukäufe zu setzen.
Peter Weichsel, SVP Digital Technology Management bei der Deutsche Post DHL AG, appellierte an die Besucher der IT-Strategietage, Innovation im Unternehmen lieber aus sich selbst heraus zu versuchen, ohne auf Innovationslabore oder Start-up-Zukäufe zu setzen.
Foto: Foto Vogt

Für ihn sei die Technologiefunktion im Unternehmen das, was die Ford-Fließbänder vor 100 Jahren gewesen seien - der wesentliche Treiber für neue Geschäftsmodelle, so Peter Weichsel zu Beginn der Hamburger IT-Strategietage 2019. "Wenn ich heute für zehn Millionen ein Start-up kaufe, habe ich erst einmal nur zehn Millionen Euro mehr Umsatz. Ich muss es dann in mein bestehendes Geschäft integriert bekommen, um überhaupt einen Nutzen daraus zu ziehen. Preisfrage: Wie integriere ich ein Start-up? Antwort: Gar nicht!"

9 Schmerzpunkte bei der Integration von Start-ups

Ohne einen grundlegenden Kulturwandel im Unternehmen und eine große Veränderung des bestehenden Kerngeschäfts habe man überhaupt keine Chance auf eine gelungene Integration, sagt der Vertreter der Deutschen Post DHL AGDeutschen Post DHL AG. Er stellt neun "Pain Points" im operativen Tagesgeschäft vor, an denen besonders größere Unternehmen leiden, und die eine Integration gerade von Start-ups beschwerlich machen würden: Top-500-Firmenprofil für Deutsche Post AG

  1. Es herrsche ein akuter Mangel an erfahrenen Produktmanagern, insbesondere im Bereich DevOpsDevOps. Alles zu DevOps auf CIO.de

  2. Die bestehende Schatten-IT im Unternehmen sorge dafür, dass eine komplette technische Integration neuer Systeme in die bestehende IT-Landschaft unmöglich werde, besonders unter Security-Aspekten.

  3. Neben Product Ownern fehlten auch die absoluten Spezialisten im DevOps-Bereich, beispielsweise für die Testautomatisierung.

  4. Es fehle eine "State of the Art" API, die als Grundlage für "echte" neue Services verwendet werden könne.

  5. Die Legacy-IT sei ein "Zombie", der sich laut Weichsel immer wieder aus sich selbst heraus neu aufbaue und niemals ganz verschwinden werde.

  6. Es fehle ein übergreifendes Daten-Repository und eine effektive Data Governance. Zugehörige Fragen seien: Welche Daten habe ich im Unternehmen, wem gehören die Daten, wie wird das Ganze gesteuert?

  7. Es fehle an Unterstützung seitens Lieferanten und Partnern, weil auch diese ein massives Personalproblem hätten.

  8. Die "informellen" Ökosysteme gerade von Start-ups passten in kein bekanntes Raster und machten es für klassische Unternehmen unmöglich, eine Zusammenarbeit hinzubekommen.

  9. Die herkömmliche "Year-on-year"-Budgetierung in größeren Unternehmen sei nicht mehr zeitgemäß für derartige Integrationsprojekte. Strukturelle und vertragsrechtliche Vorgaben wie beispielsweise Werksverträge passten nicht zu den eher agilen Erwartungen an die Zusammenarbeit.

Peter Weichsel auf den Hamburger IT-Strategietagen 2019.
Peter Weichsel auf den Hamburger IT-Strategietagen 2019.
Foto: Foto Vogt

Deshalb empfiehlt Weichsel den Zuhörern auf den Hamburger IT-Strategietagen, lieber auf die eigenen Stärken und Mitarbeiter zu vertrauen und dort zu investieren. Deshalb Weichsels Appell: "Kaufen Sie sich die InnovationInnovation nicht, machen Sie sie selbst! Es liegt für mich ein sehr großer Wert darin, meine bestehenden Mitarbeiter für das digitale Zeitalter weiterzubilden - dadurch kann ich fast jeden auf die Reise mitnehmen." Alles zu Innovation auf CIO.de

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