Windows 11 22H2 verfügbar

"Die erste Version, auf die Firmen wechseln können"

Lucas Mearian schreibt für unsere US-Schwesterpublikation Computerworld.com.
Obwohl das erste große Update von Windows 11, kurz 22H2 genannt, nur kleine Veränderungen bringt, spielt es für Unternehmen eine große Rolle.
Das Windows 11 2022 Update bietet zwar nur inkrementelle Verbesserungen, ist aber dennoch wichtig.
Das Windows 11 2022 Update bietet zwar nur inkrementelle Verbesserungen, ist aber dennoch wichtig.
Foto: Microsoft

Ein Jahr nach dem Release von Windows 11 hat MicrosoftMicrosoft mit 22H2 das erste große Update für das Desktop-Betriebssystem bereitgestellt. Wie Panos Panay, Microsofts Executive Vice President und Chief Product Officer für Windows + Devices, in einem Blogbeitrag beschreibt, bringt das Update "viele kleine, aber wichtige Änderungen, die Ihnen helfen, produktivster und kreativer zu sein". Der Fokus liegt dabei auf vier Kernbereichen. Das Windows 11 2022 Update soll laut Microsoft: Alles zu Microsoft auf CIO.de

  • die PC-Nutzung einfacher und sicherer machen,

  • die Produktivität von Nutzer*innen fördern,

  • Windows als Plattform für Vernetzung, Kreativität und Entertainment erweitern, und

  • mehr Flexibilität und Organisationsmöglichkeiten für den hybriden Arbeitsplatz bieten.

Stephen Kleynhans, Vice President und Analyst beim Marktforschungsunternehmen Gartner, bestätigt diesen Eindruck. Für ihn geht es bei Windows 11 Version 22H2 vor allem darum, die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern und den Funktionsumfang um einige zusätzliche, auf Unternehmen zugeschnittene Funktionen abzurunden. "Für sich genommen ist es kein großes Update, und für alle, die Windows 11 bereits nutzen, stellt es keine große Veränderung dar", so Kleynhans in einer E-Mail-Antwort an Computerworld. "Vielmehr beseitigt es einige der holprigen Stellen und Ungereimtheiten in der ersten Version von Windows 11 und macht es ein wenig benutzerfreundlicher."

Windows 11 2H22 bietet systemweit Live-Untertitel
Windows 11 2H22 bietet systemweit Live-Untertitel
Foto: Microsoft

Einige neue Funktionen, wie die systemweite Unterstützung von Live-Untertiteln und die Verbesserungen bei den Bildschirmleseprogrammen, würden sich für einige Benutzer wirklich auswirken, räumt Kleynhans ein. Am wichtigsten ist für ihn jedoch, dass dies die Version von Windows 11 ist, auf die Unternehmen umsteigen können: "Ich erwarte, dass die meisten Unternehmen im Laufe des Jahres 2023 von Windows 10 auf Windows 11 wechseln werden."

Was in Microsofts erstem Feature-Update für Windows 11 fehlt, sind dem Gartner-Analysten zufolge einige Verbesserungen für die Benutzererfahrung, etwa ein größenveränderbares Startmenü und eine neu positionierbare Taskleiste. Daneben gibt es aber auch einige nützliche Ergänzungen - einschließlich einer neuen Funktion zur Passwortsicherheit.

Windows 11 22H2: Regelmäßige Sicherheits-Upgrades

Microsoft preist Windows 11 22H2 als eine Plattform an, die direkt auf den Hybrid Worker beziehungsweise hybride Arbeitsplätze ausgerichtet ist. Hier spielen regelmäßige Sicherheits-Upgrades eine wichtige Rolle, da Remote-Mitarbeiter häufiger Ziel von Malware und Cyberhacking sind. Bei der Vorstellung des Windows 2022 Update hat Microsoft entsprechend viel Zeit damit verbracht, sich mit der verbesserten Sicherheit zu brüsten. Viele dieser Verbesserungen beruhen jedoch eher auf Systemhardware und TPM 2.0 als auf spezifischen Neuerungen in Windows 11.

Ein Beispiel für eine hardwarebasierte Sicherheitsverbesserung: Bei Geräten mit Intel-Chipsätzen der 8. Generation und höher sind laut Wangui McKelvey, General Manager für Microsoft 365, standardmäßig virtualisierungsbasierte Sicherheit (VBS) und Hypervisor-geschützte Codeintegrität (HVCI) aktiviert. "Die beiden Technologien schützen Sie sowohl vor gängiger Malware und Ransomware als auch vor ausgefeilteren Angriffen", so McKelvey in einem Blog-Post.

Mit dem Windows 11 2022 Update hat Microsoft auch Windows Credential Guard standardmäßig für Geräte mit Windows 11 Enterprise aktiviert. "Credential Guard nutzt virtualisierungsbasierte Sicherheit, um Geheimnisse zu isolieren, so dass nur privilegierte Systemsoftware darauf zugreifen kann, was es Angreifern erschwert, Ihr Netzwerk zu kompromittieren", so der Microsoft-Manager.

Das Windows 11 2022 Update fügt dem Defender SmartScreen auch eine neue Passwortschutzfunktion hinzu: Erkennt Windows, dass ein Benutzer sein Microsoft-Kennwort eingibt, analysiert der Defender SmartScreen, wo das Kennwort eingegeben wird. Er prüft die Integrität der Anwendung, mit welchen Websites die Anwendung verbunden ist, welche Netzwerkverbindungen geöffnet sind, mit welchen Zertifikaten sie signiert sind und vieles mehr.

"So kann Defender sicherstellen, dass der Benutzer sein Microsoft-Kennwort sicher an einem geeigneten Ort eingibt.", erklärt Jason Weber, Vice President of Web Defense bei Microsoft. "Und was noch wichtiger ist: Defender kann erkennen, wenn dies nicht der Fall ist. Zum Beispiel, wenn der Benutzer mit Zugangsdaten gephisht wird, ein kompromittiertes Netzwerk verwendet und sogar sein Passwort in verschiedenen Diensten wiederverwendet. Diese zugrundeliegenden Schutzmechanismen sind in den Windows-Kernel integriert, so dass Defender zum Schutz der unter Windows laufenden Anwendungen beitragen kann."

Eine weitere Funktion, Smart App Control, verhindert, dass Mitarbeiter bösartige Anwendungen ausführen, indem sie nicht vertrauenswürdige oder nicht signierte Anwendungen blockiert. Mithilfe Künstlicher Intelligenz erlaubt Smart App Control nur die Ausführung von Prozessen, die auf der Grundlage vorhandener und täglich neu verarbeiteter Informationen als sicher eingestuft werden. "Das ist ideal für kleinere Firmen, die ihre Geräte nicht verwalten oder nicht signierte Geschäftsanwendungen haben und das Update 2022 sauber installiert haben", erläutert Webers Kollege McKelvey. "Für Unternehmen, die diese Anforderungen haben, empfehlen wir die Verwendung von Windows Defender Application Control."

Win 11 22H2: Weitere Upgrades

Ein weiteres Upgrade in Windows 11 22H2 beinhaltet eine Drag-and-Drop-Funktion für die Taskleiste, die es dem Benutzer ermöglicht, mit der rechten Maustaste zu klicken und Anwendungen und Dokumente in die Leiste hinein- und aus ihr herauszuziehen.

Für Touch-First- oder Nur-Touch-Geräte wird das 22H2-Update neue Snap Layouts enthalten. Die Funktion richtet sich an Nutzer, die dazu neigen, zu viele Tabs am Rand gleichzeitig geöffnet zu haben, um sie produktiv nutzen zu können. Edge-Tabs können nun nebeneinander gefangen werden. Die Snap-Funktion kann auch durch Fingerberührung verwendet werden, um Fenster einfacher anzuordnen.

Außerdem hat Microsoft die Möglichkeit verbessert, Anwendungen und Funktionen per Fingerstreich zu steuern. Nutzer von Touchscreen-Geräten können nun das Startmenü durch Streichen mit dem Finger nach oben öffnen und durch Streichen nach unten schließen. Darüber hinaus können Benutzer durch Streichen von links nach rechts zwischen angehefteten Anwendungen und einer vollständigen Anwendungsliste wechseln und durch Streichen nach oben auf Schnellaktionen zugreifen.

Microsoft hat außerdem Windows Studio Effects2 um Meeting-Funktionen erweitert, die es erleichtern, Video- und Audioanrufe zu führen. Effekte wie Voice Focus sind darauf ausgerichtet, Hintergrundgeräusche herauszufiltern und Automatic Framing hilft der Kamera automatisch einen Benutzer einzurahmen und ihm zu folgen, wenn er sich während des Meetings bewegt. Eine weitere Funktion namens Eye Contact hilft auch dabei, einen Benutzer so aussehen zu lassen, als würde er in die Kamera schauen, auch wenn er auf den Monitor oder Notizen darunter schaut.

Microsofts Windows Studio Effects wird nun Funktionen wie Voice Focus, Eye Contact und Auto Framing enthalten, um die Qualität von Videokonferenzen zu verbessern.
Microsofts Windows Studio Effects wird nun Funktionen wie Voice Focus, Eye Contact und Auto Framing enthalten, um die Qualität von Videokonferenzen zu verbessern.
Foto: Microsoft

Microsoft hat außerdem Live Captions hinzugefügt, eine Funktion, die Audioinhalte von Orten wie Teams-Konferenzanrufen und Webvideos transkribieren kann. Die Funktion zielt darauf ab, hörgeschädigten Mitarbeitern zu helfen, Audioinhalte besser zu verstehen, wenn sie visuell und nicht akustisch präsentiert werden, so das Unternehmen in einem Blogpost.

Windows 11 wird auch eine "Nicht stören"-Funktion über das Menü "Einstellungen" bieten. Diese schaltet bei Bedarf alle Benachrichtigungen aus, etwa wenn Sie sich auf ein Projekt konzentrieren wollen oder während Sie Ihren PC außerhalb der Arbeitszeiten benutzen. Die Funktion "Nicht stören" verfügt auch über zusätzliche Steuerelemente, wie z. B. die Auswahl der Arten von Benachrichtigungen, die Sie erhalten möchten, wie z. B. E-Mails oder Telefonanrufe. Benachrichtigungen, die bei aktivierter Funktion "Nicht stören" nicht ausgegeben wurden, finden Sie dann im Windows-Benachrichtigungscenter.

Zwar wird Windows 11 auch die Möglichkeit bieten, Dateien als Tabs darzustellen, doch wird diese Funktion erst im Oktober verfügbar sein.

Windows 11: Ein großes jährliches Update - plus viele kleine

Es gab auch Spekulationen, dass Microsoft zu dem Drei-Jahres-Zeitplan für größere Windows-Versionen zurückkehren würde, was vor der Veröffentlichung von Windows 10 der Fall war. Microsoft-Offizielle wiesen diesen Gedanken jedoch zurück und erklärten, dass die Updates jedes Jahr im Herbst erscheinen werden, mit monatlichen "Windows-Qualitäts"-Updates, die Fehlerbehebungen, Funktionsverbesserungen und die Behebung von Sicherheitsproblemen beinhalten. Das erste dieser inkrementellen Updates, die so genannten Moment"-Updates, ist für Oktober geplant. Pläne für die Einführung eines Windows 12-Betriebssystems gibt es laut Microsoft derzeit keine.

"Man neigt fälschlicherweise dazu, Windows 10 und Windows 11 ähnlich einzuschätzen wie zur Zeit der großen Blockbuster-Upgrades wie Windows XP oder Windows 7", so Gartner-Analyst Kleynhans. "Damals haben wir ein großes Projekt mit viel Aufwand und Evaluierung (sowie großen Kosten) auf die Beine gestellt, um jede größere Betriebssystem-Iteration zu prüfen und einzusetzen." Heute dagegen sei Windows ein Betriebssystem, das sich ständig weiterentwickelt und regelmäßig aktualisiert wird, erklärt er. Die Installation von Updates ist Teil der Sicherheit und Aktualität und erfolgt jeden Monat.

"In manchen Jahren sind die neuen Funktionen, die Microsoft herausbringt, bedeutsamer als in anderen", erklärt Kleynhans, "aber es gibt keine wirkliche Entscheidung darüber, ob ein bestimmtes jährliches Update die Mühe wert ist, es zu installieren oder nicht." Mit Windows 11 seien sie dagegen alle obligatorisch. Die Unternehmen müssten sich darauf konzentrieren, einen fortlaufenden Prozess zu etablieren, um das nächste jährliche Update jedes Jahr als Teil der allgemeinen Wartung und der mit dem Betrieb von Windows verbundenen Abläufe zu installieren.

Win 11: Nach Anfangsproblemen mäßig erfolgreich

Eines der anfänglichen Probleme bei der Akzeptanz von Windows 11 in Unternehmen bestand darin, dass die Hardwareanforderungen für die Ausführung von Windows 11 im Vergleich zu seinem Vorgänger Windows 10 erheblich gestiegen sind. So erfordert ein Upgrade auf Windows 11 ein System mit 64-Bit-Prozessoren, 4 GB Arbeitsspeicher, 64 GB Speicherplatz, UEFI Secure Boot und das Trusted Platform Module (TPM) v2.0.

Für IT-Verantwortliche stellt sich die Frage, ob sie auf Windows 11 umsteigen können oder ob sie abwarten sollten, bis alle Fehler behoben sind und der normale Hardware-Upgrade-Zyklus ihres Unternehmens abgeschlossen ist. Als Windows 11 im Oktober 2021 auf den Markt kam, waren nur wenige Unternehmen bereit, es einzusetzen, da es sich kaum von Windows 10 unterschied und hohe Hardwareanforderungen stellte. Wie bei jeder neuen Plattformversion wussten die IT-Abteilungen auch hier nicht, ob sie für die erste Zeit bereit war.

Laut mehreren Organisationen, die die Plattform verfolgen, darunter AdDuplex, ein Cross-Promotion-Netzwerk für Windows Store-Apps und Spiele, und der Anbieter der IT-Asset-Management-Plattform Lansweeper, macht Windows 11 derzeit knapp 25 Prozent der aktuellen Installationen aus.

Die Hauptgründe für die geringe Akzeptanz von Windows 11 "sind wahrscheinlich die strengen Anforderungen für ein Upgrade auf Windows 11 und die fehlende Dringlichkeit, da Windows 10 noch bis 2025 unterstützt wird", sagte Esben Dochy, Technical Product Evangelist bei Lansweeper, in einem früheren Interview mit Computerworld.

Laut einem aktuellen Bericht von Lansweeper waren nur 44,4 Prozent der Workstations berechtigt, das automatische Windows 11-Upgrade zu erhalten, während der Rest aufgrund der erforderlichen Hardware-Anforderungen nicht in Frage kam. "Für die Einführung des neuen Betriebssystems benötigen Unternehmen eine schnelle und kosteneffiziente Überprüfung der Windows 11-Bereitschaft, um zu ermitteln, welche Rechner für das Upgrade in Frage kommen und welche nicht. Unsere Untersuchungen zeigen, dass über 55 Prozent der Workstations nicht für ein Upgrade geeignet sind", schreibt Lansweeper in seinem Blog.

Die Kompatibilität des Rechners mit Windows 11 ist aber nur ein Aspekt, die Akzeptanz des Nutzers die andere: So berichtet AdDuplex auf seiner Website, "dass weniger als 3,5 Prozent der modernen Windows-PCs in den letzten zwei Monaten ein Upgrade auf Windows 11 durchgeführt haben. Ungefähr die gleiche Anzahl wurde auf die neueste Version von Windows 10 umgestellt.

Microsoft behauptete schon früh, eine starke Nachfrage und Präferenz für Windows 11 festgestellt zu haben, wobei die Akzeptanz des Upgrade-Angebots doppelt so hoch war wie bei Windows 10, aber Windows 10 ist bei Unternehmen nach wie vor beliebt, da die Hardware-Herausforderungen bestehen bleiben. "Die Herausforderungen bei der Akzeptanz von Windows 11 sind nach wie vor sehr groß, und sie sind wohl aktueller denn je", sagt Roel Decneut, Chief Strategy Officer bei Lansweeper. "Die neuesten Daten zeigen deutlich, dass sich viele Unternehmen vorerst auf Windows 10 konzentrieren, während Windows 11 sich noch in der Testphase befindet." Darüber hinaus seien viele Vorteile von Windows 11, wie die Smart App Control und der bessere Malware-Schutz, nur auf brandneuen Systemen verfügbar, so der Manager.

"In der derzeitigen Situation sind die Unternehmen der Überzeugung, dass sich die Kosten für den Kauf neuer Geräte und das Upgrade von Windows 10 auf 11 noch nicht lohnen. Dies ist nach wie vor das größte Hindernis für eine breite Akzeptanz. Da Windows 10 noch bis 2025 unterstützt wird, könnte es noch eine Weile dauern, bis sich diese Nadel bewegt", meint Decneut. (mb/fm)

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der US-Schwesterpublikation Computerworld.

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