Finance IT


Kaum Interesse an Big Data

Die IT-Kennzahlen der Versicherungen

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Versicherungen wollen vordringlich Kosten senken und Produktivität steigern. Big Data und Cloud spielen kaum eine Rolle, wie eine umfassende Studie des GDV zeigt.
  • IT-Ausgaben steigen seit Jahren stetig
  • Kommunikationskanäle sind besonders wichtig für die Branche
  • InsureTechs sind bislang noch keine Impulsgeber
  • Kostensenkung gewann zuletzt an Bedeutung
  • Prognostizierter Stellenabbau in der IT bleibt bislang aus
So entwickelten sich die IT-Ausgaben der Versicherungsbranche in den vergangenen Jahren.
So entwickelten sich die IT-Ausgaben der Versicherungsbranche in den vergangenen Jahren.
Foto: GDV

Die Versicherungsbranche investiert kräftig in ihre IT und in die DigitalisierungDigitalisierung. Das geht aus der sehr umfassenden Studie "IT-Kennzahlen 2014-2016" des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass keineswegs alle digitalen Technologien für die Unternehmen relevant sind. Das gilt beispielsweise für Themen wie Big DataBig Data und Cloud ComputingCloud Computing. Alles zu Big Data auf CIO.de Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

IT-Ausgaben bei insgesamt 4,41 Milliarden

In 2015 - darauf beziehen sich die aktuellsten Daten der Ende 2016 veröffentlichten Studie - stiegen die Investitionen der Branche in die IT in jedem Fall deutlich stärker als der Gesamtjahresumsatz. Dieser wuchs lediglich um 0,6 Prozent, während die IT-Ausgaben um rund 3,8 Prozent auf 4,41 Milliarden Euro zulegten. Seit 2011, als dieser Wert noch bei 3,77 Milliarden Euro lag, gab es laut GDV jedes Jahr einen Anstieg.

"Der Anstieg der Investitionen unterstreicht den hohen Stellenwert, den die Digitalisierung für die Unternehmen hat", sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Geschäftsführung. "Die Versicherer reagieren auf die gewachsenen Ansprüche der Kunden, die immer mehr digitale Angebote erwarten." Neben zusätzlichen Kommunikationskanälen stünden Investitionen in Datensicherheit und neue Technologien im Vordergrund.

Neue Kommunikationskanäle schaffen

In der Studie werden die einzelnen Aspekte der Digitalisierung noch stärker ausgelotet. Als reif, relevant und deshalb weitgehen umgesetzt darf in der Tat die Schaffung von Kommunikationskanälen im Zusammenspiel mit Kriterien wie DatenschutzDatenschutz, Datensicherheit und ComplianceCompliance gelten. "Ebenfalls in vollem Gange sind im Bereich der Effizienz die Bemühungen zur Kostenoptimierung und Steigerung der Produktivität durch Prozessstandardisierung und Modernisierung der IT-Organisation", heißt es in der Studie. Alles zu Compliance auf CIO.de Alles zu Datenschutz auf CIO.de

Dort wird weiter ausgeführt: "Dagegen scheinen die seit mehreren Jahren hochgehandelten Themen Big Data und Cloudifizierung noch nicht recht aus den Startlöchern gekommen zu sein." Diese Zurückhaltung gilt sowohl hinsichtlich der Relevanz als auch hinsichtlich der Reife. Dabei sind die größeren Firmen - wenig überraschend - einen erkennbaren Schritt weiter als kleinere Versicherer.

InsurTechs spielen noch keine Rolle

Während die sogenannten FinTechs als Innovationsbringer im Bankensegment seit geraumer Zeit gehätschelt und abgefeiert werden, tut sich bei ihren Pendants in der Versicherungsbranche offenbar noch recht wenig. "Die InsurTechs werden noch nicht als Impulsgeber für mehr Effizienz in der Wertschöpfungskette oder als Hebel für Wachstum gesehen", kommentieren die Autoren der GDV-Studie. Die weitere Entwicklung sei abzuwarten.

Somit kristallisieren sich drei aktuelle Planungs- und Umsetzungsschwerpunkte heraus, die alle dem Ziel der Effizienzsteigerung dienen: StandardisierungStandardisierung der Geschäftssoftware, Skill-Management für den Einsatz neuer Technologien und Investitionen in die IT-Organisation. Alles zu Standardisierung auf CIO.de

Wie sich die IT-Ausgaben verteilen

1,3 Milliarden Euro der IT-Ausgaben flossen 2015 in internes IT-Personal, 1,2 Milliarden in Hardware und Software. 595 Millionen Euro gaben die Unternehmen für externe Beratung aus. Mit 820 Millionen Euro schlugen Provider- und Outsourcing-Ausgaben zu Buche.

"Für den hohen Anteil von internen Personalkosten sowie externer Beratung ist vor allem die Systementwicklung verantwortlich, die ein großes Gewicht hat", kommentiert der GDV. "Denn um den Anforderungen der Digitalisierung gerecht zu werden, erneuern die Versicherungsunternehmen alte Systeme und arbeiten an neuen Software-Lösungen."

Die Grafik zeigt, welche Schwerpunkte die Unternehmen bei ihren IT-Investitionen für 2016 planten.
Die Grafik zeigt, welche Schwerpunkte die Unternehmen bei ihren IT-Investitionen für 2016 planten.
Foto: GDV

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Ein Beispiel für erzielte Fortschritte ist der gestiegene E-Mail-Verkehr. Der Anteil der elektronischen Post stieg von 28 Prozent in 2014 auf 31 Prozent in 2015. Weitere sechs Prozent der Nachrichten wurden über Kunden- und Vertriebsportale abgeschickt. "Somit erhalten Versicherer schon mehr als ein Drittel ihrer Nachrichten digital", frohlockt der Verband. 87 Prozent der Briefe werden nach dem Eingang gescannt. 2014 lag der Anteil noch bei 79 Prozent.

Inhaltlich entfielen 2015 knapp 27 Prozent der IT-Ausgaben auf sparten- und prozessübergreifende Projekte zum Beispiel aus dem Bereich Workflow, fast 20 Prozent auf IT-interne Prozesse wie etwa die Infrastruktur. "Die für die digitale Transformation notwendigen Anpassungen der IT-Infrastruktur und weitere Optimierung der Geschäftsprozesse könnten hier eine Rolle spielen", merken die Studienautoren an. 17 Prozent der IT-Ausgaben flossen in Außendienst, Vertrieb und Marketing, knapp 13 Prozent in Produktinnovationen respektive -erweiterungen.

13 Prozent der Ausgaben wegen Compliance

Als Ziel der IT-Investitionen wird zu rund einem Drittel die strategische Ausrichtung genannt. Fast ein Viertel der Projekte kreisen indes um die Senkung von Kosten. Hier gab es mit einem Plus von 5 Prozentpunkten einen starken Anstieg gegenüber 2014. Rund 18 Prozent der IT-Ausgaben zielen auf Wachstum und neue Märkte, fast 13 Prozent sind gesetzlichen Anforderungen geschuldet.

"Stellenabbau in der IT ist bislang nicht eingetreten"

Personell baut die hiesige Versicherungs-IT weiterhin auf. Letztmals gab es 2008 in der Branche einen Abbau an IT-Mitarbeitern, 2006 war dieser mit einem Minus von 2,14 Prozent sogar ziemlich stark ausgefallen. 2015 gab es bei einer Zugangsquote von 4,63 Prozent und einer Abgangsquote von 4,08 Prozent einen Saldo von 0,55 Prozent, der im Vergleich der vergangenen fünf Jahre bescheiden ausfällt.

Für 2016 planten die befragten Unternehmen indes mit einem Zuwachs von 1,39 Prozent. "Der hin und wieder erwartete Stellenabbau in der IT ist bislang nicht eingetreten", stellt der Verband fest. Basis der Studie ist eine Befragung der Verbandsmitglieder. Es beteiligten sich rund drei Viertel der 450 Mitgliedsunternehmen.