Cloud Computing


Digitalisierung in der Energiebranche

Enel-CIO hievt die IT in die Amazon-Cloud

Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Um den komplexe Migrationsprozess in den Griff zu bekommen, unterteilten die Italiener die rund 1700 Applikationen in die drei Kategorien "SAP-related", "Big Elephants" und "Others". Betrachtet man nur die Anzahl der Anwendungen, repräsentierte die letztgenannte Gruppe 80 Prozent des Bestands, beanspruchte allerdings lediglich 35 Prozent der IT-Ressourcen. Die Elefanten hingegen fraßen rund die Hälfte der verfügbaren Leistungen.

Alle SAP-bezogenen Anwendungen isolierte Enel von der AWS-Migration und verlagerten sie in die SAP-Cloud. In diesem Kontext entschied sich das Management auch für den Einsatz von SAP HANA. Der Migrationsprozess startete mit der Others-Gruppe, die weniger kritische Anwendungen umfasst und deshalb auch als eine Art Probelauf für die "Big Elephants" galt.

Letztere nahm Enel Anfang 2016 in Angriff. Zum großen Teil handelte es sich dabei um eigenentwickelte Anwendungen, die im spanischen RZ gehostet wurden, aber auch um komplexe Fachanwendungen etwa zur Steuerung der Energieverteilung am Standort Italien. Aus technischer Sicht war vor allem die Größe dieser Anwendungen ein Thema. In vielen Fällen beanspruchten sie mehr als 40 TB Speicherplatz. Innerhalb von neun Monaten gelang es dem Projektteam, rund 5500 Server samt Anwendungen in die AWS-Cloud zu transferieren. Weitere 4000 Rechner wurden temporär in das italienische Data Center überführt und sollen in einer zweiten Phase in die Wolke wandern.

Cloud Benefits: Flexibilität, Kosten, Geschwindigkeit

Zu den wichtigsten Vorteilen der Cloud-Migration zählen die Enel-Verantwortlichen die Flexibilität beim Bereitstellen von IT-Ressourcen. Diese lassen sich in der Cloud wesentlich einfacher nach oben oder unten skalieren. Damit sinkt auch das Risiko, Infrastrukturanforderungen für neue Initiativen falsch einzuschätzen. Enel ging mit relativ großen Amazon EC2-Instanzen (Amazons Elastic Compute Cloud) an den Start und reduzierte diese nach einer Optimierungsphase. Um den Provisionierungsprozess zu standardisieren, entwickelte die IT zudem einen internen Service-Katalog.

Diese Maßnahmen wirkten sich auch auf die Geschwindigkeit aus, mit der Ressourcen bereitgestellt werden können. Benötigte Enel in der Vergangenheit drei bis vier Wochen für eine komplette Provisionierung, soll sich die Zeitspanne in der Cloud auf nur noch zwei Tage verkürzt haben. DevOps-Teams etwa seien nun in der Lage, sich über den Servicekatalog in Eigenregie mit den benötigten Compute- und Storage-Diensten zu versorgen. Mit der Systemarchitektur auf Basis der Cloud-Services von AWS könne man zudem eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent gewährleisten.

Last, but not least bringt die Cloud-Strategie den Italienern auch handfeste Kostenvorteile. Bis dato hätten sich etwa die Storage-Aufwendungen um 60 Prozent reduziert, die Kosten für benötigte Rechenleistung seien um 20 Prozent gesunken. Ein weiterer Vorteil aus Sicht der IT-Verantwortlichen: Die tatsächliche Auslastung der Infrastruktur sei nun jederzeit nachvollziehbar, Kosten für nicht genutzte Ressourcen entfielen.

Amazon dominiert die Public Cloud

Für Amazon Web Services ist das Enel-Projekt ein wichtiger Meilenstein, um seine führende Position im Public-Cloud-Segment zu festigen. Nach Erhebungen von Synergy Research für das dritte Quartal 2016 hält AWS im weltweiten Markt für Public-Cloud-Services einen Anteil von 45 Prozent. Zwar weisen Microsoft und Google deutlich höhere Zuwachsraten aus. Doch Amazons Marktanteil ist noch immer mehr als doppelt so groß wie der der Verfolger Microsoft, Google und IBM zusammen. Im PaaS-Segment (Platform-as-a-Service) ist die Konkurrenz härter. Dennoch hält AWS auch hier einen deutlichen Vorsprung gegenüber Salesforce, Microsoft und IBM (siehe Grafik).

Die Konkurrenz wächst schneller. Doch der Vorsprung von Amazon Web Services im Public-Cloud-Markt ist noch immer immens.
Die Konkurrenz wächst schneller. Doch der Vorsprung von Amazon Web Services im Public-Cloud-Markt ist noch immer immens.
Foto: Synergy Research Group
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