Wiederwahl und Abschied

Ferdinand Piëch beim Porsche-Aktionärstreff

30.05.2017
Jahrzehntelang war er eine, vielleicht sogar die prägende Figur in der deutschen Autobranche: Ferdinand Piëch. Der Enkel des Firmengründers und VW-Käfer-Entwicklers Ferdinand Porsche betrat am Dienstag mal wieder die Autobühne - wohl zum letzten Mal.
Ferdinand Piëch sitzend im Volkswagen 1-Liter-Auto L1.
Ferdinand Piëch sitzend im Volkswagen 1-Liter-Auto L1.
Foto: Volkswagen AG

Plötzlich saß er da. Gut zwei Jahre hatte der frühere VW-Konzernlenker Ferdinand Piëch die Öffentlichkeit gemieden - seit er im Frühjahr 2015 die Brocken hingeworfen hatte als Volkswagen-Aufsichtsratschef. Am Dienstag stellte sich der 80-Jährige erstmals wieder einem großen Publikum. In seiner Funktion als Aufsichtsrat der VW-Dachgesellschaft Porsche SE nahm er in zweiter Reihe des Podiums in der Porsche-Arena Platz. Vor Beginn der Reden sprach er mit seinen Sitznachbarn, lächelte sogar mal kurz, doch zumeist war seine Miene starr. Er wirkte müde und gealtert. Schweigend hörte er später den Rednern zu.

Es dürfte Piëchs letzter Auftritt in offizieller Funktion auf der Autobühne gewesen sein. Zwar stand seine Wiederwahl als Aufsichtsrat auf dem Programm, die in dem Familienunternehmen eine Formsache ist. Doch das Ende ist absehbar. Denn der frühere Autopatriarch hat kürzlich fast seinen kompletten Anteil von 14,7 Prozent der Stammaktien der Porsche SE an seine Verwandtschaft verkauft - und damit auch seinen Einfluss auf VolkswagenVolkswagen aufgegeben. Die Finanzholding hält 52,2 Prozent der Stimmrechte beim Autobauer. Top-500-Firmenprofil für Volkswagen

Damit der Aktiendeal gültig wird, müssen noch Finanzbehörden mehrerer Staaten zustimmen - das könnte bis Anfang 2018 dauern. Wenn die Behörden grünes Licht geben, soll Piëch sein Mandat niederlegen. Das Mandat als Porsche-Kontrolleur hat er seit 1981.

Wie kam es zu dem Abgang? Jahrzehntelang war Piëch die bestimmende Figur des Autoclans Porsche/Piëch, also der Nachfahren des Ingenieurs und Firmengründers Ferdinand Porsche. 2015 begann der Familienknatsch - Piëch äußerte sich überraschend kritisch über den damaligen VW-Konzernboss Martin Winterkorn, seine Verwandten gaben ihm keine Rückendeckung. Piëch grollte. Sein Ärger wurde so groß, dass er raus wollte aus dem Familienunternehmen - also bot er 2017 seiner Familie sein Aktienpaket mit einem Börsenwert von gut 1,1 Milliarden Euro an.

Die Familie griff zu. An wen genau die Piëch-Anteile letztendlich gehen, ist unklar. Das ist insofern wichtig, als die Familienstämme Porsche und Piëch in der Vergangenheit mitunter in einem gewissen Spannungsverhältnis standen. Ferdinand Piëch verkaufte seine Aktien an seinen Bruder Hans Michel, der allerdings reichte einen Teil davon an den Porsche-Zweig der Familie weiter. Klar ist nur, dass der Piëch-Stamm in dem mächtigen Autoclan auch künftig mehr als 25 Prozent an der PSE hält und somit die Sperrminorität hat. Die Balance zwischen den Familienzweigen Porsche und Piëch, das hat Familiensprecher Wolfgang Porsche beteuert, soll erhalten bleiben.

Der Branchenexperte Stefan Bratzel sieht den absehbaren Abgang von Piëch auch als Chance für die Großfamilie, interne Gräben zu überwinden. "Die Zeit ist vorbei, dass die Welt in Porsches und Piëchs aufgeteilt wird", sagt der Professor aus Bergisch Gladbach.

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