Strategien


Robotic Process Automation

RPA wird Finanz-Prozesse halbieren

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Bis 2026 könnte Robotic Process Automation (RPA) 53 Prozent der Backoffice-Prozesse in den Finanzabteilungen ersetzen. Das rechnet der Berater A.T. Kearney aus. Die Consultants nennen sechs Punkte, die Entscheider bei der Implementierung von RPA beachten sollten.
  • 2012 betrug das globale Marktvolumen für RPA noch 140 Millionen US-Dollar, 2020 wird es rund fünf Milliarden erreicht haben
  • Das Design einer RPA-Implementierung sollte das gesamte betroffene Team und die Veränderungen bei Rollen und Organisationsstruktur berücksichtigen.

Der Bedarf an robotergestützter Prozess-Automation (RPA) wächst. 2012 betrug das globale Marktvolumen noch 140 Millionen US-Dollar, 2020 wird es rund fünf Milliarden erreicht haben. Das prognostiziert A.T. Kearney in der Studie "Robotic Process Automation - The impact of RPA on finance back-office processes". Die Analyse entstand in Zusammenarbeit mit IT-Dienstleister Arvato.

A.T. Kearney erwartet, dass Robotic Process Automation (RSA) bis 2016 deutlich mehr Back Office-Prozesse ersetzt als bisher.
A.T. Kearney erwartet, dass Robotic Process Automation (RSA) bis 2016 deutlich mehr Back Office-Prozesse ersetzt als bisher.
Foto: A.T. Kearney

Aktuell nutzen vor allem Unternehmen aus den Branchen Finance und Health RPA-Lösungen. Gemeinsam stellen sie 41 Prozent der Anwender. Typischerweise setzen große Firmen RPA ein. Die Consultants stufen den Markt als noch jung ein.

RPA ersetzt künftig auch weniger stark regelbasierte Prozesse

Die Autoren der Studie konzentrieren sich auf den Einsatz von RPA in Finanzabteilungen, unabhängig von der Branche. Dieser Bereich eignet sich, weil dort viele regelbasierte Prozesse ablaufen, die RPA ersetzen kann. A.T. Kearney erwartet, dass die Lösungen mit zunehmender technologischer Reife auch Prozesse ersetzen können, die weniger stark auf Regeln basieren. Dabei geht es nicht darum, ganze berufliche Rollen zu ersetzen. Sondern bestimmte einzelne Aktivitäten, die derzeit noch von Menschen ausgeführt werden.

Das erwartete Marktwachstum hängt mit den positiven Erfahrungen der Nutzer zusammen. In Zahlen: Wer RPA konservativ anwendet, kann bis zum Jahr 2026 bis zu 48 Prozent der Backoffice-Prozesse ersetzen. Wer es progressiv nutzt, kann bis zu 53 Prozent dieser Prozesse ersetzen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es erst neun Prozent der Abläufe.

Sechs Punkte bei der Implementierung

A.T. Kearney gibt Anwendern sechs Ratschläge mit auf den Weg:

1. Vor dem Start die Prozesse optimieren: Automation dient nicht dazu, Probleme in den Abläufen zu beheben, warnen die Consultants. Im Gegenteil: Vor dem Einsatz von RPA-Lösungen sollten die Prozesse mittels Six Sigma oder ähnlichen Best Practices optimiert werden. "Der digitale Input muss akkurat und strukturiert sein", erklärt A.T. Kearney.

A.T. Kearney identifiziert viele Vorteile von RPA.
A.T. Kearney identifiziert viele Vorteile von RPA.
Foto: A.T. Kearney

2. Stakeholder früh einbeziehen: A.T. Kearney führt es unter anderem auf negative mediale Berichterstattung zurück, dass Mitarbeiter Ängste mit Robotik verbinden. Wer RPA nutzen will, sollte alle Stakeholder früh in die Kommunikation einbinden.

3. Mit einem Proof-of-Concept starten und Vertrauen schaffen: Als Faustregel gilt: eine RPA-Lösung kann binnen sechs Wochen implementiert werden und wird binnen Jahresfrist einen Return on Investment (ROIROI) erzielen. Den beziffert A.T. Kearney zwischen 300 und - über die Jahre gesehen - tausend Prozent. Starten sollten Entscheider mit einem Proof-of-Concept, der schnell Erfolge zeigt und damit Vertrauen schafft. Alles zu ROI auf CIO.de

4. Für das Team designen, nicht für den Prozess: Obwohl es um die Automation konkreter Abläufe geht, sollte das Design der Implementierung das gesamte betroffene Team berücksichtigen. Denn innerhalb des Teams werden sich Rollen und organisatorische Strukturen verändern.

5. Nach agilen Prinzipien vorgehen: A.T. Kearney rät zum Vorgehen nach agilen Methoden. Die Software sollte in einer Reihe von Sprints getestet und immer wieder verfeinert werden.

6. Von Anfang an auf Skaleneffekte abzielen: Von Anfang an sollten Anwender einem detaillierten Rollout-Plan folgen. Nicht nur das für RPA zuständige Experten-Team soll an Kompetenz gewinnen, sondern auch jede Fachabteilung, die damit arbeitet.

A.T. Kearney schreibt robotergestützter Prozess-Automatisierung viel Potenzial zu. Dieses liege nicht nur im Backoffice, sondern mit zunehmender Reife auch im Frontoffice.

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