Energiemarkt in Europa

RWE angeblich an deutschen Uniper-Kraftwerken interessiert

23.10.2017
Der Energiekonzern RWE könnte womöglich zum Profiteur einer Übernahme des Konkurrenten Uniper durch die finnische Fortum werden.
RWE hat Interesse an Uniper.
RWE hat Interesse an Uniper.
Foto: 360b - shutterstock.com

Sollte UniperUniper bei einem Kauf durch Fortum zerschlagen werden, könnte RWERWE das deutsche Kraftwerksgeschäft der Düsseldorfer übernehmen, schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Kreise des Energiekonzerns. Top-500-Firmenprofil für RWE Top-500-Firmenprofil für Uniper

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hatte in der Vergangenheit schon häufiger Interesse an Uniper geäußert. Allerdings hat der Manager zuletzt auch klargemacht, dass er kein Kernkraftgeschäft übernehmen wolle. Und Uniper ist an Atomkraftwerken in Schweden beteiligt. Der deutsche Kraftwerkspark mit Kohle und Gas würde jedoch gut zu RWE passen. RWE hat sich wie zuletzt Uniper als Garant für die Versorgungssicherheit in Deutschland positioniert. Denn die konventionellen Kraftwerke sollen dann für sicheren Strom sorgen, wenn die erneuerbaren Energien wie Wind und Solar wegen ungünstigen Wetters keinen oder zu wenig Strom liefern.

Für Fortum wiederum dürfte vor allem das Auslandsgeschäft in Russland und Schweden interessant sein. Das Unternehmen setzt vor allem auf emissionsarme Stromproduktion wie Wasser und Kernkraft. Kohlekraftwerke mit ihrem hohen CO2-Ausstoß oder Gaskraftwerke, wie sie Uniper in Deutschland betreibt, gehören nicht zum Geschäft der Finnen.

RWE-Chef Schmitz an Gas- und Kohlekraftwerken von Uniper interessiert

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz wollte sich nicht direkt zu Uniper äußern. Er hatte aber zuletzt regelmäßig betont, dass sein Unternehmen an der Übernahme von Gas- und Kohlekraftwerken interessiert ist. "Wir haben die Märkte, in denen wir aktiv sind, im Blick - und sind für Zukäufe zum Beispiel von bestehenden Assets offen", bekräftigte er jetzt laut der Zeitung. "Wenn sich Gelegenheiten ergeben, werden wir die nutzen."

Fortum weist Pläne für eine Zerschlagung hingegen von sich. "Wir sprechen mit niemandem über den Verkauf von Teilen von Uniper", sagte Konzernchef Pekka Lundmark dem "Handelsblatt". Fortum wolle ein "konstruktiver Partner" und "langfristiger Investor" sein. Uniper hingegen sperrt sich - und fühlt sich offenbar durch Großaktionär EonEon getäuscht. Uniper-Chef Klaus Schäfer wertet den Vorstoß der Finnen als feindliche Übernahme und hätte eine sukzessive Aktienplatzierung durch Eon lieber gesehen. Top-500-Firmenprofil für EON

Uniper droht der Verlust der Eigenständigkeit

Auch der Uniper-Betriebsratschef Harald Seegatz warnte im "Handelsblatt" vor einem Verlust der Eigenständigkeit, der zu einem Verlust "tausender Arbeitsplätze" führen würde. "Das gilt auch, wenn sich am Ende direkte Konkurrenten die Rosinen rauspicken."

Fortum will für Uniper 22 Euro pro Aktie zahlen. Eon plant Anfang 2018, seinen Uniper-Anteil von knapp 47 Prozent den Finnen anzudienen. Der deutsche Energiekonzern kann das Aktienpaket aus steuerrechtlichen Gründen erst im kommenden Jahr verkaufen.

Uniper beschäftigt 13000 Mitarbeiter und ist mit einer Erzeugungskapazität von rund 40 Gigawatt einer der führenden Stromproduzenten Europas. Der Kraftwerkspark von Uniper bildete lange das Rückgrat von Eon, bis das Unternehmen im September 2016 unter dem Druck der Energiewende sein Geschäft mit konventionellen Großkraftwerken und dem Energiehandel abspaltete.

Schulden in Milliardenhöhe stellen Eon massiv unter Druck

Eon hatte damals bereits deutlich gemacht, sich mittelfristig auch von den restlichen Aktien trennen zu wollen. Das Unternehmen, das jetzt auf erneuerbare Energien setzt, drücken Schulden in Milliardenhöhe. Zudem muss Eon seine restlichen Atomkraftwerke in Deutschland abwickeln, die bei der Abspaltung Unipers auf Druck der Politik bei Eon verblieben.

RWE ist hingegen im Zuge der Energiewende in Deutschland einen anderen Weg gegangen als Eon. Das Unternehmen spaltete sein Geschäft mit erneuerbaren Energien ab und brachte es unter dem Namen InnogyInnogy an die Börse. Die Aktien der vier Unternehmen gewannen seitdem erheblich an Wert. Dabei profitierten sie von anhaltenden Spekulationen über eine Konsolidierung im europäischen EnergiesektorEnergiesektor. Neben Uniper steht auch immer wieder Innogy im Zentrum der Begierde. Allerdings will RWE an der Mehrheit festhalten, da der Konzern von den kontinuierlichen Mittelzuflüssen der Tochter abhängig ist. (dpa/rs) Top-500-Firmenprofil für Innogy Top-Firmen der Branche Energie u. Rohstoffe

Links zum Artikel

Branche: Energie u. Rohstoffe

Top500-Firmenprofile: EON, Innogy, RWE und Uniper

Kommentare zum Artikel

comments powered by Disqus
Zur Startseite