Siemens verkauft fast alle Osram-Aktien

Siemens schließt das Kapitel Osram

05.10.2017
Siemens hat sich von seinen restlichen Anteilen an dem Lichtkonzern Osram getrennt. Das Unternehmen verkaufte am Vorabend seine Aktien bis auf einen geringen Rest für rund 1,2 Milliarden Euro über eine beschleunigte Platzierung an institutionelle Investoren.
Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser. Das Verhältnis zwischen den Chefs von Siemens und Osram - Kaeser und Olaf Berlien, war nicht frei von Spannungen.
Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser. Das Verhältnis zwischen den Chefs von Siemens und Osram - Kaeser und Olaf Berlien, war nicht frei von Spannungen.
Foto: Siemens AG

Für SiemensSiemens ist damit das Kapitel OsramOsram endgültig abgeschlossen. Bei Osram zerplatzen hingegen Übernahmefantasien mancher Anleger, die Aktie verlor am Donnerstagvormittag auch deswegen deutlich. Top-500-Firmenprofil für Osram Top-500-Firmenprofil für Siemens

Siemens hatte seine Lichttochter Osram vor vier Jahren abgespalten und an die Börse gebracht. Seit 1978 war das Unternehmen komplett in der Hand von Siemens. Zuletzt hielt der Konzern noch rund 17,5 Prozent an Osram. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass die Osram-Aktien für ihn nur noch eine Finanzbeteiligung darstellten. Anleger hatten derweil darauf spekuliert, dass der Lichtspezialist übernommen werden könnte - und sich ein möglicher Interessent als ersten Schritt das Siemens-Paket sichern könnte. Vor allem aus China soll es Interesse gegeben haben - etwa durch den chinesischen Halbleiterkonzern San'an Optoelectronics im vergangenen Jahr.

Osram-Aktie verliert - Siemens-Aktie gewinnt

Diese Aussichten haben nun durch die Platzierung einen Dämpfer erhalten. Die Osram-Aktie rutschte zuletzt um rund 3,5 Prozent auf 64,72 Euro ab. Händlern zufolge hatte Siemens das Osram-Paket aus mehr als 18 Millionen Anteilsscheinen für 65,05 Euro je Aktie verkauft. Die Siemens-Aktie notierte zuletzt bei 120,40 Euro, dies war ein Plus von 0,5 Prozent.

Osram begann mit einem tiefgreifenden KonzernumbauKonzernumbau, nachdem das Verbot von traditionellen Glühlampen durch die EU das Unternehmen in die Bredouille gebracht hatte. Produktionsstätten wurden geschlossen, tausende Stellen abgebaut. Siemens selbst hat mit dem Verkauf seiner Anteile nun ein gutes Geschäft gemacht. So startete Osram im Juli 2013 mit einem Kurs von knapp 24 Euro an der Börse. Der Kurs hat sich seitdem fast verdreifacht. Alleine in diesem Jahr betrug der Zuwachs rund 35 Prozent, während der MDax, in dem Osram notiert ist, etwa 18 Prozent gestiegen ist. Top-Firmen der Branche Industrie

Das Verhältnis zwischen den Chefs von Siemens und Osram - Kaeser und Olaf Berlien, war dabei nicht frei von Spannungen. Zum Eklat kam es nach der strategischen Neuausrichtung Osrams Ende 2015, als Berlien erklärte, sich künftig verstärkt auf LED-Halbleiter zu konzentrieren und dafür viel Geld in eine neue Produktionsstätte in Malaysia zu stecken, die in diesem November eröffnet werden soll. Bereits zuvor hatte Berlien entschieden, das traditionelle Lampengeschäft abzuspalten und zu verkaufen.

Kaeser hielt diese Strategie für zu risikoreich und hätte die Zukunft Osrams lieber in Nischenbereichen gesehen. Auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr verweigerte Siemens als Großaktionär dann die Entlastung Berliens. Das Tischtuch galt zwischen den beiden Managern als zerschnitten und die endgültige Trennung von Siemens von seinen Osram-Anteilen schien nur noch eine Frage der Zeit. Zum Abschluss fand Osram freundliche Worte und dankte Siemens "für die Begleitung und die Rolle als Ankeraktionär in der Zeit seit dem Börsengang und während unserer Transformation zum Hightech-Unternehmen". (dpa/rs)

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