Reaktion auf Unterlassungserklärungen

Wettbewerbsprobleme bei Shein und Temu ungelöst

21.05.2024
Verbraucherschützer setzen im Konflikt mit den chinesischen Online-Händlern Shein und Temu Nachbesserungen durch. Aus Sicht von Handelsexperten genügen die jedoch nicht.
Temu: Einer Umfrage zufolge, sieht die Mehrheit ein großes Risiko, dass die Artikel von minderwertiger Qualität sind.
Temu: Einer Umfrage zufolge, sieht die Mehrheit ein großes Risiko, dass die Artikel von minderwertiger Qualität sind.
Foto: Tada Images - shutterstock.com

Für Verbraucherschützer ist es ein Erfolg: Nach Temu hat auch das Shopping-Portal Shein eine Unterlassungserklärung unterzeichnet und sich verpflichtet, die monierten Verstöße abzustellen. Handelsexperte Kai Hudetz sieht dennoch nach wie vor große Schwierigkeiten im Umgang mit den Plattformen. "Die Probleme des unfairen Wettbewerbs sind damit nicht gelöst. Bei Temu und Shein müssen hinsichtlich Sicherheit und Nachhaltigkeit die gleichen Standards gelten wie bei anderen Anbietern innerhalb der EU", sagte der Geschäftsführer des Kölner Handelsforschungsinstituts IFH.

Es sei richtig, dass sich Shein und Temu gemäß dem Digitale-Dienste-Gesetz der EU schärferen Richtlinien unterwerfen müssen. "Kernproblem bleibt, dass über diese Plattformen Waren zu extrem niedrigen Preisen angeboten werden, die zumindest in Teilen nicht unseren Anforderungen an Qualität und Nachhaltigkeit genügen", sagte Hudetz. So fehle es vielfach an Zertifizierungen.

Auch Verbraucher haben Bedenken

Auch bei Konsumenten gibt es Bedenken im Hinblick auf die Produkte von Anbietern wie Temu und Shein. Eine repräsentative Umfrage des IFH zeigt: Insgesamt 62 Prozent der Befragten sehen ein großes Risiko, dass die Artikel von minderwertiger Qualität sind.

Das Shoppen ist demnach sehr preisgetrieben. Jeder Zweite gibt an, bei Temu und Shein Produkte zu kaufen, die er oder sie sich sonst nicht leisten kann. Ganze 43 Prozent kaufen seit dem starken Anstieg der Inflation häufiger bei entsprechenden Online-Händlern. Zwei Drittel suchen dort gezielt nach Schnäppchen. Und 54 Prozent machen dabei positive Erfahrungen mit den Shopping-Portalen, bei Konsumenten unter 30 sind es sogar 74 Prozent.

Shein und Temu waren zuletzt vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) wegen mehrerer Verstöße abgemahnt worden. Dabei ging es unter anderem um irreführende Rabatthöhen und manipulative Designs. Dazu zählen während des Bestellens angezeigte Hinweise wie "Beeile dich! Über 126 Personen haben diesen Artikel in ihrem Warenkorb."

Sowohl Temu als jetzt auch Shein gaben daraufhin Erklärungen ab und versicherten, die Handlungen künftig zu unterlassen und ihre deutsche Webseite zu ändern. Falls sich ein Verstoß wiederholt, kann der Verband eine Vertragsstrafe fordern. (dpa/rs/pma)

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