Franklin, Georgia oder Lucinda

Wie man die richtige Schriftart für Präsentationen auswählt

Marion Koppitz (Jahrgang 1966) ist Gründerin, Gesellschafterin und CEO von i-pointing, Deutschlands Premium-Anbieter für Präsentationserstellung. Die in Passau geborene Betriebswirtin war mehrere Jahre bei Siemens Management Consulting als Präsentationsdesignerin tätig, bevor sie dort als Kommunikationsberaterin Turnaround-Projekte unterstützte. 2001 gründete sie die Firma i-pointing mit der Idee, professionelles Präsentationsdesign rund um die Uhr anzubieten. Ihr Credo: Rettet die Welt vor überflüssigen PowerPoint-Folien!

Auf schräge (und gerade) Typen setzen – so wählen Sie die richtige Schriftart für ihre Präsentation aus.
Schriftarten wie die GOTHAM erfahren zu wenig Beachtung.
Schriftarten wie die GOTHAM erfahren zu wenig Beachtung.
Foto: i-pointing

Sie heißen Franklin, Georgia oder Lucinda, sie haben kleine Füßchen oder lange Hälse, manche sind sehr schmal und manch andere eher rund - Sie können es sich denken, es geht um Schriftarten. Von vielen eher als nerviges Randprodukt in Word und PowerPoint angesehen, hat die Schriftart einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wir Texte und Dokumente wahrnehmen und lesen. Heute erscheint uns diese Vielfalt ganz selbstverständlich, trotzdem greifen wir immer wieder zu voreingestellten Standardschriftarten wie Arial, Times New Roman oder Calibri.

Dass wir heute so viele verschiedene vorinstallierte Schriftarten auf unseren Computern vorfinden, haben wir übrigens Steve Jobs zu verdanken. Der für seine Produkte und seine Marketing-Ideen gefeierte Apple-Gründer hatte damals auf dem College Kalligrafie-Kurse besucht und später das Desktop Publishing eingeführt: Mit dem Apple Lisa und dem Macintosh war es erstmals möglich, Drucksachen am Computer zu erstellen und sie so auf dem Bildschirm anzeigen zu lassen, wie sie dann auch später aussehen würden.

Grund genug also, sich den Schriftarten bei der nächsten Präsentationserstellung einmal näher zu widmen. Mit diesen Tipps wird Ihre Präsentation zu einem typografischen Highlight:

Der Kontrast macht's

Dort gilt die Faustregel: Je geübter man in der Gestaltung ist, desto mehr Schriftarten kann man kombinieren. Wer sich ganz unsicher ist, sollte bei einer bleiben, Mutigere können zwei kontrastierende Schriftarten miteinander kombinieren. Hier bietet es sich an, eine serifenlose Schrift (Sans Serif) für die Überschriften mit einer Serifenschrift (die mit den kleinen Füßchen) im Text beziehungsweise den Bullet Points zu kombinieren.

Das macht zum Beispiel auch die Süddeutsche Zeitung in ihrer Printausgabe. Insgesamt bereichern Kontraste das Schriftbild - dazu gehören neben den Serifen auch verschiedene Schriftgrößen oder die Bold- und Light-Varianten einer Schriftart. Bold (fett) eignet sich für die Überschrift und Light für den restlichen Text.

Die Schrift passt zur Aussage

Klingt komisch, ist aber wahr: Schriften verursachen bei uns Gefühle und Assoziationen. Wirkt die Schrift futuristisch oder altmodisch, verspielt oder klar strukturiert, aufmerksamkeitserregend oder zurückhaltend? Überlegen Sie sich zunächst, wie Sie beziehungsweise Ihre Präsentationsinhalte wirken, welches Gefühl die Zuhörer mitnehmen sollen. Eine Sans Serif in Versalien wirkt beispielsweise eher männlich und sehr "corporate". Eine Schnörkelschrift macht sich auf einer Hochzeitseinladung zwar gut, wirkt bei der Präsentation des Geschäftsberichts aber fehl am Platz.

Astreine Arial-Alternativen

Wenn Sie nicht an die Schrift eines Corporate Designs gebunden sind, sind Akzidenz Grotesk, Avenir, Bodoni, Caslon, Frutiger, Futura, Gotham und Rockwell schöne Schriften, die aus dem Arial-Einheitsbrei herausstechen und trotzdem schlicht und wertig aussehen. Wenn eine Schrift auf Ihrem Computer nicht vorinstalliert ist, gibt es auf Portalen wie MyFonts, DaFont oder Fontshop die Möglichkeit, Schriften (engl. fonts) kostenlos oder kostenpflichtig herunterzuladen.

Von links nach rechts, von oben nach unten

Natürlich kann man in PowerPoint auch mit der Ausrichtung von Schriften spielen, zunächst sollte man den Text allerdings links ausrichten. Da wir in der westlichen Kultur von links nach rechts lesen können wir einen linksbündigen Text einfacher aufnehmen. Bei der Foliengestaltung gilt es auch, die Hierarchien der Inhalte zu beachten: Wichtiges ist größer und oben, unwichtiges kleiner und weiter unten. Text, der zusammensteht, wird vom Leser als ein Informationsblock betrachtet - seien Sie sich dessen bewusst, wenn Sie Absätze einfügen.

No Gos bei der Typo

Die Schrift Comic Sans ist generell nicht zu empfehlen (außer vielleicht bei Einladungen zum Kindergeburtstag), da sie unseriös und albern wirkt und Inhalte nicht ernst genommen werden. Im Internet gibt es sogar eigene Hass-Seiten nur zu dieser Schriftart. Ähnlich verhält es sich mit Segoe Print und Courier New. Sie schreiben schließlich an einem Computer, nicht an einer Schreibmaschine.

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