Strategien


Das Internet der Fahrstühle

Wie Schindler millionenfach Aufzüge vernetzte



Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.


Tamlin schreibt als Online-Redakteur für Computerworld UK und Techworld. Zuvor schrieb er für verschiedene Publikationen in den Bereichen Channel, Enterprise Cloud, Architektur, Design, Film und Musik.
Der Schweizer Traditionskonzern Schindler nutzt State-of-the-Art-Technologie, um sein Business erfolgreich voranzutreiben. Wir sagen Ihnen, wie der Aufzug-Pionier dabei vorgeht.

Jeden Tag befördern Aufzüge und Rolltreppen aus dem Hause Schindler ungefähr eine Milliarde Menschen weltweit. Der Schweizer Traditionskonzern, der auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken kann, nutzt dabei das Potenzial seiner vernetzten Assets so gut wie nur möglich aus. Eine Kombination aus Edge Computing und Machine LearningMachine Learning sorgt deshalb für die Extraktion nützlicher Insights. Alles zu Machine Learning auf CIO.de

Schindler nutzt Edge Computing und Machine Learning, um seine Aufzüge und Rolltreppen zu vernetzen.
Schindler nutzt Edge Computing und Machine Learning, um seine Aufzüge und Rolltreppen zu vernetzen.
Foto: Schindler

So nutzt Schindler Edge Computing und IoT

Auf der Huawei connect in Shanghai sprach Schindler-CDO Michael NillesMichael Nilles darüber, wie das Unternehmen diese Technologien einsetzt, um besser durch die geschäftlichen Hochs und Tiefs eines Industrie-Konzerns navigieren zu können. Profil von Michael Nilles im CIO-Netzwerk

"Die digitale Transformation kommt nicht von selbst", mahnte Nilles. "Man muss zuerst seine Hausaufgaben erledigen - und erst einmal ordentlich aufräumen."

Diese Aufräumaktion begann bei Schindler vor ungefähr sechs Jahren. In einem ersten Schritt wurde eine Vielzahl von Legacy-Systemen konsolidiert. Im nächsten Schritt ging es darum, interne Prozesse zu standardisieren - zum Beispiel innerhalb der Lieferkette.

Die "echte Herausforderung" bestand dann allerdings darin, die weltweit 15 Millionen Schindler-Aufzüge fit für die Zukunft zu machen, wie CDO Nilles versichert. Jedes einzelne Asset musste mühsam mit Sensoren und Edge Computing Devices nachgerüstet werden, um es "smart" zu machen. Dazu kooperierte Schindler mit Huawei: Eine Edge-Computing-Lösung wird in die Lifts oder Rolltreppen integriert und kommuniziert über ein IoT (Internet of Things)-Gateway mit der Cloud. Die Predix-Plattform von General Electric verarbeitet die so gesammelten Informationen und ermöglicht Schindler zum Beispiel die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) seiner Systeme.

"Wir haben dieses Edge Device über die letzten Jahre gemeinsam mit Huawei entwickelt", erklärt Nilles. "Edge Computing stellt eine der wichtigsten technologischen Innovationen der letzten Jahre dar - befindet sich aber noch immer in der Entwicklung. Industrielle Maschinen und ein industrielles Internet sind ohne Edge Computing nicht möglich."

Die Herausforderungen des Industrial IoT

Das Resultat der Bemühungen ist die Plattform Schindler Ahead, die 2017 ausgerollt wurde, um Insights zu Equipment, Kunden, Passagiere und Service-Techniker miteinander zu vernetzen. Maßgeschneiderte Applikationen erlauben den Besitzern oder Betreibern von Gebäuden einen einfachen Status-Check des Schindler-Equipments - Updates werden in Echtzeit ausgespielt. Für die Kunden bedeutet das vor allem einen drastischen Rückgang der Ausfallzeiten.

"Im Industrial Internet ist es von wesentlicher Bedeutung, dass Sie Lösungen ausrollen die zukunftssicher sind," weiß Nilles. "Denken Sie an das Tesla-Modell: Die wahre InnovationInnovation kommt durch die Software. Sie sollten also sicherstellen, dass Ihre Edge Computing Devices und Ihre Assets update-fähig sind." Alles zu Innovation auf CIO.de

Gerade im IIoT-Umfeld, so Nilles weiter, sei Technologie eine nicht zu unterschätzende, komplexe Herausforderung. Das liege im Wesentlichen daran, dass man in diesem Umfeld die mechanische, elektronische und digitale Welt zusammenbringen müsse. Diese Herausforderungen sieht Nilles dabei als wesentlich an:

  • die richtigen Partner

  • das richtige Ökosystem

  • das richtige Geschäftsmodell

  • die richtigen Mitarbeiter

Insbesondere der letztgenannte Punkt bereitet vielen Unternehmen Sorgen. Denn die Industrie-Ingenieure sind in der Regel fit, wenn es um Mechanik oder Elektrotechnik geht, aber nicht unbedingt Software-Experten. Das typische Enterprise-IT-Team ist hingegen eher vertraut mit Legacy-Systemen, als mit IoT-Clouds und Edge Computing. Im Fall von Schindler unterstützte Huawei in Sachen Internet of Things, während GE Digital Partner erster Wahl in Sachen Cloud war.

"Es besteht ein großer Mangel an Fachkräften auf globaler Ebene. Und wie Sie sich vorstellen können, sind Industrie-Unternehmen für talentierte IT-Fachkräfte und Digital Natives nicht die erste Wahl", verdeutlicht Nilles den Status Quo.

Industrial User Internet?

Und was kommt bei Schindler nach dem "Internet der Aufzüge"? Die Schweizer denken gar nicht daran, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen und planen, die neu gewonnene Konnektivität für neue Geschäftsmodelle zu nutzen, wie Michael Nilles verrät: "Wir machen uns Gedanken über das ‚next big thing‘. Für uns ist das das ‚Industrial User Internet‘, bei dem der Nutzer im Mittelpunkt steht."

Das Ziel von Schindler: In Zukunft sollen die Menschen durch intelligente Aufzüge und Rolltreppen schneller, bequemer und problemloser an ihr Ziel kommen.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation Computerworld UK.

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