Innovation Accelerator

Wie Startups den Welthunger besiegen wollen



Simon Lohmann ist Volontär bei der IDG Business Media GmbH. Im September 2017 beendete er sein Studium „Medienkommunikation & Journalismus“ an der FHM in Hannover, seit 2015 ist er freier Journalist bei der Macwelt.
Startups haben oft innovative Ideen, doch fehlt es ihnen meist an Erfahrung und finanziellen Mitteln. Deshalb bekommen manche Unterstützung vom World Food Programme der UN, welches mit Techniken wie Blockchain und autonomes Fahren den Welthunger bis 2030 beenden will. Bernhard Kowatsch, Leiter des Innovation Accelerator, verrät CIO.de, mit welchen Innovationen dies gelingen soll.
  • 815 Millionen Menschen leiden weltweit unter Hunger, Tendenz fallend
  • Startups gelang erfolgreiche Umsetzung innovativer Blockchain-Technologie für syrische Flüchtlinge
  • Autonomes Fahren soll zukünftig humanitäre Hilfe in Krisengebieten ermöglichen
In der Theorie könnte der Welthunger in den nächsten zwölf Jahren beendet sein - allerdings unter schwierigen Bedingungen.
In der Theorie könnte der Welthunger in den nächsten zwölf Jahren beendet sein - allerdings unter schwierigen Bedingungen.
Foto: Suzanne Tucker - shutterstock.com

Über der Backstube eines traditionellen Münchener Bäckereiunternehmens befinden sich die Räumlichkeiten des InnovationInnovation Accelerator. Riesige, schräge Dachfenster durchfluten die offenen Büroräume mit natürlichem Licht, überall hängen beschriebene Plakate mit bunten Notizzetteln oder Whiteboards, auf denen die Mitarbeiter ihre Ideen sofort niederschreiben können. Sogar an den Wänden sind extragroße, transparente Flächen angebracht, auf denen man seine Gedanken schnell aufschreiben und wieder wegwischen kann - selbst die Bullaugen in manchen Zimmern bleiben davon nicht verschont und werden als Schreibfläche genutzt. Alles zu Innovation auf CIO.de

Eine feste Sitzordnung gibt es anscheinend nicht: Wer mag, kann mit seinem Laptop an einem freien Tisch in der Küche, an Gruppentischen oder im Konferenzraum Platz nehmen. Das Klischee eines gerade neu eingerichteten Startups wird auf jedem Quadratmeter bedient, doch erfüllt es seinen Zweck: Allein beim Betreten des Innovation Accelerator beschleicht einen das Gefühl, Teil von etwas Innovativem zu sein. Denn die Räume erinnern eher an ein Unternehmen aus dem Silicon Valley als an eine Organisation der Vereinten Nationen.

Innovation Bootcamp im Office des WFP Innovation Accelerator in München.
Innovation Bootcamp im Office des WFP Innovation Accelerator in München.
Foto: WFP Innovation Accelerator

Dass sich der Innovation Accelerator die Räumlichkeiten im Herzen der Bayerischen Hauptstadt überhaupt leisten kann, ist der Bäckerei ein paar Stockwerte weiter unten zu verdanken. Dank eines Mietpreisnachlasses können hier innovative Ideen verwirklicht werden, um dem Hunger auf der Erde ein Ende zu bereiten.

Als größte humanitäre Organisation weltweit ist das UN World Food Programme (WFP) mit 15.000 Mitarbeitern in 84 Ländern aktiv und hilft im Schnitt 80 Millionen Menschen pro Tag. Das Spektrum reicht von der klassischen Nothilfe in Krisengebieten, in denen die Menschen unter Krieg und Armut leiden, bis hin zur Versorgung von Regionen, in denen Naturkatastrophen Notstände verursacht haben.

Im Innovation Accelerator in München werden innovative Ideen, die über ein Online-Formular geschickt werden können oder von internen Mitarbeitern stammen, in die Tat umgesetzt. Seit 2016 wurden etwa 1.500 Ideen beim Accelerator eingereicht, welche meist von Startups, NGOs oder aus der Forschung stammen. "Von den 1.500 Ideen haben wir 60 zu einem Innovation-Bootcamp hier in München eingeladen. Daraus haben wir bisher wiederum 30 ausgewählt, die wir unterstützt haben", erzählte Bernhard Kowatsch, Leiter des Innovation Accelerator.

Bernhard Kowatsch, Leiter des WFP Innovation Acclerator
Bernhard Kowatsch, Leiter des WFP Innovation Acclerator
Foto: WFP Innovation Accelerator

Da das UN World Food Programme gänzlich freiwillig finanziert wird, ist die Organisation auf Spenden von Regierungen, Firmen und Individualspenden angewiesen. 2017 verfügte das WFP somit über ein Budget in Höhe von 5,5 Milliarden US-Dollar. Mit einem Teil des Geldes kann auch der Innovation Accelerator Projekte finanzieren - bis zu 100.000 US-Dollar pro Projekt.

Den Accelerator in München fördern das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das Auswärtige Amt und das Bayrische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. "Bei den eingereichten Konzepten achten wir darauf, wie innovativ die Ideen sind und wie groß das Potenzial ist, wenn man diese global verwirklichen würde", so Kowatsch. "Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Team und welche Erfahrungen es mitbringt. Gibt es bereits Prototypen? In welchem Stadium befindet sich die Idee? Das sind für uns wichtige Auswahlkriterien."

Oftmals fehle den Teams aus Westeuropa oder Amerika das Verständnis dafür, was wirklich in Entwicklungsländern oder Flüchtlingslagern passiert und ob ihre Idee überhaupt helfen kann. Das umgekehrte Problem besteht bei Teams und Startups aus Entwicklungsländern, denen beispielsweise der Zugang zu den neuesten Technologien oder Netzwerken fehlt. Der Accelerator müsse an diesen Punkten anknüpfen und durch seine Mitarbeiter für das notwendige Gleichgewicht sorgen.

Welthunger bis 2030 beendet?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte 1990 noch über eine Milliarde Menschen als hungernd ein. "Hungern" bedeutet in diesem Fall, dass den Menschen nicht genügend Kalorien zur Verfügung stehen, um ein gesundes Leben zu führen. Rund 2.300 Kalorien pro Tag gibt die WHO diesbezüglich als Schwellenwert an.

"Letztes Jahr waren es 815 Millionen Menschen, die unter Hunger litten", erklärte Kowatsch. "De Facto machen wir also schon Fortschritte." Eines der globalen Ziele des WFP lautet, den Welthunger in den nächsten zwölf Jahren zu beenden.

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