Weiterbildung aus Angst vor Jobverlust

4 Szenarien für die Arbeit 2030

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Jeder zweite Deutsche sieht die technologische Entwicklung skeptisch, wie eine PWC-Studie belegt. Drei von vier Arbeitnehmern sind jedoch bereit, sich weiterzuqualifizieren.
  • PWC entwirft für 2030 vier Zukunfts-Szenarien
  • Motto der Analysten: "Protect people, not jobs"
  • Unternehmen müssen sich darum kümmern, ihre Mitarbeiter ständig weiter zu bilden

Arbeitnehmer betrachten die technologische Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einen Ausweg aus negativen Gefühlen sehen sie in Weiterqualifizierung, wie die Berater von PWC in der Umfrage "Workforce of the future: the competing forces shaping 2030" feststellen. Die Consultants entwerfen für die Zeit bis 2030 vier Szenarien.

Bis 2030 könnte sich die Welt in vier verschiedene Richtungen entwickeln, sagt PWC.
Bis 2030 könnte sich die Welt in vier verschiedene Richtungen entwickeln, sagt PWC.
Foto: PWC

PWC hat mehr als 10.000 Arbeitnehmer aus China, Deutschland, Großbritannien, Indien und den USA befragt. Eine große Mehrheit von 74 Prozent gibt an, die beruflichen Fertigkeiten entweder ausbauen oder sich komplett neue Fähigkeiten aneignen zu wollen, um den Job nicht zu verlieren.

Der Blick auf die technologische Entwicklung an sich ist sehr unterschiedlich. So erklären 88 Prozent der Inder und 78 Prozent der US-Amerikaner, die Technologie werde die Arbeitswelt für sie verbessern. Unter den Deutschen bestätigen das nur 48 Prozent. Umgedreht betrachtet: 52 Prozent verneinen diese optimistische Sicht.

Insgesamt sechzig Prozent aller Befragten glauben nicht an stabile, langfristige Arbeitsverhältnisse in der Zukunft. Gleichzeitig sind 73 Prozent zuversichtlich, dass der Mensch unersetzlich bleibt.

Ein gelbes, rotes, blaues und grünes Szenario für 2030

PWC ordnet die vier Szenarien für die Welt im Jahr 2030 auf einer Matrix mit folgenden Dimensionen an: Fragmentierung versus Integration, Kollektivismus gegen Individualismus. Jedes Szenario bekommt eine Farbe.

Szenario 1: Der Mensch zuerst

In der gelben Welt kommt der Mensch zuerst. Technologie dient - etwa in Form von Social CollaborationCollaboration Tools - dem Austausch und dem Miteinander sowie dem "Lebenslangen Lernen". Unternehmen erklären, welche Technologie sie wofür einsetzen. Der Mensch wird hochgeschätzt: 2021 bieten Taxi-Unternehmen eine "Human driver please"-Option an. 2030 wird das Siegel "Made by me" verliehen. Es soll Produkte kennzeichnen, an deren Herstellung keine Maschine beteiligt ist. Alles zu Collaboration auf CIO.de

Szenario 2: Innovation

Die rote Welt dreht sich um InnovationInnovation. Es gibt nur noch wenige Regeln und viele Spezialisten sowie Nischen-Anbieter. Die Business-Welt ist ein einziger Inkubator. 2022 muss ein Gericht festlegen, dass das Arbeitsergebnis einiger Kollegen auch dann geistiges Eigentum des Unternehmens bleibt, wenn sie dort nicht dauerhaft festangestellt sind. 2030 sinkt der Anteil dauerhaft festangestellter US-Amerikaner mit neun Prozent auf den niedrigsten Stand, der je gemessen wurde. Alles zu Innovation auf CIO.de

Szenario 3: Globale Konzerne

Die blaue Welt ist die der globalen Konzerne. Das Gewicht hat sich verschoben: 2020 sind die reichsten chinesischen Haushalte (die ein Prozent aller Haushalte darstellen) vermögender als die reichsten US-amerikanischen. 2021 mergen die weltweit erfolgreichste Social-Media-Site und die größten afrikanische Telcos, es ist die finanzstärkste Fusion auf dem Weltmarkt bisher. 2030 steigert Indiens größter Tech-Konzern den Jahresumsatz um 24 Prozent, nachdem er an die Belegschaft Stimulanzien zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit ausgegeben hat.

Szenario 4: Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Umwelt

Verantwortungsbewusst gegenüber Mensch, Tier und Umwelt präsentiert sich die grüne Welt. 2020 gehen massenhaft Menschen in Detroit, Toronto, London und Mumbai unter dem Slogan "Stop the bots!" gegen Arbeitsplatzverlust auf die Straße. 2022 prangern Aktivisten in den sozialen Medien Unternehmen an, die ihre 2020 festgelegten Ziele zum Einsparen von Wasser verfehlt haben. 2030 legt die EU fest, mit keinen Unternehmen zu handeln, die Diesel- oder benzinbetriebene Fahrzeuge einsetzen.

Künstliche Intelligenz wird das Arbeitsleben prägen

Welchem Szenario auch immer die Welt am Ähnlichsten sein wird - DigitalisierungDigitalisierung und künstliche Intelligenz werden laut PWC eine entscheidende Rolle für das Arbeitsleben spielen. Dafür geben die Analysten das Motto "Protect people, not jobs" aus. Unternehmen werden bestimmte Mitarbeiter nicht davor bewahren können, durch Automatisation überflüssig zu werden. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Autonomous Intelligence stellt den Menschen im Arbeitsleben grundsätzlich in Frage

Konkret spricht PWC von drei Technologie-Trends: Assisted Intelligence, Augmented Intelligence und Autonomous Intelligence.

  • Assisted Intelligence ist heute bereits Realität, solche Tools nehmen dem Menschen einfache, standardisierte Routine-Tätigkeiten ab.

  • Augmented Intelligence ist dieser Tage im Kommen. Die Maschine wächst über Assistenz-Tätigkeiten hinaus und emanzipiert sich zum Partner, der mit dem Menschen zusammenarbeitet.

  • Autonomous Intelligence ist noch ein Zukunftsszenario: Künstliche Intelligenz übernimmt eigenständig die Entscheidungshoheit und stellt den Menschen im Arbeitsleben grundsätzlich in Frage.

Unterm Strich bestätigen die Consultants, was die Befragten erkannt haben: Wer mithalten will, wird sich ständig qualifizieren müssen. Es ist Aufgabe der Entscheider in den Unternehmen, sich darum zu kümmern.

Zur Startseite