Ausblick

Bei SAP stehen Marge und Cloud-Wachstum im Fokus

17.07.2018
Europas größter Softwarehersteller SAP legt an diesem Donnerstag die Zahlen für das zweite Quartal vor.
SAP hat in den vergangenen Jahren den Fokus stark auf das Cloud-Geschäft gelegt.
SAP hat in den vergangenen Jahren den Fokus stark auf das Cloud-Geschäft gelegt.

SAPSAP wächst dank besserer Geschäfte mit Mietsoftware über das Internet - der sogenannten Cloud - kräftig. Zudem konnte Europas größter Softwarehersteller zuletzt auch die Profitabilität steigern. Diese zog im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr an - damit überraschte SAP einige Experten, die erneut mit einem leichten Rückgang gerechnet haben. Alles zu SAP auf CIO.de

Damit hat SAP gute Voraussetzungen geschaffen, die Marge im Gesamtjahr endlich wieder zu steigern. Diese war in den vergangenen Jahren vor allem wegen der Investitionen in den Ausbau des Cloud-Geschäfts peu á peu gesunken. Investoren erwarten, dass Vorstandschef Bill McDermott und sein Finanzchef Luka Mucic das Versprechen einer wieder anziehenden Marge halten.

SAP hatte in den vergangenen Jahren das Cloud-Geschäft mächtig angeschoben. Das soll die Umsätze widerstandsfähiger und besser planbar machen, aber auch den Wettbewerber Salesforce auf Abstand halten. Zuletzt haben die Walldorfer die Übernahme des US-Softwareanbieters Callidus für 2,4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen und wildern damit stärker im Revier des Rivalen, der auf Software für Vertriebsorganisationen spezialisiert ist.

Das erwarten die Analysten

Experten setzen darauf, dass es SAP erneut gelungen ist, die Profitabilität zu steigern. Im Schnitt erwarten die Analysten, dass die operative Marge im zweiten Quartal auf 27,5 (Vorjahr: 27,2) Prozent gestiegen ist. Die für viele Experten sehr wichtige Kennziffer für die Unternehmensbewertung wird auf Basis des um Sondereffekte bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) und des Umsatzes errechnet.

Beim Erlös gehen die von Bloomberg bis Dienstag befragten Experten von einem Anstieg um rund zwei Prozent auf 5,9 Milliarden Euro aus. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird ein Wert von etwas über 1,6 Milliarden Euro erwartet. Neben der Profitabilität dürfte zudem das Wachstum im Cloud-Geschäft sowie mit der Kernunternehmenssoftware S4Hana im Mittelpunkt stehen.

Damit rechnet das Unternehmen

SAP hatte im April wegen der Übernahme von Callidus zudem die Prognosen für den um Währungseffekte bereinigten Umsatz im laufenden Jahr angehoben. Allerdings rechnet das Unternehmen jetzt im Gesamtjahr auch mit einem etwas größeren Gegenwind durch den starken Euro als zuletzt. Der Umsatz soll im laufenden Jahr auf Basis der Wechselkurse des vergangenen Jahres auf 24,8 bis 25,3 Milliarden Euro steigen nach 23,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. SAP stellt seine absoluten Ziele auf konstante Wechselkurse ab - was den Vergleich mit tatsächlich erzielten Zahlen erschwert.

Die an beiden Enden um 200 Millionen Euro erhöhte Prognosebandbreite geht auf den Kauf des auf Cloud-Lösungen für den Vertrieb spezialisierten US-Anbieters Callidus zurück. Der Zukauf ist auch der Grund für die erhöhte Erwartung beim Umsatz mit Cloud-Software. Hier rechnet SAP jetzt mit bis zu 5,15 Milliarden Euro im laufenden Jahr - das wären währungsbereinigt bis zu 36,5 Prozent mehr als 2017.

Beim operativen Ergebnis rechnet SAP im laufenden Jahr mit einem Wert zwischen 7,35 und 7,5 Milliarden Euro - das wäre währungsbereinigt ein Plus von bis zu elf Prozent. Hier hatte SAP nur das untere Ende der Spanne leicht angehoben. Die für den Umsatz und das operative Ergebnis abgegebenen Prognosen ergeben bei der Marge rein rechnerisch einen Wert zwischen 29,1 und 30,2 Prozent. 2017 hatte die Marge 28,9 Prozent betragen.

So lief die Aktie zuletzt

Die SAP-Aktie befindet sich seit der Bekanntgabe der Zahlen zum ersten Quartal auf einem Höhenflug. In den Wochen danach kletterte der Börsenwert des wertvollsten deutschen Unternehmens um fast ein Viertel auf knapp 130 Milliarden Euro. Seit dem Rekordhoch der Aktie von 105,28 Euro ist der Kurs wieder etwas zurückgekommen.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 125 Milliarden Euro (Stand 17. Juli) ist der Softwarehersteller aber nach wie vor der mit Abstand teuerste Dax-Konzern . Hinter SAP rangieren Siemens mit derzeit knapp 100 Milliarden Euro und Bayer mit 87 Milliarden Euro. Das SAP-Papier ist dank seiner hohen Gewichtung und stetigen Kursgewinne ein wichtiger Baustein für den Dax-Höhenflug der vergangenen Jahre.

In den vergangenen fünf Jahren zog der SAP-Kurs um 77 Prozent an - auf zehn Jahre gesehen sind es sogar fast 200 Prozent. Der Dax legte in den beiden Zeiträumen um 52 beziehungsweise 100 Prozent zu. Trotz der Gewinne in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren trauen viele Analysten dem Papier weitere Kursgewinne zu - 16 der 23 von dpa-AFX erfassten Experten empfehlen das Papier immer noch zum Kauf.

Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 110 Euro und damit über dem bisherigen Rekordstand. Am Optimistischsten ist derzeit Goldman Sachs mit einem Kursziel von 122 Euro. Damit wäre SAP knapp 150 Milliarden Euro wert und die Position als wertvollster europäischer Technologiekonzern wäre noch gefestigter - von Börsenwerten der großen amerikanischen Internetunternehmen wie Amazon (756 Mrd Euro), Alphabet (706 Mrd Euro), Microsoft (689 Mrd Euro) oder Facebook (513 Mrd Euro) sind sie aber noch weit entfernt. (dpa/rs)

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