Healthcare IT


"Die Systeme geben es nicht her"

01.10.2007

Sie setzen auf das Produkt i.s.h med als Krankenhausinformationssystem (KIS). Sind sie damit zufrieden?

Einen 100-prozentigen Volltreffer landet man mit keinem KIS, wobei es speziell für Unikliniken mit ihrer hohen Differenzierung problematisch ist. Erstaunlich finde ich aber die Priorisierung der KIS-Hersteller. Einerseits gibt es immer noch Defizite bei den Basisfunktionen die wirklich jeder braucht und mit denen die meisten Häuser auch noch kämpfen wie etwa Arztbriefschreibung, OP und Terminverwaltung. Andererseits werden Spezialfunktionen angeboten, die letztlich nur wenige pilotieren und kaum einer in der Fläche einsetzt.

Erklären Sie das mal den Ärzten in den Kliniken …

Das ist richtig: Hier sind die IT-Abteilungen in einer unglücklichen Position. Sie wissen in der Regel was nötig ist und würden es gerne bieten. Das geht aber nicht, weil die Systeme es nicht hergeben und man andauernd an die Grenzen der Technik stößt. Manche Probleme können durch enge Kooperationen mit den Herstellern gelöst werden. Sonst bleibt nur die Eigenentwicklung, die die meisten eigentlich auch nicht wollen oder sich begnügen. Man kann nur versuchen den Ärzten dieses Dilemma so gut wie möglich zu vermitteln und auf Verständnis hoffen.

Derzeit forcieren einige private Klinikketten und auch Unikliniken zusammen mit Fraunhofer die elektronische Fallakte. Sie gehen einen anderen Weg. Warum?

Die Prämissen sind andere. Meine Prämissen lagen auf drei Aspekten: Erstens steht der Patient im Mittelpunkt, zweitens setzen wir auf internationale Standards, drittens sollte die Lösung ohne Verzug unmittelbar umsetzbar sein. Zum ersten Punkt: Einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakten sollten letztlich mit der persönlichen Gesundheitsakte des Patienten integriert werden, welche auch seine eigenen Einträge sowie Daten aus Home Care Systemen enthält. Ich bin davon überzeugt, dass dies passieren wird. Alles zusammen muss dann zwingend aus ethischen und datenschutzrechtlichen Gründen Eigentum der Patienten sein. Deshalb haben wir über Konzepte nachgedacht und Lösungen gesucht, die sich unmittelbar und mit den heute verfügbaren Standards und technischen Möglichkeiten der Systeme umsetzen lassen. Damit bleiben wir gleichzeitig kompatibel zu dem internationalen Umfeld und entsprechenden Standards wie etwa IHE-XDS (* Anm. der Red.; Integration the Health Enterprise: Initiative, die Bild- und Datenverarbeitung zu integrieren) und setzen nicht auf rein nationale oder gruppen-orientierte Bemühungen. Damit kommen wir gemeinsam mit den Häusern des Gesundheitsnetzes Rhein-Neckar schon sehr weit und sammeln wichtige Erfahrungen.

Wo sehen Sie den Haken bei der elektronischen Fallakte?

Mein Eindruck bei der elektronischen Fallakte war, dass dem Patienten kein großes Gewicht beigemessen wird, die primäre Interessenlage ist ja auch eine andere. Gleichzeitig hätten wir nichts tun und nur warten können, wenn wir uns für die elektronische Fallakte entschieden hätten. Die dort vorgesehenen Schnittstellen hätten für unsere KIS erst gebaut werden müssen. Dabei war nicht absehbar ob alle KIS-Hersteller die Konzepte überhaupt umsetzen und schon gar nicht bis wann. Letztendlich bin ich auch unsicher, ob das Fallakten-Konzept in der angedachten Form im Klinikalltag überhaupt funktionieren kann.

Das heißt, Sie setzen die Priorität auf den Patienten.

Absolut! Dies gebietet sich aus ethischen Gründen und gleichzeitig gibt es auch kein sinnvolles, technisch machbares Berechtigungskonzept welches es erlaubt alle Wünsche der Ärzte, der Patienten und des Datenschutzes gleichzeitig zu erfüllen. Also muss irgendwo eine Priorität gesetzt werden und das kann nur beim Patienten sein.

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