An der elektronischen Leine

Die Zukunft der Arbeit

04.05.2015
Werden wir in Zukunft alle als digitale Tagelöhner arbeiten, und wie wird die zunehmende Vernetzung unser Leben ändern? Arnold Picot, Professor für Betriebswirtschaft in München, untersucht, wie sich die Digitalisierung auf die Arbeitswelt auswirkt.

Was bedeutet die Digitalisierung für unsere Arbeit?

Arnold Picot: Die technologische Entwicklung hat zu einer enormen Leistungssteigerung der Hilfsmittel geführt, die man für die Arbeit braucht, und zu einer zunehmenden Vernetzung. Die Geräte werden leichter und kleiner. Das eröffnet enorme Flexibilitätspotenziale und Freiheitsgrade. Wir können heute den Ort der Arbeit freier wählen, weil wir unsere Arbeitsumgebung überallhin mitnehmen können. Die Arbeit kommt verstärkt zu den Menschen und nicht mehr umgekehrt.

Die Wirtschaft hat sich dematerialisiert, das heißt, Produkte und Dienstleistungen sind vermehrt digitalisiert, und die Wertschöpfung findet immer stärker in virtuellen Zusammenhängen statt. Das heißt auch: Firmen wählen ihre Standorte nach anderen Kriterien als bislang. Die Autoindustrie kann ihre Software aus jedem beliebigen Land der Welt beziehen - ebenso wie einen großen Teil der Fachkräfte.

Professor Arnold Picot leitet die Forschungsstelle für Information, Organisation und Management an der Fakultät für Betriebswirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, die das Interview dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat (www.uni-muenchen.de). Für den IT-Gipfel der Bundesregierung Ende 2014 verfasste Picot das Papier "Arbeit in der digitalen Welt".
Professor Arnold Picot leitet die Forschungsstelle für Information, Organisation und Management an der Fakultät für Betriebswirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, die das Interview dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat (www.uni-muenchen.de). Für den IT-Gipfel der Bundesregierung Ende 2014 verfasste Picot das Papier "Arbeit in der digitalen Welt".

Was heißt das für die Arbeitsorganisation?

Arnold Picot: Durch die digitalen MedienMedien ist es einfacher geworden, freie Mitarbeiter in Arbeitsprozesse einzubeziehen. Daher wird es in Zukunft mehr Freelancer geben. Das liegt auch daran, dass sich Arbeitsinhalte häufig ändern und Unternehmen nicht wissen, welche Kompetenzen sie morgen brauchen. Sie greifen lieber je nach Bedarf auf Fachkräfte zurück statt diese durchgehend für den Fall der Fälle anzustellen. Mit dieser Flexibilisierung der Belegschaft überträgt sich aber auch ein Teil des Geschäftsrisikos auf die freien Mitarbeiter. Top-Firmen der Branche Medien

Und die können dann von überallher zuarbeiten?

Arnold Picot: Durch die weltweite Vernetzung und VirtualisierungVirtualisierung vieler Tätigkeiten senken sich die Eintrittsbarrieren zum Arbeitsmarkt. Damit haben wir heute in vielen Bereichen einen nahezu globalen Arbeitsmarkt. Bewerber aus Indonesien und Oberbayern konkurrieren um denselben Auftrag. Über Crowdworking-Plattformen im Internet werden weltweit Aufträge an Freelancer vermittelt. Es gibt Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen, die so Arbeit finden. Manche sehen darin eine Entwicklung zurück in den Taylorismus, die hoch arbeitsteilige Welt. Das stimmt teilweise; sogenannte Crowdworker übernehmen arbeitsteilige Aufgaben, die Maschinen nicht leisten. Alles zu Virtualisierung auf CIO.de

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