Digitalisierung

Enterprise Architects kämpfen gegen Komplexität

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Hauptaufgabe im Enterprise Architecture Management ist die Reduktion von Komplexität, denn mit der Digitalisierung steigt die Zahl an Point-to-Point-Verbindungen. Gut vier von zehn Architekten experimentieren mit Microservices, wie eine Studie von McKinsey mit der Henley Business School zeigt.
  • Digital Leader verfügen über mehr (plus 22 Prozentpunkte) Point-to-Point-Verbindungen und weniger (minus 19 Prozentpunkte) Wiederverwendung von Services als der Durchschnitt
  • 60 Prozent der Enterprise Architects bei Digital Leadern sprechen mit der oberen Führungsriege (Schnitt: 24 Prozent)
  • 40 Prozent der digital führenden Unternehmen wenden bei den meisten Projekten agile Methoden an

Wie stark mit der DigitalisierungDigitalisierung die IT-Komplexität steigt, dokumentiert die Studie "Enterprise architecture as a digital transformation facilitator" von McKinsey und der Henley Business School. In dem Papier wird die Rolle von Enterprise-Architekten untersucht. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Die meisten Unternehmen arbeiten mit zwei bis fünf Plattformen.
Die meisten Unternehmen arbeiten mit zwei bis fünf Plattformen.
Foto: McKinsey/Henley Business School

Die Studienautoren haben mehr als 150 Führungskräfte befragt. Dazu zählen Enterprise Architects (EA) ebenso wie CIOs und weitere IT-Entscheider.

Komplexität gefährdet den digitalen Wandel

Unternehmen, die die Digitalisierung strategisch priorisieren, gelten als Digital Leader. Bei ihnen liegt die Zahl der Point-to-Point-Verbindungen um 20 Prozentpunkten über dem Durchschnitt. Gleichzeitig bewegt sich die Zahl der Services, die wiederverwendet werden, um 19 Prozentpunkten unter dem Schnitt und die Qualität der Dokumentation um 16 Prozentpunkten niedriger. Die Studienautoren schlussfolgern: "Digitale Transformationen erhöhen die technische Komplexität in Unternehmen, was den angestrebten Wandel gefährdet."

Diese Komplexität zu reduzieren, ist Hauptaufgabe von Enterprise Architects. Das bestätigen jedenfalls 67 Prozent der Befragten. Von Unternehmens-Architekten sollen vor allem die IT (71 Prozent) und das Business-Alignment (69 Prozent) profitieren.

Erfolgreiche Enterprise Architects reden mit der Führungsebene

Bei den digitalen Leadern ist die Unternehmensarchitektur weit oben angesiedelt: In diesen Firmen sprechen 60 Prozent der Architects direkt mit der oberen Führungsebene. Im Schnitt aller Befragten gilt das nur für 24 Prozent. Umgekehrt interagieren nur 24 Prozent der Architekten aus den Vorzeigefirmen mit Software-Anbietern, im Schnitt sind es 70 Prozent.

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Insgesamt ist der Blick auf Transformation bei den führenden Unternehmen anders. Sie betrachten Digitalisierung nicht als IT-Projekt, sondern als grundlegenden Wandel, schreiben die Studienautoren. Jedes der als Digital Leader klassifizierten Unternehmen modelliert Ist- und Ziel-Architektur. Unter den anderen Firmen gilt das nur für 58 Prozent.

Fehlendes Bewusstsein für Microservices

McKinsey und die Henley Business School haben außerdem gefragt, ob die Architekten Microservices anwenden. Insgesamt haben 41 Prozent Pilotprojekte gestartet, unter den Digital Leadern sind es 60 Prozent. Allerdings erklärt mit 32 Prozent fast jeder Dritte (Digital Leader: zehn Prozent), in seinem Haus gebe es kein Bewusstsein für Microservices. Weitere 24 Prozent erklären, solche Services passten nicht zu ihnen.

Unternehmen investieren mehr in methodische Kompetenzen als in technische Skills.
Unternehmen investieren mehr in methodische Kompetenzen als in technische Skills.
Foto: McKinsey/Henley Business School

Der Einsatz von agilen Methoden beim Enterprise Architecture Management

Eine weitere Frage bezieht sich auf agile Methoden. Mit 25 Prozent der Nennungen wendet sie jeder Vierte (Digital Leader: 40 Prozent) auf "die meisten" Projekte an. 33 Prozent (Digital Leader: 60 Prozent) nutzen sie vor allem für "fast-moving apps". Als Begründung für Agile erklären die Befragten, das jeweilige Projekt sei sehr innovativ und sie rechneten damit, dass sich die Anforderungen oft ändern (29 Prozent, Digital Leader: 70 Prozent).

Eine Mehrheit der Befragten (48 Prozent, Digital Leader: 56 Prozent) arbeiten mit zwei bis fünf Plattformen im Haus. Digital Leader verfügen über mehr Anwendungen (225 gegenüber 140).

Firmen investieren in Trainings und Schulungen

In Sachen Unternehmensarchitektur investieren Entscheider vor allem in das Training von Methoden (73 Prozent). Die Fachkräfte sollen von externen Beratern lernen und interne Schulungen besuchen (jeweils 70 Prozent). In Technik-Trainings investieren dagegen nur 24 Prozent.

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