CIO des Jahres


CIO des Jahres reSTART

Kein "New Normal" ohne Vertrauen

Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.
Auf die spannende virtuelle Gala zum "CIO des Jahres" folgte reSTART, ein fachlicher Deep-Dive mit prominenten CIOs.
Siemens-CIO Hanna Hennig hat die Keynote für das virtuelle reSTART-Event gehalten.
Siemens-CIO Hanna Hennig hat die Keynote für das virtuelle reSTART-Event gehalten.
Foto: Siemens AG

"Seit Corona hat sich der Führungsstil verändert," sagt Hanna Hennig, CIO der Siemens AG. Outcome sei wichtiger geworden als Präsenz am Arbeitsplatz. Als IT-Chefin vertraue sie ihren Mitarbeitern, dass sie gewohnt gute Arbeit leisten - auch wenn sie tagsüber einmal nicht erreichbar sind. Zu ihren Aufgaben als Führungskraft zählt Hennig auch, dass die Mitarbeiter ihre Pausen im Home-Office einhalten. Virtuelles Socializing abseits der Arbeit sei ebenfalls wichtig.

Die Rolle des CIORolle des CIO habe sich seit März geschärft, berichtet die IT-Chefin. Beispielsweise wurde sie selbst fester Bestandteil des Krisenstabs. Hennig: "Dabei ging es nicht nur darum, die Infrastruktur abzusichern, sondern Prognosen für die Lieferkette anhand von AnalyticsAnalytics und KI abzugeben oder Remote-Wartung für Kunden zu ermöglichen." IT sei zum Kerngeschäft geworden: "Im Vertrieb präsentieren unsere Verkäufer neue Produkte mit Augmented RealityAugmented Reality oder 3D-Modellen. Das ist sogar ein stärkeres Kundenerlebnis als vorher." Alles zu Analytics auf CIO.de Alles zu Augmented Reality auf CIO.de Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Hennig hat in ihren ersten Monaten bei Siemens auch Vorteile des "New Normal" erlebt. "Ich habe über 100 Stakeholder weltweit in wahnsinnig kurzer Zeit virtuell treffen können," erinnert sie sich. Vorher wäre sie zum Beispiel extra nach China gereist, um den dortigen Kollegen kennenzulernen. Trotz allem sei es immer noch wichtig, auch eine persönliche Verbindung aufzubauen, um remote gut miteinander arbeiten zu können.

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Im Rahmen des digitalen reSTART-Events berichteten CIOs in einem "Diary"-Format von ihren persönlichen Erfahrungen während der Pandemie. Otto-CIO Michael Müller-Wünsch lobte etwa das digitale Onboarding seines Unternehmens. Der Lockdown habe keine erkennbaren Leistungseinbußen mit sich gebracht. Die soziale Dimension des Arbeitens sei aber eine Herausforderung. "Bei allen Höchstleistungen brauchen am Ende des Tages Menschen andere Menschen," so der Manager.

Führungskräfte müssten auf ihre Mitarbeiter eingehen. Kollegen, die keine optimalen Home-Office-Bedingungen haben, bietet Otto sichere Räume zum Arbeiten auf dem Campus an. Zurück zum Zustand vor der Corona-Pandemie will Müller-Wünsch nicht. "Wir müssen die Folgen der Krise als Chance nutzen, um neue, positive Arbeitsfelder zu gestalten," so der CIO.

Evonik-CIO Bettina Uhlich hofft dagegen, dass es nach der Krise zumindest teilweise wieder zur physischen Zusammenarbeit zurück geht. "Wir leben gerade von einem sozialen Gedächtnis aus der Vor-Corona-Zeit," so die IT-Chefin. Im Unternehmen sei aber eine komplette Rückkehr zum Zustand vor der Pandemie nicht möglich. Viele mobile Arbeitsweisen hätten sich etabliert und die Arbeitsleistung sei gleichgeblieben.

Uhlich: "Wir steuern auf eine hybride Arbeitsweise zu. Auf den klassischen Büroflächen würden zunehmend auch kreative Räume und soziale Begegnungsstätten entstehen. So werde Vertrauen unter Kollegen aufgebaut: "Vertrauen ist wichtig, um gemeinsam zu arbeiten und Freude am Ergebnis zu haben."

Ähnlich sieht das auch Markus Sontheimer, CIO von DB Schenker und Gewinner des neuen Transformation of Work Awards: "Mitarbeiter wollen ins Büro, um Kollegen zu treffen, Sachthemen können alle digital besprochen werden." DB Schenker befragt gerade die Belegschaft zu ihren Wünschen für neue Arbeitsumgebungen. Anschließend sollen Konzepte beispielsweise für Kreativräume erarbeitet werden. Sontheimer: "Was mich dabei schockiert ist, dass alle von zuhause arbeiten, im Büro aber dann doch ihren eigenen Schreibtisch wollen."

Volles Programm

Als weitere Highlights von reSTART standen eine Panel-Diskussion und mehrere Breakout-Sessions auf dem Programm. Darin wurden verschiedene Aspekte des "New Normal" vertieft. Den krönenden Abschluss bildete auch in diesem Jahr das Format "Meet the winners". Dort standen Thomas Mannmeusel von Webasto, CIO des Jahres in der Kategorie Großunternehmen, Charité-CIO Martin Peuker, Sieger im Public Sector, und Innovation-Sonderpreisträger Christian Rasche von Coca-Cola European Partners Rede und Antwort zu ihren Projekten.

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