Otto-CIO Michael Müller-Wünsch

Mehr IT-Kompetenz in Vorständen

Michael Müller-Wünsch ist Bereichsvorstand Technology (CIO) bei Otto.
2028 werden mindestens zehn Prozent der Unternehmen CEOs beziehungsweise Vorstandsvorsitzende mit einer IT-Ausbildung oder mindestens zehn Jahren Senior-Executive-Führungserfahrung eines Digitalisierungsbereichs haben, wettet Otto-CIO Michael Müller-Wünsch im CIO-Jahrbuch 2023.
"Wenn das Topmanagement nicht vorangeht, werden die Unternehmen meiner Meinung nach die Früchte der digitalen Transformation kaum ernten können", argumentiert Michael Müller-Wünsch, Bereichsvorstand Technology bei Otto, im CIO-Jahrbuch 2023.
"Wenn das Topmanagement nicht vorangeht, werden die Unternehmen meiner Meinung nach die Früchte der digitalen Transformation kaum ernten können", argumentiert Michael Müller-Wünsch, Bereichsvorstand Technology bei Otto, im CIO-Jahrbuch 2023.
Foto: Otto

Technologisches Know-how ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es um moderne Geschäftsmodelle geht. Doch wer aktuell einen Blick in die Vorstände der an der Deutschen Börse gehandelten Unternehmen wirft, entdeckt in Hinblick auf IT-Expertise doch größtenteils noch gähnende Leere.

Vor dem Hintergrund, dass sich die Informationstechnik zum Dreh- und Angelpunkt unserer heutigen und auch zukünftigen Geschäftsmodelle entwickelt, ist meiner Meinung nach ein tiefgehender technischer Sachverstand in der Führungsebene ein Muss.

Business und Tech verschmelzen

Egal, um welche Branche es geht: Technologie steigert die Produktivität und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, kann ihnen sogar den entscheidenden Vorteil bringen. Die Verschmelzung von Business und Tech ist also unabdingbar, will man als Unternehmen langfristig und nachhaltig an der Spitze stehen. Daher muss IT schon in der strategischen Geschäftsausrichtung mitgedacht werden, nicht nur im operativen Part. Und genau hier liegt das Problem.

Der CIO als Rarität

In einer Studie der Unternehmensberatung Accenture wurden die 100 größten Banken der Welt im Hinblick auf ihre IT-Kompetenz in den Vorständen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis in Deutschland: Lediglich sieben Prozent der deutschen Spitzenkräfte in den Banken besitzen berufliche Erfahrung im Technologiesektor.

CIO-Jahrbuch 2023
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Bei einem Drittel der weltweit untersuchten Banken gibt es sogar keinerlei Vorstandsmitglieder, die technologisches Fachwissen oder digitale Sprachkompetenzen vorweisen können. Dabei können Chief Information Officer (CIO) bereits in der strategischen Unternehmensentwicklung ihre IT-Expertise, ihren Blick auf die Technik einschließlich ihrer Möglichkeiten und Risiken einfließen lassen - und nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Schon 2003 haben es sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht, die Einflussfaktoren der Verbreitung von CIOs im Vorstand von Unternehmen im deutschsprachigen Raum zu untersuchen. Geforscht wurde auf Basis von sechs Fallstudien aus den Sektoren Banken, Luftfahrtunternehmen und Automobilhersteller. Das Forschungsdesign war so gestaltet, dass aus jeder der drei Branchen jeweils ein Unternehmen mit und ein Unternehmen ohne CIO ausgewählt wurde.

Die zwei zentralen Erkenntnisse der Untersuchung, die das Vorhandensein eines CIOs im Vorstand begründen, lauteten:

1, eine starke unternehmensexterne Nutzung der IT zum Aufbau von unmittelbaren Wettbewerbsvorteilen, und

2, die Verwendung der IT als Mittel zur teilbereichsübergreifenden Integration und Transformation von Geschäftsprozessen.

Auch heute, knapp 20 Jahre später, wird zur IT-Expertise in Vorständen geforscht. So wurde in einer breit angelegten Studie von Heads International und Professor Thomas Hess von der LMU München sowohl 2018 als auch 2021 untersucht, wie es heutzutage um die genannten Kompetenzen steht. Einbezogen wurden Unternehmen aus Dax40, MDax, TecDax sowie den 50 größten Familienunternehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass 2021 die Hälfte aller Unternehmen mindestens eine Person mit Digitalexpertise im Aufsichtsrat vorweisen konnte, während es 2018 nur 19 Prozent und damit 31 Prozentpunkte weniger waren. Eine beachtliche Steigerung - oder?

Denn zeigen diese Ergebnisse nicht auch, dass noch immer die Hälfte der Unternehmen keine Digitalexpertinnen und -experten im Aufsichtsrat vorweisen können? Ein Blick auf die Ergebnisse der Familienunternehmen zeigt, dass gerade hier das technische Know-how in den Führungsebenen noch zu wünschen übrig lässt: Lediglich 28 Prozent der 50 größten Familienunternehmen verfügen über Digitalexpertise im Aufsichtsrat. Nur zehn Prozent aller Aufsichtsräte haben hier spezielles Digitalisierungs-Know-how.

Bewusstsein schaffen

Aber was tun, wenn der Vorstand und die Geschäftsführung eine IT-Expertise im Topmanagement nicht für nötig halten? Egal, ob Familienunternehmen oder Dax-Konzern: Es geht darum, Bewusstsein für die Bedeutung von Digital-Know-how zu schaffen. Aufzuzeigen, dass Informationstechnik eine Kernkompetenz der obersten Ebene sein muss. Damit IT-Belange direkt und persönlich vorgetragen und mitge­staltet und Budgetfragen von Anfang an mitgedacht werden können.

Digitales Marketing, Plattformstrategien, Customer Experience - auch abseits von reinen IT-Unternehmen ist ein technologisches Know-how unabdingbar, um in der DigitalisierungDigitalisierung anzukommen. Und das bedeutet letztendlich, dass genau diese Kompetenz im Vorstand und der Geschäftsführung verankert sein muss. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Denn wenn das Topmanagement nicht vorangeht, werden die Unternehmen meiner Meinung nach die Früchte der digitalen Transformation kaum ernten können.

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