Strategien


Internet of Things

Unternehmen finden keine Anwendungsfälle für IoT

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
IDC stellt eine große Kluft zwischen den wenigen IoT-Anwendern und IoT-Nichtnutzern fest. Viele Unternehmen sehen keinen Bedarf bei ihren Kunden oder finden keine Einsatzmöglichkeiten.
  • IoT-Pioniere fokussieren sich weit weniger auf das Thema Sicherheit als Nicht-Anwender
  • Wer schon mit dem Internet der Dinge arbeitet, priorisiert die technologische Infrastruktur stärker als Nicht-Anwender

Entscheider ohne eigene Erfahrung mit dem Internet of Things (IoT) hegen teils falsche Vorstellungen. So lässt sich die europaweite Studie "Mit Hilfe des Internets der Dinge (IoT) die Leistungsfähigkeit des Unternehmens optimieren" des Marktforschers IDC zusammenfassen.

Anwender und Nicht-Anwender von IoT-Lösungen schätzen die einzelnen IT-Komponenten unterschiedlich ein.
Anwender und Nicht-Anwender von IoT-Lösungen schätzen die einzelnen IT-Komponenten unterschiedlich ein.
Foto: IDC

Die Analysten sehen eine "Kluft zwischen Besitzenden und Besitzlosen" bei den mehr als 550 Befragten. IDC definiert das IoT als "ein Technologie-Ökosystem, bei dem ein riesiges Netzwerk von eindeutig, identifizierbaren Dingen (Sensoren) zur Erfassung, Übertragung und Analyse von Daten, ohne jegliche Interaktion eines Menschen, eingesetzt wird." Ein gutes Viertel der Studienteilnehmer (26 Prozent) arbeitet bereits mit IoT-Anwendungen.

Einer der Unterschiede zwischen IoT-Vorreitern und Nachzüglern zeigt sich in ihrem Blick auf die Technologie. Anwender messen der Infrastruktur mehr Bedeutung zu, als Nicht-Anwender denken. IDC kommentiert: "Auch wenn dies häufig übersehen wird, so ist es doch in vielen Fällen die aus Sensoren, Konnektivität, Cloud und Datenverarbeitung im RechenzentrumRechenzentrum bestehende Infrastruktur, die zu Verzögerungen oder gar zum Scheitern dieser Projekte führt." Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Rund jeder Zweite will die IoT-Plattform lokal hosten

Die Marktforscher raten Neulingen daher, genau zu überprüfen, wo, wie und wie schnell ihr Unternehmen die von den Sensoren gelieferten Daten verarbeiten kann. Denn daraus leitet sich ab, wo die IoT-Plattform gehostet wird. Rund jeder Zweite (49 Prozent) hostet vorzugsweise lokal. Knapp jeder Dritte (31 Prozent) setzt auf ein externes Rechenzentrum und nur jeder Fünfte (20 Prozent) auf die Cloud.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Wer bereits IoT-Lösungen implementiert hat, hegt weniger starke Sicherheitsbedenken. Während 57 Prozent der Nicht-Anwender SecuritySecurity als größte Herausforderung betrachten, sind es unter den Anwendern 51 Prozent. Bezogen auf die wichtigsten IT-Komponenten in einem IoT-Projekt setzen 54 Prozent der Nicht-User Sicherheit an vorderste Stelle, unter den Anwendern sind es 41 Prozent. Die IoT-Vorreiter nennen Big DataBig Data/Analytics als wichtigste Komponenten (45 Prozent). Dem stimmen deutlich weniger Nicht-Anwender zu (26 Prozent). Alles zu Big Data auf CIO.de Alles zu Security auf CIO.de

Wer IoT bereits nutzt, zielt stärker auf Aspekte wie Lieferkette und neue Umsatzpotenziale ab als Nicht-Anwender.
Wer IoT bereits nutzt, zielt stärker auf Aspekte wie Lieferkette und neue Umsatzpotenziale ab als Nicht-Anwender.
Foto: IDC

Auch bei den Gründen für die IoT-Einführung gehen die Einschätzungen auseinander. Wer nicht mit IoT arbeitet, will vor allem die Service-Qualität erhöhen (65 Prozent) und die interne Effizienz steigern (61 Prozent). Das sind zwar auch die Hauptgründe für die Anwender, doch stehen diese Punkte mit jeweils 53 Prozent der Stimmen nicht so massiv im Vordergrund. Im Gegenzug nennen die IoT-Pioniere Aspekte wie das Generieren neuer Umsatzpotenziale (41 Prozent), Integration der Lieferkette (38 Prozent) und die kommerzielle Nutzung vorhandener Datenquellen (31 Prozent).

Entscheider sehen für ihr Unternehmen keine Anwendungsfälle

IDC hat von den IoT-Abstinenzlern die Gründe für die Zurückhaltung erfragt. 41 Prozent sehen für ihr Unternehmen keine Anwendungsfälle, weitere 37 Prozent erkennen keinen Bedarf bei ihren Kunden. Elf Prozent rechnen sich keinen überzeugenden ROIROI (Return on Investment) aus und zehn Prozent haben zu wenig Kenntnis. Die Marktforscher interpretieren die Gründe für die Ablehnung als "mangelnden Weitblick". Die Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie "keine wichtigen Chancen verpassen", und sollten nicht erst reagieren, wenn die Kunden Druck machen. Alles zu ROI auf CIO.de

IDC gesteht Entscheidern zu, vor der Komplexität des Themas zurückzuschrecken. Wer nicht das Geld für die Einführung der erforderlichen Infrastruktur ausgeben wolle, könne sich geeignete Partner suchen. Das Gründen von Kompetenz-Zentren, beispielsweise für die Datenverarbeitung im Edge-Bereich, biete sich an. Solche Zentren steigern nach Beobachtung von IDC die Akzeptanz des IoT.

Zur Startseite