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Karriere und Management

Viele CIOs halten IT für komplett ersetzbar

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Insgesamt 24 Prozent der CIOs und 43 Prozent anderer C-Level-Manager halten ihre IT für ersetzbar. McKinsey gibt Ratschläge, wie sich CIOs nicht selbst abschaffen.
  • 58 Prozent der IT-Chefs und 46 Prozent der Business-Entscheider erklären, Organisation und Unternehmenskultur erlaubten dem CIO nicht, sich verantwortlich um E-Commerce zu kümmern
  • 51 Prozent der CIOs erklären, die Infrastruktur ihres Unternehmens modernisiert zu haben – das hätten jedoch nur 36 Prozent der Business-Manager mitbekommen
  • Neun Prozent der ITler und fünfzehn Prozent der anderen Manager sprechen CIOs ausreichend Wissen um Business und Geschäftsprozesse ab

Es klingt im ersten Moment paradox: Obwohl wegen der DigitalisierungDigitalisierung die Bedeutung der IT wächst, gerät der CIO unter Druck. Das legt die globale Studie "IT's future value proposition" von McKinsey nahe. Fazit der Analysten: Gelingt es dem obersten IT-Entscheider nicht, sich neu zu positionieren, schwindet sein Einfluss im Unternehmen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Kaum ein Entscheider hält die hauseigene IT-Abteilung für unersetzbar.
Kaum ein Entscheider hält die hauseigene IT-Abteilung für unersetzbar.
Foto: McKinsey

Mehr als 700 Entscheider hat McKinsey dazu befragt, darunter knapp 400 CIOs und gut 300 weitere C-Level-Manager. Offenbar gelingt es vielen CIOs nicht, ihre Leistungen sichtbar zu machen. So erklären beispielsweise 51 Prozent, sie hätten die Infrastruktur des Unternehmens modernisiert. Das habe jedoch nur rund jeder dritte Business-Manager mitbekommen.

IT-Abteilung austauschbar?

Für unersetzbar halten sich nur wenige CIOs. McKinsey hat erfragt, inwieweit die interne IT-Abteilung durch externe Dienstleister ersetzt werden könne. "Gar nicht" antworteten lediglich zehn Prozent der IT-Entscheider und fünf Prozent der C-Level-Manager. 59 Prozent der ITler und 49 Prozent der anderen Manager sehen eine "geringfügige" bis "mäßige" Ersetzbarkeit. 24 Prozent der CIOs und 43 Prozent der weiteren Befragten erklären, die hauseigene IT könne komplett abgeschafft werden.

E-Commerce gilt nicht als CIO-Thema, sollte es aber

Eines der wichtigsten Themen aus Sicht der Befragten ist E-Commerce, verbunden mit der Frage der Kundenorientierung. McKinsey wollte wissen, als wie effektiv die Arbeit der IT wahrgenommen wird. Lediglich acht Prozent aller Studienteilnehmer halten ihre IT in diesem Punkt für "sehr effektiv", weitere 23 Prozent für "einigermaßen effektiv". Sie erklären das damit, dass es in ihrem Unternehmen keine klare Verantwortlichkeit für E-Commerce und Online-Experience gäbe. McKinsey kommentiert, hier sollte der CIO oder auch ein Chief Technical Officer (CTO) als Verantwortlicher genannt werden. Dem ist aber nicht so.

McKinsey hat nach den Gründen dafür gefragt. Die Mehrheit der Befragten (58 Prozent IT/46 Prozent Non-IT) sieht den CIO als Opfer der Umstände: Organisation und Unternehmenskultur beschränkten seine Arbeit. Zusätzlich erklären 26 Prozent der ITler und 20 Prozent der anderen Manager, der CIO sei für weitere Verantwortlichkeiten - neben der traditionellen IT - im Unternehmen nicht weit genug oben angesiedelt.

Die Befragten machen mehrheitlich die Organisation des Unternehmens für die limitierten Möglichkeiten des CIO verantwortlich.
Die Befragten machen mehrheitlich die Organisation des Unternehmens für die limitierten Möglichkeiten des CIO verantwortlich.
Foto: McKinsey

14 Prozent der CIOs (Non-ITler: zwölf Prozent) trauen dem CIO kein Change-affines Mindset zu. Dass die IT-Chefs nicht genug vom Business und seinen Prozessen verstehen, erklären neun Prozent der ITler (Non-ITler: 15 Prozent). Sieben Prozent sprechen ihnen die nötigen Führungsqualitäten ab (Non-ITler: 15 Prozent).

McKinsey sieht IT-Entscheider gefordert, selbst an ihrer Position zu arbeiten. Konkret: sie müssen klare Prioritäten setzen und kommunizieren, ihr Betriebssystem an die neuen Erfordernisse anpassen und sich um ausreichend qualifiziertes Personal kümmern.

Ein näherer Blick in die Firmen zeigt, dass CIOs stärker sind, wenn sie direkt an den CEO berichten. In solchen Unternehmen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der IT-Entscheider strategische Mitwirkung genießt, mehr als doppelt so hoch.

Drei Ratschläge an CIOs

Die Analysten leiten aus den Studienergebnissen drei Ratschläge an CIOs ab:

  • 1. Den Job neu definieren: CIOs sollten an ihren Führungsqualitäten arbeiten. Idealerweise berichten sie direkt an den CEO. Sie sollten sich Omnichannel-Design, Data Analytics und das Zentralisieren beziehungsweise Automatisieren von IT-Kernfunktionen zu ihren Aufgaben machen.

  • 2. Die Effizienz der IT-Abteilung steigern: Voraussetzung dafür ist ein offenes Gespräch mit dem Business, um die Lücke zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung zu identifizieren. Wer seine Abteilung neu ausrichtet, orientiert sich an den Prioritäten des Business. In der Umsetzung sollten CIOs sowohl agileagile als auch klassische Methoden anwenden können. Alles zu Agile auf CIO.de

  • 3. Das Unternehmen technologisch integrieren: McKinsey sieht den erfolgreichen CIO der Zukunft in einer Rolle als zentralem Architekten, der Technologie-basierte Innovationen ermöglicht. Das erfordert nicht nur die Integration vorhandener und künftiger Systeme und Lösungen, sondern auch die Zusammenarbeit mit Partnern des Unternehmens. IT-Entscheider sollten Mitarbeiter identifizieren, die technologisch versiert sind und Veränderungen aufgeschlossen gegenüberstehen. Diese unterstützen die Modernisierung des Unternehmens.

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