WEF 2020

Weltwirtschaftsforum zeigt KI-Ratgeber

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
KI wird die Welt in der wir leben und arbeiten, nachhaltig verändern. Darüber herrschte auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos Einigkeit. Doch wie sollen Vorstände und Unternehmen darauf reagieren?

Die weltweiten Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI/AI) werden in den nächsten drei Jahren voraussichtlich auf 52 Milliarden Dollar wachsen. Und die jährlichen Wachstumsraten der großen Volkswirtschaften werden sich dank KI in den nächsten 15 Jahren verdoppeln. Doch Künstliche Intelligenz birgt auch Risiken - lediglich 29 Länder haben nationale AI-Regeln geschaffen, um diese potenziellen Risiken zu minimieren. Noch bescheidener ist die Reaktion der Unternehmen: Nur eine Handvoll spricht offen davon, dass sie das auch tun wollen.

Mit einem AI Toolkit will das Weltwirtschaftsforum Vorständen und Aufsichtsräten Hilfestellung in Sachen KI geben.
Mit einem AI Toolkit will das Weltwirtschaftsforum Vorständen und Aufsichtsräten Hilfestellung in Sachen KI geben.
Foto: Rumir - shutterstock.com

Künstliche Intelligenz ist ein Vorstandsthema

Im Prinzip ein leichtsinniges Verhalten, denn das Weltwirtschaftsforum vertritt die Meinung, dass Künstliche Intelligenz bereits alle Unternehmensbereiche betrifft, für die Vorstände und Aufsichtsräte eine Verantwortung tragen. "Die Unternehmen werden eine bedeutende Rolle dabei spielen, wie KI die Gesellschaft beeinflusst", skizziert Kay Firth-Butterfield, Leiterin des Bereichs Künstliche Intelligenz beim Weltwirtschaftsforum, die Situation. "Zudem haben unsere Untersuchungen ergeben, dass viele Führungskräfte und Investoren nicht in vollem Umfang verstehen, was KI für sie tun kann, und welche Parameter sie setzen können, um sicherzustellen, dass die Nutzung dieser Technologie ethisch und verantwortungsvoll erfolgt."

KI-Hilfestellung für den Vorstand

Neben Klimafragen wurde auf dem Weltwirtschaftsforum 2020 viel über KI und Digitalisierung diskutiert.
Neben Klimafragen wurde auf dem Weltwirtschaftsforum 2020 viel über KI und Digitalisierung diskutiert.
Foto: World Economic Forum/ Boris Baldinger

Um Entscheidungsträger bei der Bewältigung dieser Herausforderung zu unterstützen, hat das World Economic Forum (WEF) mit mehr als 100 Unternehmen und Technologieexperten zusammengearbeitet, um das "Empowering AI Toolkit" zu entwickeln. Das Toolkit wurde mit Blick auf die Struktur von Vorstandssitzungen erstellt und richtet sich mit zwölf Lernmodulen an traditionelle Vorstandsausschüsse und die damit verknüpften Arbeitsgruppen.

Die Intention des Weltwirtschaftsforums dabei: Unternehmen sollen mit Hilfe des Werkzeugkastens fundierte Entscheidungen in Bezug auf KI-Lösungen treffen können. Dem WEF zufolge ist es das erste Toolkit, das eine gemeinsame Grundlage für Unternehmen weltweit bietet, um Vorstandsmitglieder zu briefen, damit sie ein klareres Verständnis der aktuellen Situation rund um das Thema Künstliche Intelligenz erhalten. Dabei sollen die verschiedenen Lernmodule die spezifischen Verantwortlichkeiten des Vorstandes abdecken und gleichzeitig Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten von AI aufzeigen.

WEF 2020 - Zwölf Module für die Vorstandsarbeit

Die zwölf Module des Weltwirtschaftsforums lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: Strategie und Kontrolle, wobei erstere sieben Module enthält und letztere vier. Ergänzt werden diese Kategorien noch durch ein Supporting Module, das sich dem Thema Responsibility widmet und einen Überblick über die Aufgaben und Pflichten der Verantwortlichen gibt. Im Folgenden finden Sie die anderen Module und welche sonstigen Aufgaben in den Augen des WEF auf die Vorstände zukommen:

Strategie-Module

  • Brand

Nutzung von KI, um den Markenruf aufrechtzuerhalten. Aufbau von öffentlichem Vertrauen in die eigene Marke. Schutz des Unternehmens-Images; Aufbau einer Markenreputation durch den Einsatz von AI zur Verbesserung der Gesellschaft.

  • Wettbewerb

Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um die Unternehmensziele zu erreichen. KI-Nutzung zu Disruption, Wettbewerb sowie zur Wachstumsförderung.

  • Kunden

Stärkung der Kundenbeziehungen. Mit Hilfe von AI können der Service verbessert, Kundenbedürfnisse und -anliegen adressiert sowie Vertrauen aufgebaut und erhalten werden.

  • Cyber-Sicherheit

Aufbau eine Abwehrfähigkeit gegenüber KI-basierten Cyber-Risiken. Bewertung und Bewältigung von Sicherheitsrisiken durch Künstliche Intelligenz; Einsatz von KI zur Verbesserung der Cyber-Resilienz und Einbindung in die Abwehrstrategie.

  • Betriebsmodell

Verwendung von KI zur Verbesserung von Prozessen. Transformation der operativen Prozesse. Verbesserung von Produktivität und Effizienz.

  • Mensch und Kultur

Zusammenarbeit von Künstlicher Intelligenz und Mensch fördern und ermöglichen. Eine Kultur und Ethik für den Erfolg von KI schaffen; Einsatz der KI im Personalwesen.

  • Technologie

Verwaltung der KI-Implementierung. Aufbau von AI-Systemen; Rückgriff auf bestehende IT-Infrastrukturen; Entwicklung einer Zukunftsstrategie für den KI-Einsatz.

Kontroll-Module

  • Audits:

Finanzielle Kontrolle und entsprechendes Reporting; Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften.

  • Ethik:

Standards für die ordnungsgemäße Entwicklung, Bereitstellung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz erstellen. Ethikgrundsätze für die KI selbst; Einrichtung eines Ethikrates; Risiken von Ethikfehlern erkennen und beheben.

  • Governance:

Strukturierung der KI-Überwachung. Festlegung der Verantwortlichkeiten; Verantwortlichkeiten im Vorstand festlegen; Verantwortlichkeiten des Ethikrates bestimmen.

  • Risiko:

Management der Unternehmensrisiken. Inwieweit findet eine Risikoexposition durch Künstliche Intelligenz statt? Integration der KI in Riskmanagement-Pläne; Krisen-Management mit KI-Hilfe planen.

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, wie das WEF den Begriff Künstliche Intelligenz definiert. Hier ist wenig von der Chimäre zu finden, die immer wieder als KIKI durch die Medien geistert und sowohl Jobs frisst als auch die Menschheit in ihrer Existenz gefährdet. Zwar hätten sich KI-Systeme von ihrem frühen Entwicklungsstadium als Expertensysteme, die von Computertechnikern abhängig waren, deutlich weiterentwickelt, so das Weltwirtschaftsforum, doch von autonom denkenden Systemen seien die KI-Lösungen noch weit entfernt. Der Vorteil heutiger AI-Systeme, sei die Fähigkeit zu lernen. Mit Hilfe der maschinellen Lernmethoden könnten die Systeme Entscheidungen treffen, sowie lernen, ob ihre Entscheidungen richtig oder falsch sind. Alles zu Künstliche Intelligenz auf CIO.de

Diese Chancen bietet Künstliche Intelligenz

Von dem Ziel einer Künstlichen Intelligenz, die denkt, reagiert und handelt wie ein Mensch, sind wir laut WEF noch Jahre entfernt.
Von dem Ziel einer Künstlichen Intelligenz, die denkt, reagiert und handelt wie ein Mensch, sind wir laut WEF noch Jahre entfernt.
Foto: metamorworks - shutterstock.com

Machine Learning sowie regelbasierte Entscheidungen sind aus Sicht des WEF jedoch nur einige Technologien, diebeim KI-Einsatz verwendet werden. Andere Techniken, mit denen KI arbeitet, sind etwa Augmented und Virtual RealityVirtual Reality, Bildverarbeitung, maschinelles Sehen,Sprachverarbeitung, Data AnalyticsAnalytics sowie die Verarbeitung strukturierter und unstrukturierter Daten. Durch die Kombination dieser Technologien stünden selbstfahrende Autos oder universelle Sprachübersetzer kurz vor dem Durchbruch. Alles zu Analytics auf CIO.de Alles zu Virtual Reality auf CIO.de

Allerdings sei die Menschheit von dem allgemeinen Entwicklungsziel der Künstlichen Intelligenz - dem RoboterRoboter, der denkt, reagiert und handelt wie Menschen - noch viele Jahre entfernt. Wachsen werde in den nächsten Jahren sicherlich die Zahl an KI-Systemen und Robotern, die für spezifische Einsatzszenarien und Prozesse konzipiert sind. Alles zu Roboter auf CIO.de

Dennoch sieht das Weltwirtschaftsforum Künstliche Intelligenz bereits heute als transformative Allzwecktechnologie. Wie die Dampfmaschine oder die Elektrizität in der Vergangenheit und Computer und Internet heute, werde KI die Art und Weise verändern, wie die Menschheit arbeitet und lebt. Ein Transformationsprozess, auf den sich Unternehmen heute einstellen sollten. "KI ist eine der größten Umwälzungen, die auf Unternehmen, Regierungen und die Gesellschaft als Ganzes zukommt. Gleichzeitig ist KI eine riesige Quelle an neuen Möglichkeiten, um unsere wichtigsten Herausforderungen zu lösen", unterstreicht Elena Alfaro, Global Head of Data and Open Inovation beim spanischen Kreditinstitut BBVA.

Das "Empowering AI Toolkit" wurde vom Weltwirtschaftsforum gemeinsam mit dem Centre for the Fourth Industrial Revolution Network Fellows von Accenture, BBVA, IBMIBM und Suntory Holdings erstellt. Ferner waren an der Erstellung des Ratgebers AI4All, Australian Institute of Company Directors, Best Practice AI, Latham & Watkins, Saudi Aramco und Splunk beteiligt. Alles zu IBM auf CIO.de

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