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Mixed Reality im Fieldservice

Wie Siemens mit der HoloLens den Güterverkehr revolutionierte

01.03.2019
Die Digitalisierung verändert nachhaltig die Art und Weise, wie Servicetechniker vor Ort Informationen nutzen. Das belegt das Projekt "eHighway" von Siemens und seines Partners Prodware. Techniker nutzen die Microsoft Mixed-Reality-Datenbrille HoloLens und Dynamics 365 for Field Service, um elektrische Lastwagen vor der Inbetriebnahme zu überprüfen.

Die Arbeitswelt wird zweifellos "digitaler". Das gilt nicht für die Tätigkeiten von Wissensarbeitern. Auch Wartungstechniker und Facharbeiter in Industrieunternehmen führen Tests mit neuartigen Tools und innovativen Formen des Informationsmanagements durch, bestätigt Peter Schopf, Team Lead Account Executives / IoT Consultants bei der Siemens Industry Software GmbH: "Der Weg führt weg vom Papierdokument hin zu Collaboration-Ansätzen und dem Einsatz von Mixed-Reality-Lösungen."

Zusammen mit seinem Partner Prodware hat Siemens solche Technologien im Rahmen des Projekts eHighway in der Praxis erprobt. Erste Test-Strecken sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit elektrische Lastkraftwagen herkömmliche LKW ersetzen können. Die eHighway-Fahrzeuge sind, ähnlich wie Elektro-Lokomotiven, mit Stromabnehmern ausgerüstet und beziehen den Strom aus einem Oberleitungsnetz. Dadurch sind die Laster nicht auf Akkus angewiesen.

Bei der Überprüfung der eHighway-LKW setzt Siemens auf eine Mixed-Reality-Lösung von Microsoft und Prodware. Die HoloLens erhöht die Qualität von Wartungs- und Analyse-Aufgaben und macht es für Techniker einfacher, Abschlussberichte zu erstellen.
Bei der Überprüfung der eHighway-LKW setzt Siemens auf eine Mixed-Reality-Lösung von Microsoft und Prodware. Die HoloLens erhöht die Qualität von Wartungs- und Analyse-Aufgaben und macht es für Techniker einfacher, Abschlussberichte zu erstellen.
Foto: Siemens

Virtuelle Realität ergänzt die physische Welt

Vor der Inbetriebnahme führen Techniker eine Überprüfung der eHighway-LKW durch. Testweise setzen die Fachleute vor Ort zu diesem Zweck Mixed-Reality-Brillen der Reihe HoloLens von Microsoft ein. Auf diese Weise erprobt Siemens im Rahmen eines PoC, wie sich solche Lösungen als Ergänzung beziehungsweise Alternative zu den bislang üblichen Verfahren verwenden lassen. Die Produktinformationen und Berichte verwaltet Microsofts Lösung Dynamics 365 for Field Service. Sie wurde vom Siemens- und Microsoft-Partner Prodware implementiert.

"Im Zusammenspiel mit der HoloLens, Mixed Reality und Microsoft Dynamics 365 können Service-Techniker auf eine völlig neue Art mit Maschinen oder Systemen interagieren", unterstreicht Dirk Fedder, Director Professional Services bei Prodware. Mixed Reality bedeutet, dass die HoloLens dem Nutzer erweiterte Informationen an die Hand gibt, die dieser vor Ort nicht ohne weiteres erfassen kann. Ein Beispiel: Die Brille zeigt an, ob an Leitungen oder Komponenten Strom anliegt oder ob das Ventil eines Kessels unter Druck steht. Das reduziert die Gefahr, dass es zu Arbeitsunfällen kommt

Virtuelle Realität ergänzt die physische Welt

Die HoloLens stellt dem Fachmann bei der Überprüfung der Fahrzeuge alle benötigten Informationen zur Verfügung: Wartungsinformationen, digitale Checklisten, Baupläne und 3D-Modelle von wichtigen Komponenten wie etwa dem Stromabnehmer. Außerdem ermöglicht die Lösung dem Siemens-Fachmann, jederzeit mit Kollegen an einem anderen Standort Informationen auszutauschen. Ein Spezialist in München kann beispielsweise einem Techniker in Hamburg Hilfestellung geben, wenn dieser bei einem Problem nicht weiterkommt. Entsprechende Collaboration-Funktionen sind in Microsoft Dynamics 365 for Field Service und die HoloLens integriert.

Dirk Fedder, Director Professional Services bei der Prodware Deutschland AG in Hamburg: "Im Zusammenspiel mit der HoloLens, Mixed Reality und Microsoft Dynamics 365 können Service-Techniker auf eine völlig neue Art mit Maschinen oder Systemen interagieren."
Dirk Fedder, Director Professional Services bei der Prodware Deutschland AG in Hamburg: "Im Zusammenspiel mit der HoloLens, Mixed Reality und Microsoft Dynamics 365 können Service-Techniker auf eine völlig neue Art mit Maschinen oder Systemen interagieren."
Foto: Prodware

Abnahmeprotokolle werden digitalisiert

Als besonderer Vorteil beim eHighway-Projekt hat sich erwiesen, dass der Spezialist das Abnahmeprotokoll direkt vor Ort erstellen kann - in digitaler Form. "Auf diese Weise lassen sich Informationen ohne Zeitverlust erfassen und in strukturierter Weise in Dynamics 365 ablegen", sagt Peter Schopf. "Das erspart dem Mitarbeiter die zeitaufwändige Eingabe der Prüfprotokolle im Nachhinein im Büro."

Bei Siemens sind Überlegungen im Gang, auf Basis der Erfahrungen aus dem Projekt zusammen mit Prodware weitere Einsatzfelder für die Mixed-Reality-Lösung zu erschließen - vor allem in Kombination mit MindSphere, der offenen IoT- und IIoT-Betriebssystem-Plattform von Siemens (Internet of Things; Industrial Internet of Things).

Denkbar ist beispielsweise, von einer Werkzeugmaschine oder einem Bearbeitungszentrum einen "digitalen Zwilling" zu erstellen. Anpassungen oder Weiterentwicklungen, die Fachleute an dieser digitalen Kopie des Systems vorgenommen haben, kann anschließend ein Spezialist vor Ort an der "echten" Maschine umsetzen. Unterstützt wird er dabei von der HoloLens und Informationen, die in Echtzeit von Sensoren an der Maschine sowie von Datenbanken mit Plänen und Handbüchern bereitgestellt werden.

Peter Schopf, Team Lead Account Executives / IoT Consultants bei der Siemens Industry Software GmbH: "Der Weg führt weg vom Papierdokument hin zum dem Einsatz von Mixed-Reality-Lösungen, und dies in Verbindung mit offenen IoT-Plattformen wie Siemens MindSphere."
Peter Schopf, Team Lead Account Executives / IoT Consultants bei der Siemens Industry Software GmbH: "Der Weg führt weg vom Papierdokument hin zum dem Einsatz von Mixed-Reality-Lösungen, und dies in Verbindung mit offenen IoT-Plattformen wie Siemens MindSphere."
Foto: Siemens

Den Menschen "mitnehmen"

Unternehmen, die ebenfalls Microsofts Mixed-Reality-Lösung einsetzen wollen, rät Peter Schopf allerdings dazu, nicht alleine die Technologie im Auge zu behalten. "Wichtig ist, die Mitarbeiter gewissermaßen mitzunehmen und ihnen den Mehrwert einer solchen Lösung nahezubringen", rät der Manager. "Die könne beispielweise mit Unterstützung von "Change Agents" erfolgen, die ihre Kollegen schulen.

Außerdem, so Schopf, sei es ratsam, eine Mixed-Reality-Lösung Schritt für Schritt einzuführen. Zum Beispiel indem Mitarbeitern vor Ort zunächst auf einem Tablet wie dem Microsoft Surface ergänzende digitale Inhalte zur Verfügung gestellt werden. Anschließend könne der Umstieg auf die HoloLens erfolgen. Auch bei den Inhalten selbst sei eine schrittweise Implementierung hilfreich: Zunächst nutzen Fachleute die Mixed-Reality-Lösung dazu, um etwa Abnahmeprotokolle zu erstellen. "Später lässt sich auf dieselbe Weise die komplette Inbetriebnahme einer Maschine oder eines anderen Systems unterstützen", so Peter Schopf.

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