Top-Arbeitgeber 2021

Wo IT-Absolventen arbeiten möchten

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Das Votum der angehenden Computerfachleute für die IT- und Automobilbranche war noch nie so eindeutig wie in diesem Jahr. Lesen Sie, welche Unternehmen 2021 die attraktivsten Arbeitgeber für IT-Studenten sind.
Google behauptet unangefochten den ersten Platz als Wunscharbeitgeber bei Absolventen der Informatik- und MINT-Studiengänge.
Google behauptet unangefochten den ersten Platz als Wunscharbeitgeber bei Absolventen der Informatik- und MINT-Studiengänge.
Foto: Uladzik Kryhin - shutterstock.com

Unter den Top Ten der attraktivsten Arbeitgeber für IT-Studenten kommen mit GoogleGoogle, AppleApple, MicrosoftMicrosoft, AmazonAmazon und SAP fünf aus der High-Tech-Industrie sowie mit Tesla, DaimlerDaimler, BMWBMW, PorschePorsche und AudiAudi ebenfalls fünf Konzerne aus der Automobilindustrie. Das zeigt eine Arbeitgeberanalyse von Trendence. Top-500-Firmenprofil für Audi Top-500-Firmenprofil für BMW Top-500-Firmenprofil für Daimler Top-500-Firmenprofil für Porsche Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

"Tesla stürmt die Charts", bringt Robindroh Ullah den Senkrechtstart des US-amerikanischen Automobilunternehmens von Elon Musk auf den Punkt. Ullah ist Geschäftsführer des Berliner Marktforschungsinstituts Trendence, das seit 21 Jahren Schülern und Studenten auf den Zahn fühlt und von ihnen wissen will, wo sie am liebsten arbeiten und wie viel sie gerne verdienen möchten. "Auch wenn der Anteil an IT-Fachleuten, die der Gigant für die neue Produktionsstätte im brandenburgischen Grünheide rekrutieren wird, relativ gering ist - in der Gunst der Studierenden aus diesem Bereich steigt Tesla direkt auf Platz drei ein", resümiert Ullah dieses Ergebnis.

Bei den anderen Automobilherstellern schaffen es nur Daimler und Audi, bei IT-Absolventen ihre AttraktivitätAttraktivität zu verbessern. Alle anderen, so der Berliner Marktforscher, verlieren an Zustimmung oder stagnieren. Allerdings sei dies ein Nörgeln auf höchstem Niveau, denn BMW und Porsche verschlechtern sich im Top-Ten-Ranking lediglich um einen Platz. Volkswagen erhielt die Quittung schon vor zwei Jahren, als es auf Platz 19 abrutschte. Die weitere Verschlechterung um zwei Plätze fällt daher kaum ins Gewicht. Außerdem kann Ullah die Personaler aus der Automobilbranche beruhigen: "Bei anderen Zielgruppen wie Ingenieuren ist das Vertrauen in die großen Automobilbauer ungebrochen." Alles zu Karriere auf CIO.de

Apple, Amazon und der öffentliche Dienst legen zu

Die größten Gewinne bei der Bewerbungsabsicht machen laut Trendence die klassischen Tech-Konzerne Apple und Amazon. "Auch wenn es bei den Rangplätzen nicht aufwärtsgeht, ist der prozentuale Gewinn im Vergleich zum Vorjahr doch sehr deutlich", analysiert Ullah.

Eine feste Größe im Ranking der beliebtesten IT-Arbeitgeber sind Behörden und Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. "Der Trend, sich bei öffentlichen Arbeitgebern zu bewerben, setzt sich fort: Auch für IT-Spezialisten wird der Staat als Arbeitgeber attraktiv", beobachtet der Trendence-Marktforscher. Zum einen präsentieren sich öffentliche Arbeitgeber zunehmend stärker am Markt und kommen aus ihrem Nischendasein heraus.

Zum anderen würden viele Absolventen gerade in Zeiten der Krise die großen Vorteile bezüglich Jobsicherheit und Work Life Balance schätzen. "Der anspruchsvolle Job im schnell wachsenden Tech-Startup hat für viele an Reiz verloren", beobachtet Ullah das Markgeschehen. Dagegen profitieren große Institutionen wie der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) oder auch die IT-Tochter der Bundeswehr (BWI), die zum Beispiel mit interessanten Kampagnen stark auf sich aufmerksam gemacht habe.

Software AG, Oracle und Dell fallen zurück

Genau das Gegenteil passiert mit einigen renommierten und großen IT-Unternehmen. Zum Beispiel ist Hewlett Packard - früher weltberühmt für seine Firmenkultur und begehrt bei jedem IT-Absolventen - jetzt um 38 Plätze in die Bedeutungslosigkeit auf Rang 103 abgestürzt. Nicht viel besser ergeht es der Software AG. Einst die große Konkurrenz von SAP - der Walldorfer Konzern belegt übrigens Rang sieben - hat das traditionsreiche deutsche Softwarehaus ebenfalls um 38 Plätze eingebüßt und ist auf Platz 84 abgerutscht. Ähnlich schlecht schneiden zwei weitere IT-Weltkonzerne ab. Dell rangiert nur noch auf Platz 74 und verliert 23 Plätze gegenüber dem Vorjahr. Oracle landet auf Platz 55 (Vorjahr Platz 37).

Besser ergeht es den Unternehmensberatungen. "Digitalisierung ist in jedem Betrieb das Thema und die Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich in einem rasanten Tempo beschleunigt", weiß Ullah. Folglich setzen diese Firmen verstärkt auf IT-affinen Nachwuchs. So verbessert sich die weltgrößte IT-Unternehmensberatung Accenture um zwei Plätze auf Rang 23 und behauptet Capgemini mit Rang 36 (Vorjahr 37) seine Stellung im Ranking. Einen spektakulären Sprung nach vorne macht die deutsche Unternehmensberatung msg, die es von Rang 75 auf 49 schafft.

Anwenderunternehmen müssen ihr Branding verbessern

Und wie steht es um großen Anwenderunternehmen - abgesehen von der Automobilindustrie? Seit Jahren weisen sie auf interessante Aufgaben und Jobs hin, beklagen jedoch, beim Hightech-Nachwuchs nicht erste Wahl für in Sachen Bewerbungen zu sein. Im Ranking befinden sich mit BoschBosch, SiemensSiemens und AirbusAirbus lediglich drei große Anwenderfirmen zwischen den Platz zehn und 20, wobei sich Bosch und Siemens durch ihr starkes Engagement rund um Industrie-4.0-Themen ohnehin schon als Softwarehäuser sehen. In der Kategorie 20 bis Rang 30 sind ebenfalls nur drei Anwenderfirmen zu finden - und zwar die Dickschiffe: VWVW, Deutsche BahnDeutsche Bahn und Deutsche TelekomDeutsche Telekom. Weltkonzerne wie die Allianz oder Otto belegen Rang 41 beziehungsweise 74 und die Deutsche Post DHL sogar nur Platz 95. Top-500-Firmenprofil für Airbus Top-500-Firmenprofil für Bosch Top-500-Firmenprofil für Deutsche Bahn Top-500-Firmenprofil für Deutsche Telekom Top-500-Firmenprofil für Siemens Top-500-Firmenprofil für VW

Auch der Handel, der sicherlich nicht zu den Verlierern der Krise zählt, muss sich einiges in puncto IT-Recruiting einfallen lassen. Die teils intensiven Bemühungen der großen Handelskonzerne EdekaEdeka, Aldi, MetroMetro oder LidlLidl für IT-Spezialisten attraktiver zu werden, schlagen sich noch nicht deutlich in den Ranking-Ergebnissen nieder. Aldi SüdAldi Süd, ReweRewe und Lidl sind zwar vertreten, müssen sich aber noch mit Plätzen in der zweiten Hälfte der TOP-Arbeitgeber begnügen. Top-500-Firmenprofil für Aldi Süd Top-500-Firmenprofil für Edeka Top-500-Firmenprofil für Lidl Top-500-Firmenprofil für Metro Top-500-Firmenprofil für Rewe

"Hier wird noch spannend zu beobachten sein, wie sich der Handel insgesamt auf die sinkende Bedeutung des stationären Verkaufs einstellt und den Wandel zu digitalen Geschäftsmodellen auch bei den Mitarbeitenden der IT-Departments schafft", meint Ullah. Offen bleibe die Frage, wie nachhaltig die Insellösungen in Form von IT-Ausgründungen oder Labs sein werden und ob sie positiv zur Positionierung des Arbeitgebers beitragen.

Arbeitgeber sollten für Frauen attraktiver werden

Eine weitere durchwachsene Nachricht gibt es für all diejenigen, die sich seit Jahren dafür einsetzen, dass mehr Frauen die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) studieren und dann auch in entsprechenden Job arbeiten. Hier seien Fortschritte höchstens im Schneckentempo zu verzeichnen, wenn überhaupt. Fast 80 Prozent der Absolvierenden in den Hightech-Fächern sind nach wie vor Männer.

In der Präferenz für bestimmte Arbeitgeber gibt es aber deutliche Unterschiede, die sich Unternehmen stärker zunutze machen sollten, empfiehlt der Trendence-Chef. Arbeitgeber aus dem Bereich der Forschung wie die FraunhoferFraunhofer Gesellschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft haben wesentlich höhere Zustimmungsraten bei Frauen. Deren unbestrittenen Vorteile als Arbeitgeber haben andere aber auch - zeigen es eventuell nur nicht so. Hier bleibe, so Ullah, Potenzial ungenutzt, nicht nur etwas für das Thema Diversity im IT-Bereich zu tun, sondern offene Vakanzen auch schneller zu besetzen. Top-500-Firmenprofil für Fraunhofer

Einsteiger werden beim Jahresgehalt anspruchsvoller

Abgefragt wird in der Studie auch der Gehaltswunsch. Angehende IT-Professionals wünschen sich in diesem Jahr im Schnitt rund 52.200 Jahresgehalt zum Berufseinstieg. Im Vorjahr waren es 2000 Euro weniger und 2019 wünschten sie sich ein Jahresgehalt von 48.700 Euro - bei einer Wochenarbeitszeit von 41 Stunden. Es zeigt sich also, dass der Hightech-Nachwuchs sehr wohl seinen Marktwert kennt und auch die Begehrlichkeiten der Arbeitgeber. Und natürlich kommt diesen jungen IT-Experten der Digitalisierungstrend zugute, so dass sie pekuniär auch zukünftig mit kräftigen Zuwächsen rechnen können.

Fast schon traditionell legen IT-Talente großen Wert auf die persönliche Entwicklung und spannende Arbeitsaufgaben. Weniger wichtig finden sie ein internationales Umfeld oder die konkrete Marktposition eines Arbeitgebers. Hier seien IT-Berufseinsteiger im Vergleich zu anderen Absolvent eher unprätentiös, stellt der der Berliner Marktforscher fest. Zur Bestätigung dieser Analyse führt Ullah weiter an: "Im Vergleich zu anderen Absolvent zeigen sich IT-Studierende weniger mobil, wenn es um den ersten Job geht. Zwei Drittel von ihnen möchten entweder am Studienort oder zumindest in ihrer Stadt oder Region bleiben."

Ullahs Fazit der diesjährigen Arbeitgeberauswertung: "Schauen wir uns die Gewinne und Verluste bei den beliebten Arbeitgebern an, fällt auf, dass die digitalen Player an Attraktivität gewinnen. Automobilbauer verzeichnen ebenso hohe Zugewinne wie die starken digitalen Employer Brands.

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