Umfrage von Monster & YouGov

Der Chef hat mir (privat) nicht zu folgen

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Für viele Beschäftigte sind Vernetzungsanfragen ihrer Chefs auf privaten Kanälen wie Instagram oder Facebook unangenehm. Vor allem Frauen sind deutlich skeptischer als Männer, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.
Vor allem Frauen möchten Privates und Berufliches in den sozialen Medien trennen, weil sie Nachteile befürchten.
Vor allem Frauen möchten Privates und Berufliches in den sozialen Medien trennen, weil sie Nachteile befürchten.
Foto: ESB Professional - shutterstock.com

Rund ein Viertel der Deutschen (23 Prozent) gab an, sie würden es prinzipiell nicht gutheißen, wenn ihre Vorgesetzten ihnen auf Kanälen wie FacebookFacebook, Instagram, TikTok oder TwitterTwitter folgen, weil ihnen das zu privat sei. Das ergab eine aktuelle repräsentative Umfrage des Jobportals Monster in Zusammenarbeit mit YouGov, an der 2.099 volljährige Deutsche teilnahmen. Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de

Unter denjenigen, die eine Vernetzung gänzlich unkritisch sehen (23 Prozent), achtet über die Hälfte ohnehin bereits sehr stark darauf, nicht allzu private Inhalte zu teilen. Die Offenheit ist zudem abhängig vom eigenen Nutzungsverhalten auf dem jeweiligen Kanal, vom Anstellungsverhältnis und vom Geschlecht.

Frauen fürchten Eingriff in die Privatsphäre

Auffallend ist, dass deutlich mehr Frauen (27 Prozent im Vergleich zu 19 Prozent) ein striktes Problem damit hätten, ihren Chefs private Inhalte aus Social-Media-Kanälen zu offenbaren, als Männer. Zudem macht es offenbar einen Unterschied, ob der oder die Arbeitnehmende Single ist oder sich in einer Partnerschaft befindet/verheiratet ist. Singles sind der Umfrage nach tendenziell weniger einverstanden mit einer Vernetzung mit Vorgesetzten (27 Prozent gegenüber je 23 Prozent). Naheliegend ist, dass die Vernetzung mit dem oder der Chefin als weniger angemessen empfunden wird, wenn das eigene Profil zum Beispiel auch für Dating-Zwecke verwendet wird.

"Dass sich mehr Frauen als Männer mit einer Vernetzung der Führungskraft unwohl fühlen, könnte unter anderem daran liegen, dass Frauen sich noch stärker veranlasst sehen, Privates und Berufliches strikt zu trennen", glaubt Claudia Bibo, Senior Project Manager Employer Branding bei Monster. "Noch immer werden Frauen in Bewerbungsverfahren oder bei Beförderungen nicht selten benachteiligt, etwa weil ganz selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass sie sich um die Kinder kümmern und deshalb häufiger ausfallen", so Bibo. Daher sähen sich viele Frauen gedrungen, Privates gänzlich aus dem Jobkontext herauszuhalten, um solchen Annahmen entgegenzuwirken und kein Öl in dieses Feuer zu gießen.

Kein Problem bei rein beruflicher Vernetzung

Für ein knappes Drittel (31 Prozent) der Befragten würde es zwar kein grundsätzliches Problem darstellen, wenn ihre Chefs ihnen auf Instagram oder anderen privaten sozialen Kanälen folgen würde. Dies ist aber abhängig von verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise dem eigenen Nutzungsverhalten auf dem jeweiligen Kanal: So gaben acht Prozent an, es käme in jedem Fall darauf an, welche Inhalte sie auf dem jeweiligen Kanal posten. Nur elf Prozent gaben an, sie hätten nichts zu verbergen, und wären daher uneingeschränkt einverstanden mit einer Vernetzung.

Ausschlaggebend scheint auch, ob parallel berufliche Social-Media-Plattformen genutzt werden. 42 Prozent der Befragten, die Mitglied bei LinkedInLinkedIn sind, und 40 Prozent der befragten XingXing-Mitglieder sehen grundsätzlich kein Problem darin, wenn ihre Vorgesetzten ihnen auf Instagram oder anderen sozialen Kanälen folgen würden, egal was sie dort posten (gegenüber 23 Prozent aller Befragten). Alles zu LinkedIn auf CIO.de Alles zu XING auf CIO.de

Feingefühl gefordert

Nur vier Prozent der Befragten würden sich trotz Unwohlsein nicht trauen, eine Vernetzungsanfrage aus der Chefetage abzulehnen. "Dass diese Zahl so niedrig liegt, ist auch gut und richtig so", erklärt die Monster-Managerin: "Obwohl Social MediaSocial Media und unser Umgang damit stärker als je zuvor im Wandel ist und private Profile mehr und mehr Relevanz im Berufsleben, ja sogar bei Bewerbungensverfahren, erlangen, sollte die Vernetzung absolut freiwillig sein." Man lade ja seinen Chef auch nicht automatisch zu einer Gartenparty ins eigene Heim ein. Alles zu Social Media auf CIO.de

Im Mitarbeitenden-Arbeitgebenden-Verhältnis spielen laut Bibo immer auch Hierarchien und Machtstrukturen eine Rolle. Die Vernetzungsanfrage könne als grenzüberschreitend wahrgenommen werden, gerade dann, wenn das soziale Profil nichts mit dem eigentlichen Beruf zu tun hat. Arbeitgeber sollten daher eine Ablehnung entsprechend akzeptieren, beziehungsweise im Vorhinein genau abwägen, ob es in dem speziellen beruflichen Kontext angemessen sei. Im Zweifelsfall helfe es, einfach vorher zu fragen.

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.099 Personen zwischen dem 24. und 27. Juni 2022 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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