Strategien


Agiles Projektmanagement

Der DB-Regio-CIO fährt jetzt Bus

Johannes Klostermeier ist freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media.
DB-Regio-CIO Frank Scholz ist auf PR-Tour: Mit einem WiFi-Bus wirbt er bei Aufgabenträgern und Kunden um die Bestellung von WLAN in Regionalzügen. Als mobiles Testlabor ermöglicht der Bus Vorführungen vor Ort.
  • Der Bus ermöglicht agiles Projektmanagement, weil er keine bundesamtlichen Genehmigungen braucht
  • Mit WIFI@DB Regio reagiert die Bahn auf die vielfachen Kundenwünsche
  • Selbst alle drei Mobilfunknetzanbieter zusammen können nur auf 87 Prozent des 21.000 Kilometer langen Streckennetzes WLAN in zufriedenstellender Qualität anbieten
  • Auf ersten Nahverkehrsstrecken und Buslinien wird WLAN bereits erprobt
Frank Scholz, CIO von DB Regio, ist jetzt auch Busbesitzer. Dieser fährt quer durch Deutschland und wirbt für Innovationen.
Frank Scholz, CIO von DB Regio, ist jetzt auch Busbesitzer. Dieser fährt quer durch Deutschland und wirbt für Innovationen.
Foto: DB Vertrieb GmbH

Mittwoch, 15.3. Berlin, Freitag, 17.3. ab 13 Uhr Frankfurt, Dienstag, 21.3. Stuttgart, 24./25.4. und 27.4. Hamburg." So sah der Werbefahrplan des CIO der DB Regio AGDB Regio AG, Frank Scholz, aus. Denn wer heute eine gute Idee hat, der muss - auch als CIO - offensiv für die Umsetzung bei seinen Kunden werben. Top-500-Firmenprofil für DB Regio AG

Deshalb sitzt Frank Scholz in einem roten Bus. Der steht in einer Seitenstraße der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße in Berlin-Charlottenburg. Scholz behauptet allerdings, er säße in Wirklichkeit in einem Zug. Und der Standort ist auch kein Zufall, denn um die Ecke haben an diesem Tag die wichtigsten Menschen in Deutschland getagt, die bei DB Regio Leistungen bestellen und bezahlen: 27 Aufgabenträger der Kommunen und Länder in der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr.

Kaffee vom Bahn-CIO im Bus

Und tatsächlich waren zwischendurch wohl alle da - in seinem Bus. Stolz zeigte Scholz dort seine Innovationen vor, denn der Bus ist sein neues mobiles Testlabor. Auch Journalisten empfängt Scholz am Nachmittag im Bus, der mit seiner Einrichtung, den blauschwarz gesprenkelten Sitzen, tatsächlich an eine S-Bahn der Deutschen Bahn erinnert.

Doch anders als in der S-Bahn gibt es hier allerdings auch kostenlosen Kaffee, den der CIO selbst brüht und serviert. Und der Lokführer ist ein ganz normaler Busfahrer, der während des Gesprächs gerade Pause macht.

Im Fernverkehr gibt es schon kostenloses WLAN

Scholz will seinen Kunden im Regionalverkehr (Regionalzüge, S-Bahnen) mehr Komfort bieten. Etwa mit kostenlosem WLAN im Zug. Im Fernverkehr bietet das die Bahn seit Anfang des Jahres in beiden ICE-Klassen ihren Kunden bereits an. Den Fernverkehr erbringt die Bahn eigenwirtschaftlich, hier bezahlt die Bahn alle Leistungen selbst.

Und Scholz will sich die neuen Leistungen von den Bestellern der Verkehrsleistungen, den sogenannten Aufgabenträgern in den Kommunen, bezahlen lassen. Die Bahn liefert nämlich nur, was die Länder und Kommunen bestellen. Dafür müssen diese aber erstens zunächst einmal wissen, dass es diese Technik gibt und sie müssen zweitens davon überzeugt werden, dass die Kunden dies auch wünschen und heute erwarten.

CIO Frank Scholz von DB Regio steht im mobilen Labor und zeigt, welche Technik bald in S-Bahnen funktioniert.
CIO Frank Scholz von DB Regio steht im mobilen Labor und zeigt, welche Technik bald in S-Bahnen funktioniert.
Foto: Klostermeier

Scholz als DB Regio-CIO geht es vor allem um schnelles Internet - auch in der S-Bahn. "Mit unserer WLAN-Lösung WIFI@DB Regio reagieren wir direkt auf Kundenwünsche", sagt er. In einer Befragung im Zug hatten mehr als 60 Prozent der Kunden angegeben, dass ihnen WLAN im Zug "wichtig oder sehr wichtig" sei.

So trivial wie mancher sich das vorstellt und wie man es von zuhause kennt, ist WLAN im Zug aber natürlich nicht. "Zu Beginn stand die systematische Messung der Netzabdeckung mit öffentlichem Mobilfunk entlang der Regio-Strecken", berichtet Scholz. Ein Problem, das viele, die auf die Bahn schimpfen, gar nicht wissen: Internet gibt es in Deutschland gar nicht überall, auch nicht an den Bahnstrecken, selbst wenn man alle Netze der drei Mobilfunknetzbetreiber Deutsche TelekomDeutsche Telekom, VodafoneVodafone und Telefónica bündelt, was die Bahn vorhat. Top-500-Firmenprofil für Deutsche Telekom Top-500-Firmenprofil für Vodafone

"Selbst bei Bündelung der drei Mobilfunknetzanbieter im Multi-Provider-System können wir lediglich auf 87 Prozent von 21.000 Kilometer Streckennetz Internetempfang via WLAN in zufriedenstellender Qualität (mindestens UMTS, teilweise LTE) anbieten", sagt Scholz. Darüber sei man aber im Gespräch mit den Anbietern, damit sich dieser Abdeckungswert in Zukunft erhöht.

Surfen dank Kanalbündelung aller Netzbetreiber auch im Zug.
Surfen dank Kanalbündelung aller Netzbetreiber auch im Zug.
Foto: DB Vertrieb GmbH

Um das Netz zu entlasten, will DB Regio - wie neuerdings in den ICE-Zügen - ein Zusatzangebot mit Offline-Content über ein Bordentertainment-Portal anbieten. Kurzfilme, Nachrichten und mehr von der Festplatte im Zug also. "Derzeit testen wir sowohl das WLAN-System als auch das Bordentertainment-Portal in verschiedenen Regionen und Fahrzeugen", sagt Scholz.

Auf sein neues mobiles Testlabor, einen Bus im Stile eines Zuges, lässt Scholz nichts kommen. Die Vorteile lägen auf der Hand, sagt er:

• Mit unserem WiFi-Bus testet DB Regio neue Technologien. Aufgabenträger wie Kunden können sich direkt und vor Ort ein Bild machen.

• Im mobilen Labor werden die aktuellen Lösungen genauso wie im Zug eingebaut und können während der Fahrt unter simulierter Last getestet werden.

• Aufgabenträger und Reisende können im Test-Bus das WLAN sowie das zukünftige Regio-Portal mit ihren SmartphonesSmartphones und TabletsTablets testen. Alles zu Smartphones auf CIO.de Alles zu Tablets auf CIO.de

Auch Fahrgastzählungen, WLAN-Kameras und Kofferverfolgung per Internet wären im "Connected Train" von morgen, laut Scholz, problemlos möglich.

Auch Fahrgastzählung, WLAN-Kameras und Kofferverfolgung wären im Connected Train möglich.
Auch Fahrgastzählung, WLAN-Kameras und Kofferverfolgung wären im Connected Train möglich.
Foto: Tupungato - shutterstock.com

Marktforschung direkt beim Kunden

Die Entscheidung der Bahn fiel auf den Bus, da dieser sehr flexibel eingesetzt werden kann. "Wir nutzen ihn seit Ende Januar für Marktforschungen, fahren direkt zu den Kunden und auch zu den Aufgabenträgern, um unsere Lösungen vorzustellen." Ein weiterer wichtiger Faktor sei die schnelle Möglichkeit ihn schnell umzurüsten und so mit verschiedenen Versuchskonzepten auszustatten und zu testen. Scholz: "Was hier drin funktioniert, funktioniert auch im Zug." Mehrstündige Fahrten durch ganz Deutschland hat der Bus schon hinter sich.

Und außerdem weiß die Bahn aus der Erfahrung der Vergangenheit mit neuen Zügen: "Für die Tests im mobilen Fahrzeuglabor sind keine bundesamtlichen Genehmigungen notwendig. Somit können wir hier agilesagiles ProjektmanagementProjektmanagement leben. Gerade im Bereich der DigitalisierungDigitalisierung ist das essenziell." Alles zu Agile auf CIO.de Alles zu Digitalisierung auf CIO.de Alles zu Projektmanagement auf CIO.de

Der nächste Halt des Busses war Wittenberge, wo der Bus geparkt wurde. Nach den Terminen im März und April werden weitere folgen. Wer den Bus sieht, solle bitte einsteigen und probesurfen, nicht immer wird Frank Scholz dabei sein werde, aber, mit etwas Glück könne man ihn dort für ein Fachgespräch treffen. Und bald sicherlich auch in der S-Bahn zuhause ausprobieren, was hier im mobilen Testlabor erprobt wurde.

Probe-WLAN rollt schon in S-Bahnen und DB-Bussen

Auf den ersten Strecken rollt auch schon Probe-WLAN im Nahverkehr: Seit dem 13. März steht Fahrgästen in zwei Zügen der Linie RE 42 zwischen Mönchengladbach und Münster ein kostenloser Internet-Zugang zur Nutzung bereit. Insgesamt will die DB Regio NRW vier der zwischen Mönchengladbach und Münster verkehrenden Regionalexpress-Züge testweise mit WLAN ausstatten. Auch im "Fugger-Express" zwischen Augsburg und München sowie auf der Route Kiel-Lübeck-Lüneburg funkt es in einzelnen Zügen. Bei der Stuttgarter S-Bahn läuft ebenfalls ein Test.

Außerdem testet DB Regio im Bus die Möglichkeiten "direkt aus dem Regal". 15.000 Busse hat die Bahn auf der Straße. Davon sind einige Probefahrzeuge im Testbetrieb: Im bayerischen Landkreis Traunstein wurden zehn Regionalbusse zu rollenden Hotspots. Weitere Fahrzeuge sind gerade im Landkreis Konstanz und im Raum Pforzheim unterwegs.

Zur Startseite