Strategien


6 Ratschläge fürs richtige Tempo

Digitalisierung nicht überstürzen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Eintägige Workshops bringen nichts, es müssen schon vier Wochen sein. Für mehr Zeit und Gründlichkeit bei der digitalen Transformation plädiert Eric J. McNulty, Forschungschef der National Preparedness Leadership Initiative.
  • McNultys These: Unternehmen mangelt es nicht an Ideen, sondern an der Fähigkeit, Arbeitsweisen und Verhalten umzustellen
  • Gerade C-Level-Manager kündigen oft eine Neuausrichtung an und halten dann am Stärksten am Status quo fest
Digitalisierung wird oft mit Tempo und Schnelligkeit verbunden, aber die Transformation eines Unternehmens erfordert Zeit.
Digitalisierung wird oft mit Tempo und Schnelligkeit verbunden, aber die Transformation eines Unternehmens erfordert Zeit.
Foto: wavebreakmedia - shutterstock.com

Mit einem scheinbaren Widerspruch steigt Eric J. McNulty, Director Research bei der National Preparedness Leadership Initiative, in die Diskussion um DigitalisierungDigitalisierung ein. "Leaders need to slow down to speed up", verkündet der Autor und Blogger. McNulty stützt sich unter anderem auf die 2015 Fortune Survey of CEOs und auf Gespräche mit Experten wie Barry O'Reilly und Clayton Christensen. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Tempo nicht mit Überstürzung verwechseln

McNulty warnt davor, das wegen der nötigen digitalen Transformation geforderte Tempo mit Überstürzung zu verwechseln. Wer digitalisieren wolle, müsse das gründlich genug tun und dafür ausreichend Zeit einplanen.

Hintergrund ist die These, wonach es den Unternehmen nicht an Ideen mangelt - sondern an der Fähigkeit, Arbeitsweisen und Verhalten umzustellen. Oft kündige die Führungsriege eine Neuausrichtung an, halte selbst aber am Stärksten am Status quo fest. Verhaltensänderungen brauchten Zeit.

Sechs Prinzipien für die digitale Transformation

O'Reilly nennt sechs Prinzipien einer effektiven Transformation.

1. Genug Zeit einplanen

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Vier Wochen am Stück brauchen Entscheider, um neue Geschäftsmodelle oder Produkte zu entwickeln. Eintägige Workshops oder Trainings von ähnlich kurzer Dauer beinhalten zwei große Fehler. Erstens würde in so kurzer Zeit nur Theorie vermittelt, die Teilnehmer hätten keinerlei Chance, etwas praktisch auszuprobieren oder einzuüben. Zweitens brächten die Leiter solcher Kurse typischerweise vorgefertigte Ideen mit, die dann verändert würden.

Grundlegend neue Ideen könnten nur entwickelt werden, wenn die Teilnehmer dafür ausreichend Zeit haben. Sie müssen Gedanken umsetzen, überdenken, wieder verwerfen und neu denken können.

2. Sich abseits der Firma treffen

Das eigene Büro oder Firmengebäude eignet sich nicht für Workshops oder Trainings, aus denen Innovationen hervorgehen sollen. Es bietet zu viel Ablenkung: man verquatscht sich auf dem Flur mit Kollegen, die gar nicht am Training teilnehmen, oder verschwindet "kurz" im eigenen Büro, um etwas zu erledigen.

O'Reilly hält es nicht für nötig, mit den Workshop-Teilnehmern um die halbe Welt zu fliegen. Räumlichkeiten in geografischer Nähe zum eigenen Firmensitz eignen sich auch, dann kann jeder Abends nach Hause gehen. Sie sollten aber deutlich anders aussehen und einfach einen neuen Eindruck vermitteln.

3. Prinzipien für die Zusammenarbeit festlegen

Führungskräfte sind meist nicht gewohnt, Dinge zu tun. Sie analysieren eher. Geht es um digitale Transformation, müssen sie lernen, die Position der Kunden ihres Unternehmens zu verstehen und schnell auf deren Feedback zu reagieren. Schon vor dem Training oder Workshop muss klar sein, dass es um ein neues Mindset geht.

4. Psychologische Sicherheit vermitteln

Wer sich mit verschiedensten Mitstreitern zu einem Workshop über die digitale Transformation des Unternehmens trifft und Ideen mit ihnen teilen soll, muss sich sicher fühlen. Er muss zum Beispiel damit umgehen können, dass seine Vorschläge verworfen werden. Die geforderten vier Wochen Dauer sind schon deswegen nötig. Bis jeder die Stärken und Schwächen, Ängste und Erwartungen der anderen einschätzen kann (und die eigenen), bis also ein gut funktionierendes Team entstanden ist, braucht es Zeit.

5. Design Thinking anwenden

Weil die Methoden des Design Thinking immer den Menschen in den Mittelpunkt stellen, helfen sie Entscheidern, durch die Kundenbrille zu sehen. Eben dieses Verständnis ist der wichtigste Schritt. Dann erst folgt die Technologie, und darauf bauen neue Geschäftsmodelle auf.

6. Neues mit Beharrlichkeit umsetzen

Der ergebnisreichste Workshop nützt nichts, wenn die Ideen nicht umgesetzt werden. Die Teilnehmer müssen untereinander Kontakt halten und an den Ergebnissen dranbleiben. Dafür sollten sie sich wöchentlich Zeit nehmen.

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