Ein Erfahrungsbericht

Exotisch: IT-Outsourcing in Nordkorea

Thomas Pelkmann ist freier Journalist in Köln.

Die größten Probleme sind politisch bedingt

Die größten Probleme des Landes für die aufstrebende IT-Industrie aber sind nach Meinung der Experten politisch bedingt. So verhinderten Sanktionen der USA jeden Handel amerikanischer Firmen mit Nordkorea. Der niederländische Outsourcing-Berater Paul Tija kennt eigenen Worten zufolge verschiedene Unternehmen, die "liebend gerne" mit dem asiatischen Land zusammen arbeiten würden. "Aber die politische und rechtliche Lage verhindern das", so Tija.

Für Unternehmen außerhalb der USA, etwa in der EU, ist die Sache nicht so kompliziert. Dennoch wirke sich auch hier die Embargo-Politik der USA aus, wenn Unternehmen aufgrund des möglichen Stigmas der Kooperation mit den nordkoreanischen Machthabern "zweimal nachdenken", ob sie Verträge mit dem Land abschließen sollen.

An den schwierigen Bedingungen arbeitet auch Nordkorea aktiv mit: durch willkürliche Inhaftierungen und Internierungen oder Misshandlungen kritischer Mitbürger sowie durch das Verbot jeglicher bürgerlichen Freiheiten und Opposition. Mehrere Hunderttausend Nordkoreaner sitzen in Gefangenenlagern, hat die Menschenrechtsorganisation Human Right Watch festgestellt. Grund genug für viele Unternehmen, eine große Scheu gegenüber geschäftlichen Kontakten ins Land zu haben. Für andere aber auch nicht, wie Vertriebsmanager Busse von den Berlinern Exonet Games betont: "Wir haben diese Skrupel nicht. Schließlich arbeiten wir nicht mit der Regierung zusammen, sondern mit hochqualifizierten Experten, die nichts mit dem Regime zu tun haben."

Auf der Liste der 25 gefährlichsten Outsourcing-Standorte taucht Nordkorea erst gar nicht auf, wie unsere US-amerikanische Schwesterpublikation CIO.com berichtet. Im dieser Tage erscheinenden Black Book Outsourcing der Brown Wilson Group rangiert vielmehr das pakistanische Karatchi auf Platz 1, gefolgt von den Drogenmetropolen Medellin in Kolumbien und Juarez in Mexiko.

Umgekehrt schafft es Nordkorea aber auch noch längst nicht auf die Liste der sichersten Standorte. Dort führen Prag und Brünn aus Tschechien sowie Warschau und Krakau aus Polen die Rangfolge an.

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