Strategien


IT-Governance

Glasklare Führung

Johannes Klostermeier ist freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media.

Corporate-IT-Meetings als Novum

Sowohl Schenker als auch der Post kommt bei der IT-Governance zugute, dass das Wer auf oberster Ebene geklärt ist. Eine Umfrage des Darmstädter Dienstleisters Synstar zeigt, dass dies längst nicht in allen Unternehmen der Fall ist. Ende vergangenen Jahres war dennoch nur jeder vierte europäische CIO im Vorstand angesiedelt. Von den verbleibenden 75 Prozent hatten lediglich 6 Prozent vor, dem CIO innerhalb der nächsten zwölf Monate einen Vorstandsposten zu geben. "Es ist bei vielen Firmen noch ein langer Weg zur effektiven ITGovernance", meint Martin Bednaric von Roland Berger Strategie Consultants. Immerhin besitzt nach seiner Schätzung inzwischen knapp die Hälfte aller CIOs die Rückendeckung ihrer Geschäftsleitung.

Ralf Weißbeck, Leiter IT-Governance Schenker, Essen: „Das regelmäßige Corporate- IT-Meeting ist ein sehr effizientes Gremium, in dem IT-Aktivitäten zwischen dem Head-Office und den Regionen abgestimmt und verbindliche Entscheidungen getroffen werden.

Wichtiges Ziel: Kostensenkung

Post-CIO Schuster gehört zu den glücklichen 50 Prozent. Vorstandschef Klaus Zumwinkel hatte ihn als "IT-Libero" und die IT vor dem Börsengang der Post als "strategische Waffe" bezeichnet. Ist sie auf das richtige Ziel gerichtet, oder - um in der Terminologie Gartners zu bleiben - ist das Was in einer IT-Governance richtig entschieden, ergeben sich erhebliche Einsparpotenziale. Im Kostensenkungsprogramm "Star", mit dem die Post bis 2005 insgesamt 1,4 Milliarden Euro einsparen will, entschied das IT-Board beispielsweise, die sechs parallelen NetzwerkeNetzwerke in ein internationales Gesamtnetz einzubetten. Ersparnis: 130 Millionen Euro bis 2005. Die Netzwerkkonsolidierung ist nur ein Beispiel für die Bedeutung des Was in der IT-Governance. Um die Domänen des IT-Betriebs klar abzugrenzen, müsse man "Leitplanken" setzen, wie es Audi-CIO Klaus Mühleck branchentypisch bezeichnet: "Leitplanken bezüglich des Einsatzes von IT beziehungsweise der Steuerung von IT-Ressourcen." Der E-Business-Hype habe gezeigt, dass während der Euphorie die Leitplanken gefehlt hätten. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Im September 2002 hat der Konzernvorstand bei Audi deshalb die neue IT-Governance verabschiedet. Mühlecks Abteilung heißt jetzt "IT und Organisation". "Wir erleben zum Glück gerade den Weg von einer stark technologiegetriebenen IT hin zu einer Ressource-IT, die auch den Wertbeitrag für das Unternehmen managen muss", sagt der Audi-CIO. Berater Bednaric pflichtet bei: Governance müsse IT- und Geschäftsstrategie verzahnen, damit der Wertbeitrag der IT am Gesamtgeschäft maximiert wird. Ein bisschen Umorganisieren, um dann zu meinen, man hätte eine stringente ITGovernance, sei abwegig. Es gehe vor allem darum, das Bewusstsein der Führungskräfte für die Wichtigkeit der IT für das Gesamtunternehmen zu schärfen.

Lokal, regional oder global

Das berührt das dritte W in der Governance-Definition von Gartner. Beim Wie drängt zunächst die Frage, wie Unternehmen mit geteilten Souveränitäten umgehen - innerhalb der IT sowie zwischen der IT und den Funktionsbereichen. "Sie müssen entscheiden, was lokal, regional und global gemacht werden soll", sagt CIO Mühleck. Im vorgegebenen Rahmen dürfen die lokalen Manager bei Audi frei agieren. "Man kann nicht alles zentral steuern, sondern muss auch die Kompetenzen vor Ort ertüchtigen", meint Mühleck, der damit die Glaubensfrage umgeht, ob zentrale oder dezentrale Organisationen die besseren sind.

Auch Daimler Chrysler Services beschäftigt sich mit dieser Frage. "Ausgehend von den Eckpunkten einer mit dem Business erarbeiteten IT-Strategie, haben wir uns für eine zentrale IT-Funktion entschieden", erläutert Markus Sontheimer. Als "CIO World Exclusive Nafta" für Europa, Asien und Lateinamerika ist er beim Finanzdienstleister Daimler Chrysler Services Chef von mehr als 500 IT-Mitarbeitern. "Das bedeutet eine wesentliche Einschränkung der Freiheit für die Einheiten in den Ländern."

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