CCV-Vorstand zu Payment-Trends

Kontaktloses Zahlen geht durch die Decke

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Dass die Coronakrise der Digitalisierung einen Schub gegeben hat, ist bekannt. Weniger geläufig sind die großen Fortschritte im elektronischen Zahlungsverkehr.
Die Pandemie befeuert nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die Möglichkeiten zur kontaktlosen Bezahlung.
Die Pandemie befeuert nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die Möglichkeiten zur kontaktlosen Bezahlung.
Foto: ronstik - shutterstock.com

"Besonders stark wächst auf dem E-Payment-Sektor derzeit der gesamte Self-Service-Bereich", sagt Günther Froschermeier, einer der Gründer des niederländischen Payment-Dienstleisters CCV und als Chief Technology Officer (CTO) verantwortlich für die Entwicklungsabteilung. Seine Begründung: Die Kunden wollen nicht mehr Schlange stehen, und die Händler möchten ihre Kosten senken. Außerdem hat derzeit niemand Lust, sich an überlaufenen Supermarktkassen dem Risiko einer Coronainfektion auszusetzen.

Kontaktloses Zahlen am Point of Sales (PoS) findet nicht nur im Einzelhandel, sondern auch im öffentlichen Nahverkehr, an Ladesäulen für Elektrofahrzeuge und an vielen anderen Stellen Akzeptanz. Dabei können Kunden über Kredit- und EC-Karten oder Digital Wallets auf ihren Smartphones bequem kontaktlos zahlen und dabei die Hygienevorschriften einhalten. Immer mehr Banken bieten bereits eine oder mehrere Digital Wallets an, dabei werden vor allem Apple Pay und Google Pay unterstützt.

Mit dem absehbaren Boom in der Elektromobilität werde kontaktloses Zahlen an den Ladestationen noch mehr Bewegung in den Markt bringen, sagt Froschermeier. Ohne Karten- und Handy-Zahlungen seien Ladesäulen-Infrastrukturen nicht zu betreiben. Entsprechend interessiert zeigten sich die Versorger bezüglich End-to-End-Komplettlösungen für E-Payment, wie CCV sie anbiete. Das Unternehmen offeriert NFC-basierte Lösungen genauso wie Terminals für den klassischen Zahlungsverkehr via EC- und Kreditkarte sowie diverse Kartenlesegeräte und auch die dafür benötigten Plattformen und Systeme.

Bezahlen am Android-Terminal

Als besondere Innovation feiert CCV derzeit seine neuen Android Payment Terminals. Das Unternehmen mit Headquarter im niederländischen Arnheim verspricht Kunden aus Sektoren wie Einzelhandel, Gastronomie, Lieferdiensten oder der Veranstaltungsbranche ein einfaches, Phone-ähnliches PoS-Gerät, das durch ein gehärtetes Android (PayDroid) besonders sicher sein soll und über den CCV-eigenen AppStore mit Anwendungen versorgt und auch verwaltet werden kann.

Freut sich über die neueste Erfindung von CCV, das Android Payment Terminal: Günther Froschermeier, Chief Technology Officer (CTO).
Freut sich über die neueste Erfindung von CCV, das Android Payment Terminal: Günther Froschermeier, Chief Technology Officer (CTO).
Foto: CCV GmbH

Noch einfacher wird es für den HandelHandel mit der neuen App S-POS: Hier wird ein marktgängiges Android-Phone zu einem Kartenlesegerät umfunktioniert. Das gelingt mit der App "Sparkasse POS" (S-POS), die Firmenkunden von der Sparkassen Finanzgruppe beziehen können. Händler werden damit in die Lage versetzt, kontaktlose Zahlungen mit verschiedenen Karten sowie Apple Pay und Giropay in Höhe von zunächst maximal 50 Euro entgegenzunehmen. Top-Firmen der Branche Handel

Rechnung stellen an der Ladesäule

Wie vielseitig, gleichzeitig aber auch komplex das Thema E-Payment ist, macht Froschermeier an Beispielen deutlich. Beim Stromtanken etwa gehe es nicht nur um den Zahlvorgang selbst, sondern auch um das exakte Messen der Leistung und das Stellen einer Rechnung vor Ort auf dem Handy. Anbieter müssten entsprechend dem sogenannten Calibration Law die Daten von der Ladestation via Internet an die Abrechnungsinfrastruktur in der Cloud übermitteln, um dem Kunden dann vor Ort eine gesetzeskonforme, exakte Abrechnung zur Verfügung zu stellen. Er kann dann an der Ladesäule einen QR-Code scannen und findet seinen digitalen Beleg.

Ein anderes Beispiel sind Lösungen für Supermärkte und Einkaufszentren. Offline- und Online-Transaktionen wachsen bekanntlich zusammen, weshalb das Thema Omnichannel-Management immer wichtiger wird. Zudem tauchen am Point of Sales (PoS) nun oft internationale Kunden auf, die mit Diensten wie PayPal, AliPay oder WeChat bezahlen möchten. Hinzu kommen Verfahren wie Click & Collect, Click & Meet oder Self-Service-Kassen. Auf all das brauchen die Marktbetreiber Antworten, und dabei sind die diversen Loyalty-Programme noch gar nicht berücksichtigt.

Man stelle sich den Kunden vor, der sein Pfandguthaben oder Guthaben auf seiner Loyalty-Card an einem Automaten gegen ein Produkt oder eine Tasse Kaffee eintauschen möchte - Lösungen die CCV derzeit vorbereitet. Ein weiteres typisches Szenario sind mobile Terminals, die auf Festivals, Wochenmärkten, im Fußballstadion etc. eine Rolle spielen. Auch hier haben die Kunden Anspruch auf korrekte Abrechnung und Belege.

Megatrend Tokens

Wichtig sind für viele E-Payment-Szenarien längst auch die sogenannten Token-Lösungen. Dabei werden Kartendaten eines Kunden bei der ersten Transaktion in einen anonymen Code verwandelt, der die Gültigkeit der Karte auf einen ganz bestimmten Geltungsbereich einschränkt und manchmal auch mit einem Ablaufdatum versieht. Bei der Datenübertragung werden dann nicht mehr Kreditkartendaten übermittelt, sondern der Kartenbesitzer teilt seine Daten anonymisiert nur mit einem ganz bestimmten Empfänger, wobei ein Token-Service zwischengeschaltet wird.

Wo liegt der Vorteil: Stammkunden können Folgekäufe und Abozahlungen einfach und ohne Angabe von Kartendaten durchführen, sofern sie einmal ein Kundenkonto angelegt haben. Froschermeier nennt als einfaches Beispiel den Besuch im Hotel, wo der ganze Zahlungsverkehr via Token einfacher wird und das Personal sehr schnell abrechnen kann, was der Gast im Restaurant gegessen, an der Minibar konsumiert oder im Pay-TV gesehen hat. Solch ein Token ließe sich beispielsweise mit der Zimmerkarte oder jedem beliebigen NFC-Gerät integrieren. So kann der Hotelgast im Spar-Bereich mithilfe seiner Smartwatch einfach einen Platz im Restaurant reservieren.

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