CIO Auf- und Aussteiger


Abgang mit mindestens einer Rolle Klopapier

Martin Hofmann verlässt Volkswagen

Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Martin Hofmann, Konzern-CIO von Volkswagen, verlässt den Automobilkonzern zum 1. April 2020. Der Abschied von seinen IT-Mitarbeitern fiel emotional aus.

Der langjährige Konzern-CIO Martin Hofmann verlässt VolkswagenVolkswagen zum 1. April. Per Telekonferenz kündigte er am Freitag vor 4.000 IT-Mitarbeitern an, ab nächsten Monat andere Pläne zu verfolgen. Wie diese genau aussehen, dazu mochte sich Hofmann zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht äußern. Er plane allerdings schon seit neun Monaten Volkswagen zu verlassen. Seine Nachfolge tritt interimistisch Beate Hofer an, die bislang für die IT-Sicherheit bei Volkswagen zuständig war. Sie überreichte ihm zum Abschied noch ein ganz besonderes Geschenk. Top-500-Firmenprofil für Volkswagen

Martin Hofmann verlässt VW zu einem schwierigen Zeitpunkt.
Martin Hofmann verlässt VW zu einem schwierigen Zeitpunkt.
Foto: Volkswagen

Keine Ironie: Die Rolle Klopapier, die Beate Hofer ihrem Vorgänger vor laufender Kamera überreichte, drückt noch einmal besondere Wertschätzung aus - auch, wenn nur Deutsche den Witz verstehen. In der Corona-Krise hamstern Amerikaner Waffen und Medikamente, Franzosen Rotwein und Deutsche nun mal Klopapier. Ein Blick in deutsche Kaufhaus-Regale belegt, dass die Rolle ein wirklich wertvolles und liebgemeintes Geschenk war. "Ich hätte dich auch gerne noch mal umarmt", soll die CISO laut Aussage von Volkswagen-Mitarbeitern gesagt haben, sah dann aber angesichts der derzeitigen Lage von diesem Vorhaben ab.

Auch der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Bernd Osterloh fand lobende Worte, angesichts der letzten Ansprache Hofmanns an das IT-Team, die diesmal ausschließlich als Video-Konferenz stattfand. Hofmanns Abgang trifft das Unternehmen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gerade jetzt ist IT-Kompetenz gefragt. Am letzten Wochenende hat VolkswagenVolkswagen die Zahl der VPN-Zugänge von 20.000 auf 70.000 gesteigert. In den nächsten Tagen soll diese Zahl noch weiter hochgeschraubt werden. Hofmann will sich in dieser Notlage auch noch weiterhin der Verantwortung stellen. Top-Firmen der Branche Automobil

Martin Hofmann ist seit 2001 bei Volkswagen und führt die Enterprise-IT seit 2011. Zuvor arbeitete er sechs Jahre lang als "Head of Digital Supply Chain" bei EDS. Hofmann trägt einen Doktortitel der Ingenieurwissenschaften der ETH Zürich, hat einen BWL-Abschluss der Universität Mannheim und absolvierte das Advanced Management Program der Harvard Business School. Seit letztem Jahr trägt er außerdem den Titel CIO des Jahres 2019 in der Kategorie Innovation.

Der Abgang Hofmanns mag für einige IT-Kollegen überraschend gekommen sein. Kenner des Systems Volkswagen munkeln jedoch, dass sich der CIO vermutlich schon länger über sein volles Zeitwertkonto gefreut habe. Auf dieses Konto können Volkswagen-Mitarbeiter Teile ihres Fixgehalts und der Boni einzahlen, um dann früher aus ihrer aktiven Arbeitszeit auszuscheiden. Wer früh genug damit angefangen hat, kann im Alter von 55 seine aktive Tätigkeit einstellen und dann weiter bis zur Rente Gehalt beziehen. Wer dieses Jahr noch sein Zeitwertkonto voll bekommt, wird nach einem alten, vorteilhaften Verfahren abgerechnet. Außerdem werden die Boni bei Volkswagen vorläufig wohl nicht mehr so üppig ausfallen.

Hofmann sagt nichts zu diesen Spekulationen und zu seinen Zukunftsplänen. Die einzige Aussage, zu der er sich hinreißen lässt: "In meiner Biographie habe immer nur ich die Kapitel geschrieben - das nächste auch!"

Angemerkt sei, dass er im April 55 wird. Und dass er noch zwei Kinder hat, die sich zumindest teilweise noch freuen, wenn Papa mal zu Hause ist.

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