Sanktionen gegen Russland

SAP hält Daten russischer Kunden vor

Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.
Kurz vor dem Support-Stopp für russische Cloud-Kunden hat SAP angeboten, deren Daten kostenlos ins Ausland zu verfrachten.
SAP hat seinen russischen Kunden angeboten, deren Daten in ausländische Rechnzentren zu verlagern, bevor die Data Center in Russland abgeschaltet werden.
SAP hat seinen russischen Kunden angeboten, deren Daten in ausländische Rechnzentren zu verlagern, bevor die Data Center in Russland abgeschaltet werden.
Foto: nitpicker - shutterstock.com

SAPSAP hat laut dem ukrainischen Nachrichtenportal The Kyiv Independent seinen Kunden in Russland angeboten, ihre Cloud-DatenCloud-Daten außer Landes zu schaffen, bevor die Data Center dort abgeschaltet werden. In einem Brief des SAP Executive Board vom 23. März stellen die Walldorfer ihrer russischen Klientel drei Optionen zu Wahl. SAP könne deren Daten löschen oder ihnen aushändigen, beides verbunden mit einem sofortigen Vertragsende. Die dritte Möglichkeit sieht vor, die Daten in ausländische Rechenzentren zu migrieren. Dieser Service ist laut dem Schreiben kostenlos. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Gegenüber dem CIO-Magazin sagte ein SAP-Sprecher, die Daten in den Rechenzentren gehörten nicht dem Konzern, sondern den Kunden. Aus rechtlichen Gründen habe das Unternehmen daher Optionen erarbeitet, wie diese Daten übergeben werden könnten. Das gelte ebenfalls für internationale Kunden, die bisher auch auf dem russischen Markt tätig waren. Sollte sich ein russisches Unternehmen entscheiden, seine Daten ins Ausland zu verlagern, könne es diese nicht nutzen.

Der Brief ist datiert auf den Vortag der Ankündigung des Softwarekonzerns vom 24. März, alle Verkäufe in Russland zu stoppen und den Cloud-Betrieb einzustellen. Zudem wolle man "keinerlei Support oder Engagement" leisten. Nicht betroffen davon seien SAP-Produkte, die dort im On-premises-Betrieb gekauft und installiert wurden und von den eigenen IT-Abteilungen betreut werden.

Inwiefern die angebotene Datenmigration als "Support" zu werten ist, bleibt fraglich. In dem Schreiben an die russischen Unternehmen heißt es, man wolle den Cloud-Kunden ein höchstmögliches Maß an fortlaufendem Service bereitstellen. Es würden Notfallpläne erarbeitet, um die Business Continuity der Klienten sicherzustellen, die Lösungen in russischen SAP-Rechenzentren betreiben. Faktoren wie Lieferkettenschwierigkeiten oder "Redundanzausfälle" würden SAP dazu drängen, einen Plan zu erarbeiten, wie die Lösungen der russischen Kunden im Ausland verwaltet werden können, heißt es weiter.

Dass Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraufhin verhängten Sanktionen der Nato-Länder der Auslöser für die Abschaltung der Rechenzentren ist, verschweigt der Brief. SAP spricht lediglich von "außergewöhnlichen Zeiten". Damit steht das Schreiben im krassen Gegensatz zum Ton der Pressemitteilung vom 24. März, in der es heißt: "Russlands ungerechtfertigter Krieg gegen die Ukraine ist herzzerreißend in seiner Brutalität. Zugleich verletzt er das Grundrecht auf Freiheit, das wir mit der Ukraine teilen."

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