Prognose bis 2030

Strategie gegen Fachkräftemangel verschlafen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Im Jahr 2030 erwartet der Headhunter Korn Ferry für Deutschland einen Mangel von zweieinhalb Millionen Fachkräften. Die meisten Unternehmen in Deutschland glauben nicht, mehr als die Hälfte der Mitarbeiter weiterqualifizieren zu können.
  • Korn Ferry beziffert den Mangel für das Jahr 2030 weltweit auf gut 85 Millionen Fachkräfte
  • Knapp drei von vier Befragten (74 Prozent) geben an, 2030 habe Technologie den Menschen als wichtigsten Faktor der Wertschöpfung im Unternehmen überholt
  • 55 Prozent erklären, sie hätten sich von den "Versprechungen transformativer Technologie" ablenken lassen und es versäumt, eine Strategie in Sachen Mitarbeiter zu entwickeln

Weltweit spüren Entscheider, dass es schwerer wird, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen. Der Headhunter Korn Ferry beziffert den Mangel für das Jahr 2030 auf gut 85 Millionen Fachkräfte. Dennoch glaubt rund jeder Dritte nicht, dass der FachkräftemangelFachkräftemangel die Profitabilität seines Unternehmens gefährdet. Das belegt die Studie "Future of work - the talent shift" von Korn Ferry. Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de

Während nur 14 Prozent der Deutschen glauben, 2030 einen Überschuss an Fachkräften vorzufinden, sind es in Indien 37 Prozent.
Während nur 14 Prozent der Deutschen glauben, 2030 einen Überschuss an Fachkräften vorzufinden, sind es in Indien 37 Prozent.
Foto: Korn Ferry

Korn Ferry hat 1.550 Entscheider aus 19 Ländern befragt, die nach Angaben des Headhunters arbeiten diese für die größten Konzerne der Welt. Die Befragten verkennen das Problem, schreibt Korn Ferry. Sie halten es für ein vorübergehendes Phänomen des normalen Wirtschaftszyklus. Der Headhunter spricht dagegen von einem permanenten strukturellen Wandel. Weiter bescheinigt Korn Ferry den Befragten ein zu optimistisches Vertrauen, eigene Lücken mit ausländischen Arbeitnehmern füllen zu können. 86 Prozent der Studienteilnehmer nennen dies als Option, die Studienautoren sprechen von einem "Blinden Fleck".

Dabei fehlen nicht so sehr Arbeitskräfte an sich, sondern Arbeitskräfte mit den nötigen Fähigkeiten, präzisiert Korn Ferry. Unternehmen müssen identifizieren, welche Mitarbeiter in ihrer Belegschaft sich zur Weiterqualifizierung eignen. Acht von zehn Studienteilnehmern selbst sprechen davon, vorhandene Mitarbeiter "umgruppieren" oder "neu einsetzen" (englisch: to redeploy) zu wollen.

Fokus liegt zu wenig auf den Menschen

Dabei fokussieren sich viele Unternehmen jedoch zu stark auf die Technologie und zu wenig auf den Menschen, konstatiert Korn Ferry. Das liege vermutlich auch an den vielen Unwägbarkeiten rund um dieses Thema. Knapp drei von vier Befragten (74 Prozent) geben an, 2030 habe Technologie den Menschen als wichtigsten Faktor der Wertschöpfung im Unternehmen überholt.

Ein Blick auf die einzelnen Nationen zeigt massive Unterschiede. Zu den pessimistischsten Befragten zählen die deutschen. Lediglich 14 Prozent erwarten, 2030 einen Überschuss an gut qualifizierten Mitarbeitern vorzufinden. Zum Vergleich: in Indien sagen das 37 Prozent der Befragten, in den Vereinigten Arabischen Emiraten 36 Prozent und in Südafrika 34 Prozent.

Prognose: Fachkräftemangel im Jahr 2030

Für Deutschland weist die Prognose 2030 einen Mangel an 2,5 Millionen Fachkräften aus, für Indien von Null. Noch pessimistischer als deutsche Manager zeigen sich ihre Kollegen aus den USA, Singapur und Saudi-Arabien. Hier liegt der Anteil derer, die mit einem Überschuss an qualifizierten Mitarbeitern rechnen, zwischen zwölf und zehn Prozent. Auch in puncto Weiterqualifikation scheint "German Angst" zu herrschen: Noch nicht einmal jeder Fünfte (18 Prozent) glaubt, mehr als die Hälfte der Belegschaft weiterqualifizieren zu können.

Besonders hohe Erwartungen in die Technologie setzen US-Amerikaner. Unter ihnen glaubt jeder Zweite, die Technik werde menschliche Mitarbeiter "in weiten Teilen" irrelevant machen. Unter den Chinesen unterschreibt nur jeder vierte diese Einschätzung, global sind es 39 Prozent.

Wachstumsstarke Firmen legen mehr Wert auf den Faktor Mensch

Insgesamt scheint den Befragten eine Diskrepanz zwischen Handlungsbedarf und eigener Aktivität bewusst zu sein. 55 Prozent erklären, sie hätten sich von den "Versprechungen transformativer Technologie" ablenken lassen und es versäumt, eine Strategie in Sachen Mitarbeiter zu entwickeln. Als wichtigste Bausteine der Geschäftsstrategie gelten Technologie (31 Prozent), gefolgt von Forschung und Entwicklung (17 Prozent). Mitarbeiter an sich ("people in general") nennen nur dreizehn Prozent.

Allerdings, so fügt Korn Ferry an, zeigen sich bei diesem Thema Unterschiede zwischen den Firmen. Manager aus besonders erfolgreichen Unternehmen (als Kriterium dafür gilt das Wachstum) legen mehr Wert auf den Faktor Mensch als solche aus mittelmäßigen Firmen.

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